Düsseldorfer Komponist: Wer singt, betet doppelt - Oskar Gottlieb Blarr wird 80

Zu seinen Lehrern gehörten Herbert von Karajan und Krzysztof Penderecki. Und deren Einfluss ist in der Musik des Düsseldorfer Komponisten Oskar Gottlieb Blarr unüberhörbar.

Auch wenn sein kompositorisches Schaffen später vor allem durch Musik aus dem israelisch-arabischen Raum beeinflusst wurde. Nicht von ungefähr gehören deshalb Oratorien zu den erfolgreichsten Werken Blarrs - darunter der 1983 zum Luther-Jahr geschriebene "Salut für Dr. Martinus" oder die große Jesuspassion, die 1985 in Düsseldorf uraufgeführt wurde. Am Dienstag feiert Blarr, der auch Professur an der Düsseldorfer Musikhochschule war, seinen 80. Geburtstag.

Der gebürtige Ostpreuße siedelte 1945 mit seiner Familie nach Niedersachsen über und studierte ab 1952 an der Staatlichen Hochschule in Hannover Kirchenmusik und Schlagzeug. Seine berufliche Karriere begann er als Organist in Hannover, bevor er 1961 als Kantor an die Düsseldorfer Neanderkirche wechselte. Dort machte er sich mit der Aufführung von Werken Igor Strawinskis, Benjamin Brittens oder Leonard Bernsteins schnell einen Namen. Daneben betreute er die Düsseldorfer Messiaen-Feste und initiierte 1970 die jährliche Konzertreise "3mal neu" für zeitgenössische Musik.

"Wer singt, der betet doppelt", so die Meinung des Komponisten. Kunst verstärke die Beteiligung der Sinne in der Glaubensausübung. Nicht zuletzt deshalb zählt der Musiker zu den wenigen Zeitgenossen, die sich der religiösen Musik verschrieben haben. Beispiele sind das Oratorium "De santa Sabina" und sein Stück "In honorem Fra Angelico" - Kompositionen, die der evangelische Kirchenmusiker bei einem Studienaufenthalt bei den Dominikanern in Rom schrieb.

Für Blarr ist dieser ökumenische Schulterschluss kein Problem. Er lässt sich gerne an historischer Stelle für seine Werke inspirieren: "Wenn ich an einem Ort bin, wird die Geschichte dort lebendig." Wie eben in seiner Hommage "In honorem Fra Angelico" für zwei Stimmen und zehn Instrumente. "Ein historisches Dunkel ermutigt, der faszinierenden Person von Fra Angelico auf die Schliche zu kommen", meint Blarr.

Anders beim Oratorium "De santa Sabina", wo der Komponist 800 Jahre nach dem Tod der heiligen Märtyrerin noch ganz konkrete Spuren ihres Lebens verfolgen konnte. Eine große Überraschung sei es gewesen, dass mit der "Analectica Hymnica" noch ein Gedichtzyklus aus dem 11. Jahrhundert existierte, dessen "ulkigen Rhythmus" Blarr für seine Komposition für gemischten Chor, Soli und Kammerorchester aufgegriffen hat.

Gleich vier Monate hielt sich der Musiker vor 20 Jahren in Rom auf. Dabei bot sich ihm die einmalige Gelegenheit, den Sprung des jungen Christentums ins römische Imperium nachzuvollziehen. Anfang der 1980er Jahre hatte er während eines längeren Israel-Aufenthaltes bereits die geschichtliche Greifbarkeit des jüdischen Menschen Jesus entdeckt. "Man soll das Wort nicht vom Ort trennen", so seine Meinung, die dann stets auch in der Musik ihren Niederschlag fand.

Kein Zufall, dass Blarr mehr als einmal in seiner Musik Menschen aus dem katholischen Leben porträtierte. So setzte er dem polnischen Franziskaner Maximilian Kolbe in einer "Cantata" ein ehrendes Denkmal. Als der Heilige für einen Familienvater in Auschwitz in den Tod gegangen sei, habe er mit seiner "exemplarischen Tat" ein Zeugnis gegeben. Mit seiner Arbeit gehe es Blarr darum, den "Tropfen der Erinnerung" als grundsätzliche Idee der Kunst zu vernehmen. Sie könne aufklären und "Überzeugungstat" sein.

(KNA)