Open Source Festival 2019 in Düsseldorf lädt Talib Kweli wegen BDS-Bekenntnis aus

Wegen Antisemitismus-Vorwürfen : Düsseldorfer Open Source Festival lädt Talib Kweli aus

Der Rapper Talib Kweli unterstützt die als antisemitisch eingestufte Kampagne BDS. Das Düsseldorfer Festival hatte ihn dazu um Stellungnahme gebeten. Die kam via Facebook. Die Macher reagierten umgehend.

Der New Yorker Rapper Talib Kweli wird nicht wie angekündigt beim Open-Source-Festival am 13. Juli in Düsseldorf auftreten. Die Festival-Leitung um Philipp Maiburg lud den HipHop-Star aus, nachdem der in der Nacht via Facebook seine Verbundenheit zur Organisation BDS erneut bekräftigt hatte.

In seinem Posting warf Kweli der deutschen Regierung vor, die freie Rede zu unterdrücken. Er rückte Deutschland in die Nähe von Nazis und Ku-Klux-Klan und behauptete, Deutschland stehe auf der falschen Seite der Geschichte. Er unterstellte Israel strukturellen Rassismus und zieht einen Vergleich zur Apartheid in Südafrika.

Kweli war für das Festival bereits Ende vergangenen Jahres verpflichtet worden. Eine Düsseldorfer Literaturwissenschaftlerin machte die Festivalleitung am Wochenende darauf aufmerksam, dass Kweli sich bei Twitter wiederholt im Sinne der BDS-Organisation geäußert hat. BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“. Die politische Kampagne stellt das Existenzrecht Israels in Frage und will den Staat wirtschaftlich, politisch und kulturell boykottieren. BDS fordert, Israel möge die „Besatzung und Kolonisierung allen besetzten arabischen Landes“ beenden. Vom Bundestag ist BDS kürzlich als antisemitisch eingestuft worden.

Festival-Chef Philipp Maiburg hatte angekündigt, Kweli zunächst die Chance zu geben, auf die Vorwürfe zu antworten. Danach wolle er entscheiden, ob Kweli auftreten könne. Das hat er nun getan. Maiburg heute: „Uns hat das Statement von Talib Kweli nur über die Sozialen Medien erreicht. Persönlich geschrieben hat er nicht. De facto hat er selbst seinen Gig gecancelt. Wir haben nach diesem Schreiben keine andere Handhabe, als unsere Einladung nicht aufrecht zu erhalten und den Auftritt von unserer Seite abzusagen.“

Kweli hatte zuvor Maiburgs per Mail gesandte Bitte um Stellungnahme und eine Entgegnung gepostet. Palästinenser würden von Israel wegen ihrer dunkleren Hautfarbe wie Menschen zweiter Klasse behandelt, schreibt der 43-Jährige. Dass BDS antisemitisch sei, sei eine Lüge. Er, Talib Kweli, unterstütze die Menschlichkeit. Wenn er in Deutschland deswegen nicht erwünscht sei, gehe er eben nicht dorthin.

„Wir arbeiten an der Verpflichtung eines anderen Künstlers“, kündigte Maiburg an. Außerdem arbeite er an der Zusammenstellung eines Podiums zum Thema BDS in der Kultur- und Kreativwirtschaft. „Ich bin darüber in Austausch mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Wir fragen derzeit Diskutanten an.“

Die Ausladung Talib Kwelis ist der erste derartige Fall, nachdem der Bundestag BDS im Mai als antisemitisch eingestuft hat. „Der Fall wird unsere Arbeit beeinflussen“ , sagt Maiburg. „Um BDS auszuschließen, werden wir uns künftig bei jeder Verpflichtung unterschreiben lassen, dass kein Bandmitglied BDS unterstützt. Das kann den Booking-Prozess sperriger machen, wird aber in Deutschland Standard werden. Als öffentlich gefördertes Format muss man mit der Rechtslage umgehen. Wir werden uns von den Künstlern selber bestätigen lassen, dass es keine BDS-Nähe gibt. Diese Klausel lassen wir gerade formulieren.“

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