Opernscouts zu „Eugen Onegin“ „Ein hochemotionaler Abend“

Düsseldorf · Unsere Kritiker finden viel Lob für die musikalische Seite der Düsseldorfer Premiere. Mit dem Bühnenbild waren allerdings nicht alle einverstanden.

Bogdan Baciu (Onegin, l.) und Ovidiu Purcel (Lenski) im Streit, der ihrem Duell vorausgeht.

Bogdan Baciu (Onegin, l.) und Ovidiu Purcel (Lenski) im Streit, der ihrem Duell vorausgeht.

Foto: Andreas Etter/DOR

Wie so oft verlief auch die Diskussion der Opernscouts über die Premiere von Tschaikowskis „Eugen Onegin“ kontrovers und erfrischend. Einhellige Begeisterung bei Musik und Gesang, beim Bühnenbild hielten sich dagegen Zustimmung und Ablehnung die Waage. Insgesamt aber wurde Michael Thalheimers Inszenierung positiv bewertet. Ausführliche Kommentare der Opernscouts sind in den nächsten Tagen auf www.operamrhein unter „Eugen Onegin“ nachzulesen.

Elke Böttcher, Buchhändlerin: „Große Emotionen bei reduziertem Bühnenbild. Was ich aber sensationell fand, weil ich dadurch auf Gesang und Musik fokussiert war. Der verengte Rahmen verdeutlichte, wie sehr Tatjana mit ihrem Leben gerungen hat. Sobald er sich öffnete, war das eine Erweiterung ihrer selbst, eine Möglichkeit auszubrechen. Ein Spiel des Lebens mit faszinierenden Feinheiten. Jeder Bildwechsel hatte einen Bezug zur Handlung. Der Abend hat mich mitgerissen.“

Anna von Aulock, Schulsozialarbeiterin: „Ich hatte mich sehr auf die Oper gefreut und kam anfangs, als die Charaktere eingeführt wurden, mit dem Bühnenbild noch zurecht. Von einem bestimmten Moment an stand ich auf Kriegsfuß mit ihm. Nette Idee mit der hölzernen Wand, aber sie erdrückte die Sänger und Sängerinnen. Weil mich das ärgerte, konzentrierte ich mich ganz auf die Musik. Die war tatsächlich unglaublich. Im dritten Akt wurde ich von ihr verzaubert, da gab es auch mehr Spannung und Präsenz. Beim Schlussduett hatte ich Gänsehaut. Ein spannender Abend, und ein Glück, dass ich ihn erleben konnte.“

Benjamin Arndt, Kommunikationsdesigner: „Gesanglich und musikalisch großartig. Es machte Spaß, dem absolut ausgewogenen Ensemble zuzuhören – wäre da die Bühne nicht gewesen. Ich bin sonst ein Fan von Technik und Purismus, aber hier habe ich mich erst gelangweilt, weil alles viel zu statisch war. Die Wand-Effekte haben der Handlung nicht geholfen. Schade. Ich hatte alles gelesen über die Oper, sie regelrecht durchdrungen. Deshalb wage ich zu sagen: Daraus hätte man mehr machen können. Ich war enttäuscht.“

Alissa Steinseifer, Business Development: „Das Öffnen und Schließen auf der Bühne zeigte, wie gefangen Tatjana in ihrem Leben ist, wie sie sich rauskämpft und wieder zurückgeworfen wird. Mir fiel bei dieser Inszenierung besonders das Licht auf. Die wechselnden Schattenspiele waren toll, das hat mich am meisten eingefangen. Bei den Kostümen waren die Farben so sortiert, dass sie einen gewissen Fluss ergaben. Ein Höhepunkt war Tatjanas Abendkleid. Bei ihrer fantastischen Arie am Ende hat mich nur eins gestört: dass sie über Onegin in all den Jahren nicht hinweggekommen ist“.

Christine Preuß, Event- und Marketingmanagerin: „Als ich mich auf das Bühnenbild eingelassen hatte, fand ich es sehr passend. Es verstärkte das Seelenleben von Tatjana und unterstrich ihre Bedrängnis. Wurde diese zu schwer, war auch die Wand fast davor, sie zu erdrücken. Die erste Liebe kann so gewaltig sein und junge Menschen so zerreißen, das war nachvollziehbar und berührend. Ein grandioser und hochemotionaler Abend. Er gipfelte in der Arie des Fürsten, eines der schönsten Liebesstücke der Oper.“

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