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"New Fall"-Festival 2020: Hamed Shani plant für Oktober - trotz Corona

Beliebtes Düsseldorfer Festival : „Wir glauben an den Oktober“

GASTBEITRAG Schon 2018 hat der Kulturmanager Hamed Shahi für sein New-Fall-Festival eine Insolvenz abgewendet. Jetzt lässt er sich von der Krise nicht abschrecken und plant für das Zehn-Jahre-Jubiläum im Herbst. Sein Publikum, sagt er, könne unbesorgt Tickets kaufen.

Corona-Lockdown – als es begann, war ich für einen kurzen Moment ohnmächtig: „Pong“, unsere Gastronomie im NRW-Forum, von einem auf den anderen Tag geschlossen. 80 von unserer Agentur  geplante Konzerte abgesagt. Keine Chance, entstandene Kosten für Technik, Logistik, Infrastruktur zurückzubekommen. Veranstaltungen plant man schließlich bis zu einem Jahr im Voraus. Als es begann, machte ich mir zum ersten Mal richtig Sorgen um mein Lebenswerk: Wird es dieses Virus schaffen, mich und meine Unternehmen in die Knie zu zwingen? Waren ein Vierteljahrhundert-Aufbauarbeit für die Katz?

Definitiv nicht! Denn in der Not wächst auch das Rettende. Und das Rettende ist für mich, dass wir alle gerade mit- und voneinander lernen. Wir lernen, kreativer zu sein, solidarischer zu sein, auch wieder mutiger, unternehmerischer zu denken und zu handeln.

So haben mein Team und ich beschlossen, im „Pong“ die Armenküche Düsseldorf zu unterstützen. In den letzten Wochen haben wir bereits über 1190 Mittagessen an diejenigen ausgegeben, denen es weit schlechter geht als uns. Täglich kommen mehr Menschen. Und die Köche, Kellner, Spüler – alle sind ehrenamtlich dabei. Die Freude und Dankbarkeit, die meinem Team und mir entgegengebracht werden, sind überwältigend. Die Geschichten, die uns die Menschen erzählen, sind manchmal traurig, manchmal knallhart und machen mir immer wieder klar: Bei all den Schwierigkeiten, die auch ich gerade habe, bin ich doch sehr privilegiert. Und froh, wenigstens ein wenig helfen zu können – mit dem, was ich habe, und mit dem, was ich kann.

Als Festival-Macher kann ich auch Kultur – und Menschen brauchen Kultur! Aus diesem Grund arbeite ich gerade mehr als vor der Corona-Zeit. Natürlich treibt es mich täglich um, wie ich meine Unternehmen und vor allem die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern kann. Aber vor allem möchte ich Ideen entwickeln, die der Gesellschaft gerade in diesen Zeiten helfen können. Von Innenhof-Konzerten, die von Gärten und Balkonen, also von zu Hause aus erlebt werden können, bis hin zu neuen (Sicherheits-)Konzepten zu Parklife 2020, die wir gemeinsam mit dem Oberbürgermeister-Büro entwickeln. Denn nach der ersten Jahreshälfte, die geprägt ist von Social Distancing und fehlenden Freizeit- wie Kulturangeboten, werden die Menschen und allen voran die Familien in der sonstigen Sommerurlaubszeit nach Begegnung und Aktivitäten vor Ort dürsten.

Die Menschen brauchen Kultur – und wir Kulturschaffende brauchen die Menschen. Für unsere wichtigste Veranstaltung, das New-Fall-Festival, hat gerade der Vorverkauf gestartet. Wir glauben daran, dass das Festival zusammen mit dem New-Fall-Forum Anfang Oktober stattfindet. Und wir haben wieder tolle Künstlerinnen und Künstler wie Sophie Hunger und Nouvelle Vague überzeugen können, an außergewöhnlichen Orten in und für Düsseldorf zu spielen. Ich wünsche mir, dass unser Publikum auch an uns glaubt: Kauft Tickets, Ihr geht kein Risiko ein, selbst wenn auch Nwe Fall verschoben werden muss.

Ich bin schon lange nicht mehr ohnmächtig, ganz im Gegenteil: Diese Zeit zeigt uns neben all den Herausforderungen, welche Potenziale in uns stecken. Wir werden diese Krise nicht nur überwinden, sondern wir werden durch neue Ideen, eine stärkere Gemeinschaft und eine bewusstere Menschenwürde eine bessere, solidarischere Gesellschaft sein!