Gastro-Test: Peruanisch für Anfänger

Gastro-Test: Peruanisch für Anfänger

An der Münsterstraße in Derendorf wird das kulinarische Spektrum der Landeshauptstadt erweitert. Dort gibt es Ceviche, Quinoa und Picarones - Spezialitäten aus Peru.

Slowakisch, taiwanesisch, persisch, auch schon mal dänisch, und portugiesisch und koreanisch sogar in beeindruckender Vielzahl - Düsseldorf hatte nun wahrlich keine Mangelerscheinungen mit Blick auf besondere internationale Restaurants. Und doch hat die Stadt soeben einen höchst erfreulichen Zugang verzeichnet: Lima's RestoBar an der Münsterstraße bringt die peruanische Küche in die Landeshauptstadt.

Die Südamerikaner sind mit kleiner Karte und großer Konsequenz an den Rhein gekommen. Vier Vorspeisen, fünf Hauptgerichte, zwei Desserts umfasst ihr Angebot - aber zum Glück, ohne dabei Zugeständnisse an deutsche Küche oder Gewohnheiten zu machen. So steht beispielsweise ganz unscheinbar auch ein traditionell mariniertes Rinderherz unter den Speisen. Im übrigen sind Kartoffel (sowohl in der süßen wie der erdigen Ausführung), Kürbis und Koriander wesentliche Bestandteile in den meisten Gerichten. Der Kursus Peruanisch für Anfänger geht im Getränketeil der Karte unvermindert weiter. Es gibt zwei Sorten sehr gutes Lager aus dem Andenstaat, zudem einen durchaus beeindruckenden Traubenbranntwein, der deutlich freundlicher wird, wenn er mit Maracuja-Saft und Ginger Ale serviert wird.

Unser Testbesuch begann mit einer schlechten Nachricht, die eine gute war. Da wir erst recht spät im Restaurant eingetroffen waren, konnte unsere Hoffnung auf das peruanische Nationalgericht Ceviche (frischer Fisch mit Limette, Mais und - natürlich - Süßkartoffeln) leider nicht mehr erfüllt werden. Heißt aber im Umkehrschluss: Es wird frisch gekocht und in Portionen, die eben für einen Tag und eine normale Anzahl Gäste reichen.

  • Verein Kabawil mit neuem Tanztheater : Von der Freiheit, die Wahl zu haben
  • Stereo Total im Zakk : Trash-Pop mit „Stereo Total“

Zum Trost gibt es erstmal gesalzene Maiskörner, gefolgt von Vorspeisen, die unsere erste Lektion abschließen. Die Küche der Lima's RestoBar ist ebenso gehoben wie gradlinig. Es gibt eine Reihe guter Zutaten und einen schönen Gesamtgeschmack statt verspielter Nuancen. So schmeckt, vermuten wir zumindest, gut bürgerlich auf Peruanisch. Richtig gut bürgerlich.

Noch eins ist jetzt klar: Einen Begriff für kleinliches Kalorienzählen gibt es in den Anden nicht. So wie die Vorspeisen von Mayonnaise oder Frischkäse begleitet wurden, kommen die zweiten Gänge mit kräftigen Saucen oder guten Mengen Parmesan auf den Tisch. Ans Rinderherz trauen wir uns nicht, wohl aber an die Steakstreifen vom selben Tier, zu denen es neben Kartoffeln vorsichtshalber auch Reis gibt, weil sie diesmal in Stäbchenform dargereicht werden. Favorit des Abends ist ein entfernter peruanischer Verwandter des Hühnerfrikassees (Ají de Gallina), für den das sehr klein geschnittene Geflügel in eine feste Sauce aus Chili und Parmesan gefasst wird. Obwohl die Sättigungsbeilagen einen sehr guten Job gemacht haben, probieren wir auch noch Picarones. Kürbis und Süßkartoffeln werden dafür gestampft und dann noch mal frittiert - und mit einem abermals hausgemachten Sirup vollendet.

Die gute und bereichernde Küche von Lima's RestoBar wird in einem Punkt noch übertroffen. Von den Betreibern, die mit großem Herzen und Leidenschaft ihre heimischen Gerichte erläutern und präsentieren. Kritik ergibt sich erst nach dem Besuch. Dass im Restaurant fleißig, gebraten, gebrutzelt, frittiert wird, merken wir daheim leider von Haar bis Hose, in denen der Geruch noch hängt. Wir kommen aber wieder - für die Cevice-Lektion.

(RP)
Mehr von RP ONLINE