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Düsseldorf: Norbert Kricke malte mit Stahldraht

Düsseldorf : Norbert Kricke malte mit Stahldraht

Nur wenigen Künstlern gelingt es, in ihrer Sparte neue Wege zu gehen, ihr Metier auf eine weitere Stufe zu heben und sich so in der Kunstgeschichte einzuschreiben.

In der Bildhauerei ist Norbert Kricke — geboren in Düsseldorf und in New York zu höchsten Ehren gekommen — eine solche Ausnahme. Bis heute bestechen seine Skulpturen durch ihre schwerelose Leichtigkeit. Seine abstrakten Luftmalereien wirken so zeitlos, als seien sie eben erst entstanden; dabei stammen die frühesten Arbeiten aus der Zeit vor 1950.

In der Galerie Hans Strelow lässt sich bewundern, wie Kricke Bewegung, Zeit und Raum erforscht, wie eine einfache Linie zum Mittel plastischer Raumgestaltung wird, ein kleines Stück geometrisch verbogenen Stahldrahts Energie bündelt und ein schlichtes weißes Stahlkonstrukt zu einer begehbaren Zeichnung wird. Es ist diese ungeheure Präsenz, gepaart mit einer nur durch lange Reflexion zu erreichenden Einfachheit, die Krickes Werke dastehen lässt wie zugleich dynamische und in sich ruhende Monolithe inmitten einer Zeit, in der das Informel die Malerei dominierte und die Bildhauerei noch dem Figürlichen und Konstruktivistischen verhaftet war.

Geboren 1922, kehrte Kricke nach dem Studium in Berlin 1947 in seine Heimatstadt zurück. Hier im Atelierhaus an der Sittarder Straße verwoben sich Leben und Arbeit zu einer Einheit. Norbert Krickes Tochter Sabine Kricke-Güse erzählt, wie das im Erdgeschoss gelegene Atelier Mittelpunkt im Wohnhaus der jungen Familie war, wie der Vater mit Lötstange, Schweißgerät und bloßen Händen arbeitete. "Es war eine Hexenküche, aber für uns ebenso normal wie die Diskussionen über Kunst. Mein Vater konnte sich für Arbeiten von Kollegen begeistern, war aber auch ein scharfer Kritiker. Und er hatte die Gabe, wunderbar erklären zu können", so erinnert sich die Tochter, die selbst Kunsthistorikerin wurde.

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Sie erzählt auch, dass es noch eine andere große Leidenschaft im Leben des Bildhauers gab: die Taubenzucht. "Auf dem Dachboden in unserem späteren Haus lebten Hunderte von Tauben. Mein Vater stand um vier Uhr auf, um sie zu füttern, trainierte und züchtete sie für Wettbewerbe. In diesen Kreisen war er genauso berühmt wie als Künstler", erzählt Sabine, die ebenso wie ihre Mutter die Begeisterung für die gurrenden Mitbewohner nur begrenzt teilte. Doch die gefiederten Gefährten bieten einen Schlüssel zu Krickes Werk: Immer wieder wird auf die Leichtigkeit, das Schwebende und das an den Vogelflug Gemahnende seiner Arbeiten hingewiesen.

"Mein Vater wollte 1958 in die USA auswandern", erzählt die Tochter. Norbert Kricke hatte in Amerika einen guten Ruf, 1961 war er der erste deutsche Bildhauer nach dem Krieg, dem das Museum of Modern Art eine Einzelausstellung widmete. Das MoMA gilt als Olymp der Künstler, Kricke stand am Tor zum großen internationalen Durchbruch. Doch da war er bereits wieder in die alte Heimat zurückgekehrt. "Wie vielen anderen ausgewanderten Künstlern fehlte ihm Europa", berichtet die Tochter. 1964 wurde Kricke Professor an der Kunstakademie, von 1972 bis 1981 war er deren Direktor.

(RP)