Düsseldorf: NRW-Forum: Ende einer Ära und Bilanz

Düsseldorf : NRW-Forum: Ende einer Ära und Bilanz

Eine Pistole wirbt für die aktuelle Ausstellung im NRW-Forum. Symbolisch steht sie für das Attentat auf die Kunst. In drei Monaten geht am Ehrenhof eine Ära zu Ende. Mit diesem Schuss ist alles vorbei.

An der von Albert Watson fotografierten Waffe lässt sich auch der Fortlauf der Geschichte der Fotografie erzählen, an der das NRW-Forum mitgeschrieben hat. Diese Pistole war einst "nur" ein Werbelogo, das Watson im Auftrag einer Agentur für das Düsseldorfer Schauspielhaus entworfen hatte; damals stand es für die Produktion von "Lulu". Und damals wäre solch ein Bild sicher nicht ins Museum gelangt, denn Werbung, Modefotografie und künstlerische Fotografie wurden noch strikt unterschieden.

Heute, nach 15 Jahren Kärrnerarbeit von Wolfgang Lippert und seiner Frau Petra Wenzel, die gemeinsam das NRW-Forum leiten, steht die Fotografie in ihrer aktuellen Breite erhaben da. Unter den international angesagten Künstlern sind Modefotografen und Werber, die Mode selbst und ihre Macher haben sich emanzipiert — all dies ist heute Kunst. Das hat das NRW-Forum mitbewirkt und der Stadt der Kreativen damit ihr künstlerisches Sahnehäubchen aufgesetzt; 100.000 Menschen kamen im Schnitt pro Jahr in die Ausstellungen, alleine Bryan Adams zog 70.000; dank solcher Erlöse war Lippert imstande, die aktuelle Schau zu finanzieren.

Der Abgesang auf all die schönen Jahre, dieses fulminante Finale einer fruchtbaren Zeit, ist ab dem Wochenende zu besichtigen, ein alphabetisch geordnetes Best-of, eine Auswahl der wichtigsten Künstler, die am Ehrenhof zu Gast waren. Dazu wurden weitere gestellt, Stars, die man einst, aus welchen Gründen auch immer, nicht bekam wie beispielsweise Cindy Sherman. In goldenen geschwungenen Lettern steht die Programmatik dieses Abschieds auf der Einladungskarte: "Fotografen, die wir gezeigt haben und die, die wir immer schon gerne gezeigt hätten." Man spürt: Die Ausstellung ist ein Herzensanliegen. Der Katalog ist ledern geprägt wie ein Stammbuch (25 Euro).

Einem Spinnennetz gleich verweben sich die Standpunkte einzelner Fotografen mit der Geschichte der Ausstellungen. Das "A" behauptet eine ganze Wand, den Eingang, mit Nobuyoshi Araki aus Japan und seinem schrill übermaltem Panorama. Das "Z" ist der Eintritt zum zweiten Saal, Zeitschriften-Cover aneinandergereiht, wandfüllend. Fein komponiert wurde die Ausstellungsarchitektur: Anton Corbijns großflächiger Selbstporträtserie "Heaven" sind kleinstformatige Gruppen von Fischli/Weiss gegenübergehängt. Manche Kostbarkeit hat ihr eigenes Kabinett. Auf nackte Körper — wie die von Robert Mapplethorpe — gibt es freie Sicht. Die Düsseldorfer Protagonisten Thomas Ruff, Candida Höfer und Wolfgang Tillmans bestehen in der internationalen Szene, Ruffs wegweisende frühe Porträts sind es, die die Sammlung Rheingold zur Verfügung stellte.

Für Lippert waren Ausstellungen stets Wunschkonzerte. Auch diesmal bleibt kein Wunsch offen.

(RP)