Neuer Chef bei der Schallplattenfirma Motette

Schallplattenfirma : Generationenwechsel beim Orgelverlag

In Lohausen residiert die international bekannte Schallplattenfirma Motette. Jetzt hat ihr Chef Johannes Ricken sein Amt abgegeben.

Selbst Musikfreunde, die mit Schallplatten und CDs aufgewachsen sind, überkommt hier ein erhabenes Gefühl. Zwangsläufig ist man beeindruckt von den Geschäfts- und Lagerräumen eines CD-Verlags mit dem Blick über Hunderte von Stapeln mit Tausenden säuberlich eingeschweißter CDs. Das traditionsreiche Musik-Label Motette ist seit Jahrzehnten in Lohausen ansässig. Nun hat sein Gründer und bisheriger künstlerischer Leiter Johannes Ricken seine Aufgabe an einen Jüngeren weitergegeben, den Kirchenmusiker und Organisten Giovanni Solinas.

Johannes Ricken war hauptberuflich in verantwortungsvollen Positionen in der Wirtschaft tätig. Als ausgebildeter und passionierter Organist gründete er 1976 das Label Motette, zunächst in Wiesbaden. 1987 wechselte er auch mit der CD-Produktion nach Düsseldorf. 1994 übernahm Ricken das Label Psallite, dessen Name nach wie vor auf den Produktionen erscheint. Mit Aufnahmen vor allem von Orgelmusik, aber auch von gregorianischen Gesängen und von Glockengeläut besonderer Kirchen bedient der Verlag zwar sehr spezielle Gebiete, ist auf diesen aber weltweit die Nummer eins geworden. „Nachweislich!“, wie Ricken im Gespräch betont.

So wurden etwa die Choralscholen vom Kloster Maria Laach bis Gerleve aufgenommen. Diese gehören auch zum exklusiven Kundenkreis des Verlags, bezögen, so Ricken, ebenso wie die Dome in Köln, Würzburg und Dresden ausschließlich CDs aus seinem Haus.

Orgelmusik bildet indes den eigentlichen Schwerpunkt. Es gibt Aufnahmen aus Altenberg, Dresden, Naumburg, Passau, Regensburg und natürlich auch aus Köln und Essen. Auch im Ausland – etwa in Luzern, Venedig und London – wurde produziert. Und das Repertoire spiegelt die Vielfalt der Musik wieder: von Barock bis ins 21. Jahrhundert, von Bach bis zu modernen Improvisationen. Gerne widmet man sich dabei auch Namen, die selbst regelmäßigen Orgelkonzert-Besuchern unbekannt sind: Im Verlagsprogramm gibt es seit kurzem das Gesamtwerk von Max Galbins, einem Zeitgenossen des großen Max Reger.

Die Interpreten-Riege liest sich wie ein „Who is who“ der Orgelkunst, darunter Peter Planyavsky, Helmut Walcha, Gerhard Weinberger. Die Liste ist schier endlos und lässt das Herz jedes Orgelmusik-Enthusiasten höher schlagen. Von den bisher an die 500 Produktionen sind die meisten sogar nach wie vor lieferbar. Stets in bester Aufnahmequalität und mit informativen Booklets. Neben dem Eigenvertrieb arbeitet man auch mit der namhaften Firma Harmonia Mundi zusammen. Selbstverständlich liefert man auch ins Ausland.

Johannes Ricken hat nun die künstlerische Leitung an den jungen italienischen Organisten Giovanni Solinas weitergegeben. Als reisender Konzertorganist gab der 1986 auf Sardinien geborene Solinas im Jahr 2015 ein Konzert in St. Cornelius in Viersen-Dülken, wo er mittlerweile fest als Kirchenmusiker arbeitet.

Bereits 2016 nahm Solinas für Motette-Psallite – als CD-Premiere – alle sechs Orgelsonaten op. 65 von Felix Mendelssohn Bartholdy auf und kam so in den Blick Rickens als möglicher Nachfolge-Kandidat. Die verschiedenen Tätigkeitsfelder aufeinander abzustimmen, ist für Solinas sicher keine leichte Aufgabe. Im Verlag trägt er nun die Verantwortung für die Neuproduktionen, die unter dem Namen Motette-Psallite erscheinen. Daneben erscheint unter Motette-Ursina das Back-Programm.

In Arbeit sind derzeit Aufnahmen mit dem kürzlich verstorbenen französischen Organisten Jean Guillou. Für eine der wichtigsten Neuproduktionen, die in diesem Jahr auf DVD erscheinen soll, sind die Tonmeister sogar bis nach Barcelona gereist, um das Orgelspiel der ältesten noch praktizierenden Organistin der Welt aufzunehmen und mit ihr ein Interview zu führen: Die 93-jährige Montserrat Torrent i Serra wird auf verschiedenen Instrumenten ihrer Stadt mit einem spanischen Programm aus Renaissance und Romantik zu hören und zu sehen sein. Natürlich spielt sie auch auf der Orgel der berühmten Sagrada Familia.

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