Planschklavier und Gluckertröte: Michael Bradke ist der Erbauer eines Wasserorchesters

Planschklavier und Gluckertröte : Der Erbauer des Wasserorchesters

Michael Bradke hat schon über 1000 Großklangskulpturen entwickelt und gebaut – wie Planschklavier und Gluckertröte. Ende des Monates werden davon einige vor der Tonhalle zu erleben sein.

Michael Bradke weiß ziemlich gut über das Klatschen bescheid. Noch besser kennt er sich jedoch mit Instrumenten aus, denn der Düsseldorfer baut die allermeisten selbst, seitdem er mit 19 Jahren in der Karibik festgestellt hat, wie leicht Kindern die Freude am Musizieren zu entlocken ist.

Den Unterschied zwischen Lernen und Erleben pflanzen ihm seine Eltern ein. Sie sparen sich den Babysitter, wenn sie Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre Konzerte und Happenings in Düsseldorf besuchen und nehmen ihren kleinen Jungen einfach mit zu Kraftwerk, ins Creamcheese und zu Freunden wie Jazzsaxophonist Wolfgang Engstfeld. Michael Bradke erlitt kein Trauma. Er wurde Musiker. Und Konstrukteur.

In seinem großzügigen Hinterhof-Atelier an der Worringer Straße stapeln sich Rohre, Schüsseln, Trichter und andere Utensilien bis unters Dach; sie ergeben Klangobjekte mit so interessanten Namen wie Monsterflöte und Pumporgel. Das Sortiment wird gerade zusammengebaut, denn zum Familienmusikfest am 30. Juni in der Tonhalle steht Bradke mit einer Auswahl seines mobilen Musikmuseums, wie er es nennt, bereit, damit Kinder wie Erwachsene ausprobieren können, wonach ihnen zumute ist.

Das klingt eher nicht nach Museum, was vielleicht auch ganz gut ist. „Mich hat immer interessiert, mit Kindern zu arbeiten“, sagt Bradke. „Musik ist ein einendes Medium, ganz egal, woher jemand kommt und was er kann.“

In Köln hat er Musik-Ethnologie, Philosophie und Pädagogik studiert. Anschließend verbringt er ein halbes Jahr am Exploratorium in Cleveland/Ohio, wo junge Menschen durch die Abenteuerländer Kunst und Wissenschaft spazieren, um die Welt zu entdecken.

Als Bradke nach Deutschland zurückkehrt, beschließt er, seine pädagogische Arbeit zu professionalisieren. Er studiert am Jazzlabor der Duisburger Gesamthochschule Musik als Unterrichtsfach bei Ilse Storb. Deren umfängliches Wissen über Jazz prägt ihn ebenso wie ihre Auffassung, dass Musik zu allererst Spaß machen müsse und das Improvisieren auch ohne Vorkenntnisse unbedingt förderlich sei. „Deswegen mag ich Jazz so sehr“, sagt Kontrabassist Bradke.

Noch während seines Lehramtsstudiums arbeitet er für den Verein Spielmobile, der die kulturelle Förderung von Kindern – aber jenseits der Schule – vorantreibt. Zu seiner ersten großen Musiksession, die er seinerzeit im Kunstpalst veranstaltet, kommen immerhin 250 Menschen.

Fortan wächst sein Klangskulpturenpark und mit ihm die Nachfrage. Festivals engagieren Bradke und Kindermuseen in der ganzen Welt; er reist in die  Vereinigten Arabischen Emirate, nach Israel, Schottland und Polen. Viele Jahre bespielt er auf der Frankfurter Musikmesse 2000 Quadratmeter: Jeden Tag kommen 500 Kinder, um die Tesa-Trommler oder das Dachlatten-Xylophon kennenzulernen. „Es muss klingen“, sagt Bradke.

Mittlerweile zählt er allein 1000 Großklangskulpturen, darunter das Wasserorchester mit Planschklavier und Gluckertröte, das am 30. Juni ebenfalls mit von der Partie ist und vor der Tonhalle aufgebaut wird.

Drinnen gibt es Instrumente mit und ohne Bastelanleitung; und auch eine kleine Auswahl an Klatschern, die Bradke bei seinen Reisen aufgeschnappt hat. „Die Klatscher sind nur von Mensch zu Mensch weiterzugeben. Sie werden nicht aufgenommen. Und was gibt es Schöneres?“

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