Neue Ausstellung in der Düsseldorfer Zero Foundation: Wie Zero begann

Neue Ausstellung „structura“ : Neue Ausstellung: Wie Zero begann

Die Zero Foundation an der Hüttenstraße zeichnet in der Ausstellung „structura“ die Anfänge der Düsseldorfer Künstlergruppe um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker nach.

Das weiße Tor an der Hüttenstraße in Friedrichstadt zeigt schon den Weg zur Ausstellung. In großen, schwarzen Lettern steht dort „Zero“. Im Hinterhaus ist seit vergangenem Jahr die Zero Foundation beheimatet. Nach der Eröffnungsausstellung, einer Open-Air-Schau in der Nachbarschaft des Zero-Hauses, und der Öffnung des Archivs findet nun mit „structura“ zum ersten Mal eine richtige Zero-Schau in den Räumlichkeiten der Stiftung statt. 1958 war die Künstlergruppe von Heinz Mack und Otto Piene gegründet worden, 1961 schloss sich Günther Uecker an. Als international agierende Kunstavantgarde sorgten die drei Freunde für Furore in der Kunstwelt.

Die Räume ihrer Stiftung sind selbst schon ein Zero-Schrein. Im zweiten Stock ist das bis heute erhaltene Feueratelier von Otto Piene hinter einer Glaswand konserviert, der Ausstellungsraum war lange Jahre Pienes Arbeitszimmer und später auch das Atelier von Günther Uecker. Bunte Farbspritzer und Kleckse auf dem Boden zeugen von den künstlerischen Experimenten der beiden – so wie in jedem anderen Künstleratelier. Fast schon überhöhend mutet das an. Zumal die nun ausgestellten Werke nicht im Atelierhaus an der Hüttenstraße entstanden sind, sondern im vorherigen Atelier der Zero-Gruppe an der Gladbacher Straße.

Im Zusammenspiel mit den jetzt gezeigten Arbeiten machen die Spuren und Überreste aber trotzdem Sinn. Sie geben der Ausstellung eine gewisse Aura. In „structura“ wird die Entwicklung der Künstler vom Informellen hin zu Zero nachempfunden. Dabei ist erstaunlich in welch kurzer Zeit zum Beispiel Günther Uecker zu seinem ewigen Thema, den Nägeln, kam.

So zeigt „Fingermalerei“ aus dem Jahr 1956 seine Auseinandersetzung mit der Farbe. Das Farbgewirr aus gedeckten Braun- und Grautönen ist durch das Auftragen mit den Fingern strukturiert. Teils sieht man die Abdrücke der Finger noch.

In der wenig später entstanden Arbeit „Das gelbe Bild“ erkennt man hingegen schon den typischen Uecker. Die Ölfarbe der gelben, monochromen Raute ist durch Ritzen leicht strukturiert. Der Einfluss von Yves Kleins monochromen Bildern – 1957 fand in der Galerie Schmela seine erste Düsseldorfer Ausstellung statt – ist unübersehbar. Und auch die Nägel fanden hier Eingang in Ueckers Werk: Ein Kranz aus Nägeln läuft rundherum, eingeschlagen in den Rahmen.

Doch auch an den Arbeiten von Zero-Mitbegründer Heinz Mack lässt sich der Weg zu Zero wunderbar nachvollziehen. Während sich „Ohne Titel“ aus dem Jahr 1953 mit seiner gedeckten Tonalität und der Anordnung der Farbflächen noch am Informellen orientiert, ist die daneben hängende Arbeit „Weisse Vibrationen“ schon im Geiste der Zero-Kunst zu verstehen. Durch eine Gitterstruktur überwindet Mack seinen eigenen Gestus und objektiviert ihn so. In „Dynamische Struktur“ (1962) hat er diese Technik dann zur Perfektion gebracht. Diese serielle Linienstruktur weist gewisse Unregelmäßigkeiten auf, wodurch bei der Betrachtung des Werkes eine rhythmische Abfolge entsteht.

Besonders interessant sind aber auch die Beiträge der Künstler aus dem Zero-Umfeld, die jetzt im Zero-Haus ausgestellt werden. Wie zum Beispiel die zarten Tusche-Experimente von Oskar Holweck, der in den Zero-Abendausstellungen Ende der 1950er Jahre erste Arbeiten in Düsseldorf zeigte. Mit Hilfe einer Pipette ließ Holweck entlang einer gedachten Rasterstruktur Tusche auf das Blatt tropfen. Herausgekommen ist ein wunderbar zartes, leicht unregelmäßiges Raster. Das Prinzip dieser seriellen Reihung übertrug Holweck dann auch auf ein in der Ausstellung gegenüber hängendes Mobile. Dünne Alu-Lamellen hängen von der Decke und reflektieren sanft jeden Lichtstrahl. Diese Arbeit von 1962 ist denn auch noch ein Hinweis auf kinetische Kunst, mit der die Zero-Künstler Ende der 1960er Jahre in eine neue Phase treten.

Info Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 19 Uhr, in der Zero Foundation, Hüttenstraße 104. Vom 19. Mai bis zum 23. Juni ist „Structura“ immer sonntags geöffnet, jeweils von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Informationen zur Stiftung unter: www.zerofoundation.de