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Mehr Platz für die Musiker: Orchestergraben der Oper ist fertig

Mehr Platz für die Musiker : Orchestergraben der Oper ist fertig

In vier Monaten wurden 2,3 Millionen Euro verbaut. Die Musiker haben jetzt 22 Quadratmeter mehr Platz, in den Saal passen 29 Zuschauer weniger. Und alles schwärmt vom akustischen Quantensprung.

Probeweise erfüllen schon mal die letzten Takte der Götterdämmerung das leere Opernhaus. Becken und Metallophon glänzen um die Wette, das große Tamtam donnert über die Fanfaren des Blechs hinweg und die Streicher wühlen im warmen Wohlklang. Hört sich gut an, was die Düsseldorfer Symphoniker unter Axel Kobers Stabführung da produzieren. Man meint die gute Stimmung mit den Ohren zu spüren, die sich unter den Musikern breitmacht, seit sie ihre neue Arbeitsstätte wieder in Besitz nehmen durften: Seit den Sommerferien war der Orchestergraben eine Baustelle, jetzt ist das 2,3-Millionen-Bauprojekt fertig. "Man kann hören, wo das viele Geld geblieben ist", schwärmt OB Dirk Elbers und stimmt damit ein in die allgemeine Begeisterung.

Man mag es nicht glauben, unter welchen Bedingungen die bis zu 90 Musiker im Orchestergraben gearbeitet haben. "Wir Posaunen haben die Kollegen vom Horn nur mit erheblicher Verzögerung gehört, das war eine Art Blindflug", berichtet Jan Perschel, der als Orchestervorstand die Verhandlungen zum Umbau begleitete. Manche Kollegen hätten den Dirigenten nur über Spiegel oder Monitore gesehen, so verbaut mit Wänden und Pfeilern sei der Graben gewesen. Nicht zu reden von der Enge. Schon die Holzbläser hätten bei Wagner- oder Strauss-Opern quasi unterm Deckel spielen müssen. Außerdem klagten viele Musiker unter Zugluft, die vom gefüllten Zuschauerraum unangenehm in den Graben fiel.

Peter Krottenthaler, technischer Direktor der Rheinoper, führt nicht ohne Stolz in das schwarze Loch vor der Bühne. Es musste alles wie am Schnürchen laufen, damit die vier Monate Umbauzeit ausreichten, sagt er. Denn es ist nicht einfach die erste Sitzreihe abmontiert und die Mauer zum Orchestergraben um einen Meter versetzt worden. Bauliche Eingriffe ins Fundament des Hauses waren nötig, sogar die Zuschauertoiletten im Erdgeschoss mussten verlegt werden, damit ein neues Hubpodest eingebaut und die Führungspfeiler für die beiden vorhandenen Podeste in die Wand verlegt werden konnten. 140 Rosetten übersäen jetzt den Boden im Graben, durch die klimatisierte Luft — verwirbelt wie ein Kissen — nach oben steigt und die lästigen Fallwinde sanft zur Decke lenkt, wo sie abgesaugt werden. Außerdem sind der Brandschutz verbessert, eine Induktionsanlage eingebaut, Barrierefreiheit erreicht und vier Rollstuhlplätze zu den vorhandenen vier dazugekommen. Tieftonabsorber brechen den Schall an halbrunden Wänden — die Musiker schwärmen, wie gut sie sich plötzlich hören können. "Hörner in Echtzeit", sagt Perschel.

Auch die Chefs in Sachen Kunst zeigen sich begeistert — zwischen GMD Axel Kober und Intendant Christoph Meyer blitzten die Augen, als die Möglichkeit eines neuen "Ring" im Raum steht. "Bei Wagner und Strauss ist das Orchester zuhause, das können wir jetzt intensiv pflegen", sagt Kober. Düsseldorf darf gespannt sein.

(RP/jco)