Düsseldorf: Neues Leben im alten Kraftwerk-Studio

Düsseldorf : Neues Leben im alten Kraftwerk-Studio

Die legendäre Düsseldorfer Band entwickelte ihren einzigartigen Sound in einem schallisolierten Hinterhof an der Mintropstraße. Dort wird nicht nur die "Young Talent Stage" beim nächsten Open Source Festival ausgetragen.

Eigentlich war das Team des Open Source Festivals gekommen, um über die Bands zu sprechen, die am 27. Juni auf der "Young Talent Stage" auftreten werden - und das tat es auch. Eine weitere Nachricht erwies sich jedoch als elektrisierend. Es ging um den Ort des Treffens. Denn in den Räumlichkeiten in einem Hinterhof der Mintropstraße hat sich Mythenreiches abgespielt: Hier probte die Band Kraftwerk, hier entwickelte sie ihren einzigartigen Sound.

Eher per Zufall entdeckte Open- Source-Kurator Philipp Maiburg den legendären Raum und fasste den Plan, das Studio wieder zu nutzen. Vieles sprach dafür, vor allem die ausgezeichnete Akustik. Die mit Blei verkleideten Wände absorbieren den Schall, auch über die Fenster dringt kein Geräusch nach außen, keines von außen hinein. Dass die Räume zu mieten waren, erwies sich als Glücksfall. Ein Kraftwerk-Museum, wie es gerüchteweise hieß, sollte hier jedoch nie entstehen, dazu würde auch der Platz gar nicht reichen. Und ein solches Projekt würde auch Maiburgs Absichten widersprechen. Er wird in den nächsten Monaten neues Leben in die alten Studios bringen. Dabei konnte er auf die Hilfe des Wirtschaftsförderungsamts zählen.

Amtsleiter Uwe Kerkmann ist äußerst angetan von den Plänen. "Die Förderung von Kreativität ist eine neue Herausforderung für eine Stadt, in der Wirtschaft ja nicht nur aus Gewerbeparks und Büros besteht. In Verbindung mit dem Kulturamt sind wir auf der Suche nach neuen Räumen, sowohl im übertragenen Sinne als auch ganz konkret. Und der Name Kraftwerk sorgt weit über die Grenzen Düsseldorfs hinaus für Wiedererkennungswert. Bei einem Besuch in Israel hatten wir sogar Kraftwerk-CDs mit im Gepäck."

Jetzt also soll die kreative Kultur in den Räumen mit dem Schild "Elektro Müller" wiederauferstehen. Das alte Firmenlogo blieb bei der Anmietung auf Wunsch der Band über dem Eingang hängen - und hängt noch immer dort. Deshalb heißt die neue Reihe auch "live at Elektro Müller". Mit den Namen Kraftwerk und "Klingklang Studios" - so hieß es intern - darf und will man sich nicht schmücken. Dass dieses neue Format funktioniert, bewiesen erste Konzerte, unter anderem mit dem Düsseldorfer Musiker Stefan Schwander und seiner Band Harmonious Thelonius. Auch in den nächsten Monaten wird es so zugehen: Der eingeladene Künstler aus dem weiten Feld elektronischer Musik erhält zwei bis vier Wochen die Möglichkeit, im Studio zu proben, und präsentiert anschließend live die Ergebnisse seiner Arbeit. Es muss kein Musiker sein. Den Anfang der Reihe macht mit Tim Berresheim auch ein Künstler, der in diesem Jahr schon im Kunstverein in der Kunsthalle zu sehen war. Er wird an einem "Hamlet"-Projekt arbeiten.

Ansonsten möchte auch Maiburg von den Ergebnissen überrascht werden. "Ich bin sicher, dass sich ständig neue Kontakte ergeben werden. Ich bin gespannt, wo wir in ein paar Monaten stehen werden." Zunächst wird er sich jedoch den Vorbereitungen für das Open Spure Festival widmen. Also auch der "Young Talent Stage".

(RP)