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Pater Elias Füllenbach verabschiedet sich aus Düsseldorf Ein Pater geht auf Reisen

Düsseldorf · Pater Elias verabschiedet sich als Prior aus Düsseldorf. Der beliebte Dominikanermönch will sich der Forschung widmen und dazu in die USA, nach Israel und Rom reisen.

 Pater Elias Füllenbach, Prior der Dominikaner in der Altstadt.

Pater Elias Füllenbach, Prior der Dominikaner in der Altstadt.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Wenn Pater Elias Füllenbach – der Prior der Dominikaner in der Altstadt – in Sankt Andreas predigt, ist die Kirche proppenvoll. Seine Zielgruppe sind nicht nur die Frommen, sondern auch alle anderen. „Wir müssen die Menschen ansprechen, sie nicht mit verstaubten Traditionen langweilen“, ist seine Devise. Nun aber verabschiedet er sich als Prior. Im März wird sein Nachfolger gewählt. Ob er aus der Düsseldorfer Gemeinschaft der Dominikaner oder aus einem anderen Haus kommt, steht noch nicht fest. Pater Elias jedenfalls verlässt nach Ostern zunächst bis Weihnachten den Düsseldorfer Konvent und geht auf Forschungsreise. Er selbst spricht von einer Sabbatzeit.

Denn seit seiner Promotion treibt ihn die Frage um, wie es zum Antisemitismus kommen konnte. „Wir müssen deutlich machen, dass unsere christlichen Wurzeln im Judentum liegen. Jesus, Maria und seine Jünger waren in ihrem Erdenleben Juden, und auch das Neue Testament ist eigentlich ein jüdischer Tex“, so seine Überzeugung. Die christliche Judenfeindschaft beginnt seiner Meinung nach in den frühen Texten, wird im Mittelalter „richtig verheerend“ und ist eine der Ursachen für den Holocaust im Zweiten Weltkrieg.

Nun ist der Dominikaner-Pater nicht nur Prediger, sondern auch Wissenschaftler. Für ihn steht fest, dass der Glaube nicht nur etwas für Herz und Gefühl ist, sondern auch für den Verstand und den Kopf. So plant er eine USA-Reise, um über Johannes Österreicher zu forschen, den österreichischen katholischen Geistlichen jüdischer Abstammung und Wegbereiter des internationalen christlich-jüdischen Dialogs. Er war an der Erstellung der Juden-Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) maßgeblich beteiligt. Pater Elias will in seinen Nachlass Einblick bekommen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Düsseldorf, wo er den Brüdern in der Urlaubszeit hilft, geht es nach Israel zur École biblique, einer französischen Hochschule zur biblischen Exegese, die von den Dominikanern gegründet wurde. Sie hat eine Bibliothek mit 250.000 Bänden und 35.000 alten Fotos und gab ein umfassendes Jesus-Wörterbuch heraus, das einen neuen Blick auf Jesus, seine Herkunft und sein Volk wirft. Pater Elias will aber auch das Archiv von Yad Vashem, der internationalen Holocaust-Gedenkstätte besuchen. Bis Weihnachten ist er in Rom, macht einen italienischen Sprachkurs und will die soeben geöffneten vatikanischen Archive studieren, um zu erfahren, wie man im Rom der 1950er Jahre den christlich-jüdischen Dialog sah, denn es gab auch Versuche, solche Bemühungen zu unterbinden.

Pater Elias wird er sich aber auch um seinen Orden kümmern. Die norddeutsche und die süddeutsch-österreichische Ordensprovinz sind seit Ende Januar fusioniert und bilden jetzt eine größere Provinz mit 120 Patres und dem Hauptsitz in Mainz. Der Düsseldorfer Standort hat Bestand. Das Bistum will das Klostergebäude in der Altstadt halten, denn die Präsenz der Dominikaner an diesem Standort sei wichtig.

Die seit 2017 schwelende Frage, ob man das Haus abreißt und neu baut oder saniert, ist inzwischen entschieden. Das Gebäude aus den 1960er Jahren, das ursprünglich für Düsseldorfs kleinste Pfarre Sankt Andreas als Pfarrhaus gebaut wurde und heute der Pfarrei Sankt Lambertus gehört, wird grundsaniert. „Wahrscheinlich wird außer dem Stahlgerüst nicht mehr viel stehen bleiben“, vermutet Pater Elias. Das Haus brauche einen besseren Lärm- und Wärmeschutz und einen barrierefreien Zugang in den Andreas-Saal. Frühestens im Sommer 2025 werden die Bauarbeiten beginnen. Architekt ist Gregor Dewey aus Viersen, die Projektsteuerung macht die Schüßler Plan Ingenieurgesellschaft aus Düsseldorf.

Der Platz zwischen Kirche und Kloster wird Baustelle und muss gesichert werden. Pater Elias will nicht riskieren, dass ein Betrunkener in der Baugrube herumklettert. Was nach der Gebäude-Sanierung mit dem Platz geschieht, steht noch nicht fest. Er ist nicht historisch. Bis zum Krieg stand dort ein Haus, so dass die Kirchgänger durch eine dunkle Altstadtgasse liefen, um zur schönen Barockkirche zu gelangen. Nach dem Krieg blieb der Platz frei, war zeitweilig Autoparkplatz, dient noch heute als Kirchenvorplatz. Dem Wunsch nach Bäumen steht Pater Elias skeptisch gegenüber, sie würden angesichts der Wildpinkler allzu schnell wieder eingehen.

Die Nutzung des sanierten Klosters ab 2025/26 sieht vor, dass jeder der acht Brüder ein kleines Apartment erhält. Auch an die Zukunft ist gedacht. Hierzu Pater Elias: „Sobald die Gemeinschaft kleiner wird, können die Räume zur Not auch fremd vermietet werden. Wir leben in einer Umbruchzeit, kirchlich und gesellschaftlich. In zehn, fünfzehn Jahren wird man auch Kirchen und Gemeinden aufgeben müssen. Da ist es wichtig, dass an einzelnen Kirchtürmen noch Leben stattfindet.“

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