„Philharmonix – The Vienna Berlin Music Club" überzeugt in der Tonhalle

Konzert in der Tonhalle : Philharmonie trifft auf Asterix

Eine überzeugende Mischung: „Philharmonix – The Vienna Berlin Music Club“.

Ein Konzert, bei dem „nicht alles mit rechten Dingen zugeht“, kündigte Klarinettist Daniel Ottensamer an. Was tun denn auch der dritte Mann, der Csárdás von Vittorio Monti und der Walzer „An der schönen blauen Donau“ in der Fledermaus-Ouvertüre? Und wieso fängt der Geiger Sebastian Gürtler auf einmal an zu pfeifen?

Aber genau das ist der Witz bei „Philharmonix“, dem „Vienna Berlin Music Club“. Wer hinter dem Namen eine Kombination von Philharmonie und Asterix vermutete, dachte in die richtige Richtung. Die Kombination von Wiener und Berliner Spitzenmusikern begeisterte in der Tonhalle zum einen durch Witz und Raffinesse und zum zweiten durch das überragende Niveau der Spieler.

Dass der erste Ungarische Tanz von Brahms um einen Ausflug in die ungarische Volksmusik ergänzt wurde, konnte ja nur im Sinne des Komponisten sein. Der brachte ja schließlich auch seine eigene Kreativität und die gefundene Folklore miteinander in Verbindung. Aber so bravourös, wie Noah Bendix-Balgley die Kadenzen spielte, kann es noch lange nicht jeder Geiger. Man hörte eben, woher die Musiker kommen. Bendix-Balgley ist erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker; bei denen steht auch Cellist Stephan Konz unter Vertrag. Stimmführer bei den Wiener Philharmonikern sind der Klarinettist Ottensamer und Ödön Rácz am Kontrabass. Pianist Christoph Traxler hat zahlreiche internationale Wettbewerbe gewonnen und sich als Solist und Kammermusiker längst einen Namen gemacht. Und Gürtler war nicht nur Konzertmeister an der Wiener Volksoper. Nach wie vor ist er Primgeiger im Hugo-Wolf-Quartett und im Alban-Berg-Ensemble. Von ihm stammen die meisten Arrangements. Und wie im Ensemble Amarcord, das er 2000 gründete, steuerte er auch hier eigene Kompositionen bei. Eine köstliche Kostprobe lieferte er ab mit einer Schilderung von Freud und Leid eines Geigers, ganz in der Manier eines typischen Wienerliedes. Dabei zog er die Gattung in einem mit durch den Kakao. Außerdem ist er, wie seinerzeit Frommermann bei den Comedian Hamonists, der Instrumenten-Imitator des Ensembles.

Auch wenn der Bratscher der Gruppe, Thilo Fechner von den Wiener Philharmonikern, fehlte, merkte man das klanglich nicht; die Ensemblemitglieder verstehen sich auch aufs Improvisieren. An Einfällen fehlt es nicht. Bachs C-Dur Präludium lässt sich noch anders unterbringen, als Gounod es seinerzeit praktizierte. Hier wurde es zur Abwechslung einmal mit der „Bohemian Rhapsody“ von Queen in Verbindung gebracht. Eine Verbindung von Kalinka, Tschaikowsky und Säbeltanz bietet sich ohnehin an. Wer vorher nicht glauben wollte, dass eine typische Salonorchester-Besetzung auch Benny-Goodman-Titel zum Swingen bringen kann, der wurde hier eines Besseren belehrt.

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