Neue Ausstellung im Hetjens in Düsseldorf: Kunst auf Humpen

Neue Ausstellung im Hetjens : Kunst auf Humpen

Das Hetjens-Museum zeigt Glasmalereien aus dem 16. und 17. Jahrhundert

Hell und bunt strahlen die Emailfarben auf den sogenannten Humpen, großen Trinkgläsern. Die Darstellungen auf den im 16. und 17. Jahrhundert sehr beliebten Gläsern handeln von den zwölf Aposteln, den Reichtümern bestimmter Landschaften oder dem deutschen Reich und seinen Teilen. Um diese Humpen und verwandte Keramiken aus Franken geht es in der neuen Ausstellung „Aufbruch zu neuen Malgründen“ im Hetjens-Museum. Besonders faszinierend sind dabei die schillernden Humpen. Die filigranen Stücke haben erstaunlicherweise Jahrhunderte unbeschadet überstanden. Einzig die mit zarten und bunten Pinselstrichen bemalten Deckel der mehrere Liter fassenden Gefäße sind oft nicht mehr erhalten.

Die Region Franken liegt nicht ohne Grund im Fokus der Präsentation. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts entstanden in den Glashütten Frankens Gläser, die in bunten undurchsichtigen Schmelzfarben bemalt wurden, die Emailgläser. Unweit entstanden im Verlauf des 17. Jahrhundert farbliche Fassungen der Creußener Steinzeuge, die sich auch in Adel und Patriziat außerhalb Frankens großer Beliebtheit erfreuten.

Die farbenfrohe Bemalung und viel nackte Haut regten die Käuferschaft sicherlich an. Unter diesen Einflüssen war es den berühmten Nürnberger Hausmalern wie Johan Schaper wenig später möglich, auf den glatten, weißen Oberflächen von Fayencen in Schwarzlot und Schmelzfarben ganz neue Maltechniken anzuwenden.

Neben Gläsern wurden in Nürnberg und Umgebung auch Fayencen und Steinzeuge kunstvoll bemalt. Der Weg von der Glasmalerei hin zu nach Aufträgen individuell gestalteten Keramiken wird in der Ausstellung nachvollzogen, wie auch die kunstgeschichtlichen Epochen. Während die frühe Glasmalerei noch von der Renaissance bestimmt war, sind die späteren Fayence barocke Meisterstücke. Die Gefäße und Teller sind mit Blumenmustern in prächtigen Farben bemalt, die Landschaften zeigen eine idealisierte Idylle. Dazu wurden viele alttestamentarische Szenen, die moralische Werte darstellen, gezeichnet. Im Vergleich zu der allgemein verständlichen und seriell reproduzierbaren Bilderbogenmanier der Werkstätten, bedienten sich die Hausmaler in ihren Auftragsarbeiten diesen aufwändigen szenischen Darstellungen. Im 18. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Hausmalerei wieder ab. In Manufakturen wurden größere Stückzahlen bemalt und auch neue Käuferschichten erschlossen. So konnten sich nun auch zunftgebundene Handwerker die ehemals individuell bemalten Keramiken leisten.

Da viele Gläser Leihgaben des Sammlers Hans-Jürgen Schicker sind, ist die Ausstellung im Hetjens eine selten Gelegenheit, sich diese anzusehen. Schließlich werden die einmaligen Stücke bald wieder in seinem privaten Kabinett verschwinden.

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