Die Performance „Train Train“ feiert Premiere im FFT Im Grundrauschen des Straßenbahnnetzes

Düsseldorf · Mit seiner dreiteiligen Installation und Performance „Train Train“ will Konzeptkünstler Miu Straßenbahnnetze und deren Rolle für Bewegungen von Körpern im Stadtraum untersuchen. Die Premiere des ersten Teils im FFT ging durch eine zu sperrige Umsetzung am Thema vorbei.

In der Performance „Train Train“ des Konzeptkünstlers Miu wurde auch das Straßenbahnnetz bedeutsam.

In der Performance „Train Train“ des Konzeptkünstlers Miu wurde auch das Straßenbahnnetz bedeutsam.

Foto: Jan Lemitz

Kann ein Sehender die Erfahrungen von blinden und sehgeschädigten Menschen beschreiben? Der Konzeptkünstler Miu (Ryutaro Mimura) hatte sich genau das mit dem Auftakt seiner dreiteiligen Installation und Performance „Train Train“ vorgenommen, die am Donnerstag im FFT Premiere hatte. Es war ein Versuch, der in Teilen einfach scheitern musste. Denn das Publikum bestand bis auf eine Ausnahme aus Sehenden, die ihre Welt naturgemäß audiovisuell erfassen und einordnen.

Miu lebt und arbeitet seit 2014 in Düsseldorf. In seinen interdisziplinären Performances befasst er sich vor allem mit den Wechselwirkungen individuellen Handels und kollektiver Infrastruktur. Im Foyer des FFT traf man nun auf Kabel in den Farben Rot, Grün, Gelb, Pink, Schwarz und Grau, die wie ein Liniensystem der Bahn angeordnet waren. Knotenpunkt war ein schwarz lackierter Kubus in der Mitte des Raums. Der stellte sich als Verstärker heraus, über den Miu Licht- und Soundeffekte steuerte. Für Blinde stand ein kleines Modell der Installation bereit, das ertastet werden konnte. Zusätzlich kam über Lautsprecher eine Audiodeskription des Raumes. Das Publikum war aufgefordert sich während der Performance frei durch die Installation zu bewegen.

Thematisch sollte es um Straßenbahnnetze und deren Rolle im Stadtraum für Körper und Bewegung gehen. Der erste Eindruck schien dies auch umzusetzen. Denn die bunten Kabel zeigten durchaus Parallelen zu einer vereinfachten Version des Liniennetzes der Rheinbahn. Die Geräusche aus den Lautsprechern brachten das Grundrauschen einer Stadt ins Foyer. Nun sollte der Auftakt der Trilogie „Train Train“ die Wechselwirkungen von Menschen mit einer Seheinschränkung und Mobilität im urbanen Raum beleuchten. Dafür hatte Miu einen Experten eingeladen, der dem Publikum von seinen Erfahrungen als Mobilitätstrainer für Blinde in Detmold berichtete. Ulrich Zyros sieht sich selbst als „Mittler zwischen den Welten“, der Hilfestellung gibt, sich im Stadtraum sicher zu bewegen.

An sich ein spannender Vortrag, der aber leider nur Theorie blieb und damit an der Oberfläche der Erfahrung kratzte, wie es ist, wenn die visuelle Wahrnehmung eingeschränkt oder nicht mehr möglich ist. Geruchssinn und Gehör spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie der Tastsinn. Diese Wahrnehmungen aber wurden bei „Train Train“ kaum gefordert. Während Zyros Vortrags, der ins Französische und ins Japanische übersetzt wurde, beschallte Miu sein Publikum mit einem Klangteppich und veränderte immer wieder das Licht im Raum. Zusätzlich gab es von Kristin Schuster noch eine Audiodeskription. Dem Zuviel an audiovisuellen Eindrücken stand ein zu wenig an Inhalt gegenüber.

Was die Performance mit dem Straßenbahnnetz zu tun haben sollte, erschloss sich nur schwer. Das Publikum konnte sich kaum in die Wahrnehmung eines Blinden hineinversetzen, der sich den Raum durch seinen Stock und durch Tasten erarbeitet hätte. Die Reizüberflutung durch Mius Klangteppich wäre dabei eher hinderlich gewesen. Man hätte den Raum vielleicht besser mit verbundenen Augen erkunden können, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie es wohl ist, wenn das Augenlicht nicht mehr der Hauptsinn ist, auf den man sich verlässt.

Miu hat „Train Train“ als Trilogie mit Gastbeiträgen angelegt. Straßenbahnhistoriker Hans Männel wird bei Teil 2 am 25. November einen Vortrag halten, am 26. November ist für den dritten Teil die Stadthistorikerin Kathrin Wildner als Rednerin eingeladen.

Info Tickets unter: www.ffft-duesseldorf.de; Menschen mit Sehbeeinträchtigung können eine Tastführung als Teil der Performance bekommen. Assistenzhunde sind nach vorheriger Anmeldung willkommen, Begleitpersonen haben freien Eintritt.

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