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Mithu Sanyal stellt temporeiches Romandebüt „Identitti” im Zakk vor

Bestseller aus Düsseldorf : Mithu Sanyal stellt temporeiches Romandebüt „Identitti” im Zakk vor

Skandal! Dr. Saraswati, gefeierte und streitbare Professorin für Postcolonial Studies, wird als Schwindlerin enttarnt. Sie, die nur People of Color in ihrem Proseminar an der Heine-Uni duldete und sich als Inderin ausgab, ist weiß. Das ist die Ausgangslage von Mithu Sanyals Romandebüt „Identitti“, den die Düsseldorferin am Sonntag im Zakk vorstellt.

Für die Studentin Nivedita steht die Welt plötzlich Kopf. Die Tochter eines indischen Vaters und einer deutschen Mutter hat sich für Intercultural Studies bei Professor Saraswati eingeschrieben. Sie sieht die Dozentin als Leitbild und bald als Ersatzmutter. In ihrem Blog „Identitti“ diskutiert sie über Feminismus und Identitätspolitik. Wurzeln schlägt Nivedita in Oberbilk und spricht mit der imaginären Göttin Kali.

Nivedita hat einiges mit der Autorin gemein. Mithu Saniyal wuchs im gleichen Stadtteil auf, studierte ebenfalls an der Heine-Uni und beschäftigt sich in Büchern, Artikeln oder Radiobeiträgen mit Feminismus, Rassismus und Identitätspolitik. Wie Nivedita hat auch die Kulturwissenschaftlerin einen indischen Vater. Außerdem ließ sie in die Geschichte eigene Erfahrungen mit einem Shitstorm einfließen, der 2017 über sie nach einem kritischen Artikel zu sexualisierter Gewalt hereinbrach. Dabei bedient sie sich eines ganz besonderen Stilmittels. Die Twitter-Kommentare zum Skandal um die Professorin im Buch, ließ Sanyal reale Personen wie Hilal Sezgin, Minh Thu Tran oder Meredith Haaf schreiben.    

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Die 50-jährige erzählt so atemlos temporeich, dass ihre Leser wie im Rausch in die Handlung gezogen werden. Sie arbeitet sich an der Frage nach Identität mit Hintergrundwissen und Lockerheit ab, die das Buch einerseits unterhaltsam macht, anderseits zum Nachdenken anregt. Etwa, wenn klar wird, dass sich die Professorin nach der Erfahrung von Diskriminierung sehnt und man sich nach dem Warum fragt. Am 1. August wird Saniyal ihr Buch bei einer moderierten Lesung im Zakk vorstellen.

Saraswatis Betrug hat durchaus reale Bezüge. Im September 2020 wurde Jessica Krug von der George Washington University entlassen. Die weiße Professorin hatte behauptet, afro- und lateinamerikanische Wurzeln zu haben. Schon 2015 flog die Identitätslüge der Bürgerrechtsaktivistin Rachel Dolezal Afroamerikanerin zu sein auf. Anders als diese beiden, kommt Saraswati mit ihrem Betrug weitgehend unbeschadet durch, indem sie immer wieder rechtfertigende Argumente für ihre Lüge findet. Bleibt am Ende nur die Frage: Warum Mithu Sanyal die weiße Professorin immer das letzte Wort behalten lässt? 

Info Lesung am Sonntag, 1. August, um 19 Uhr; Moderation Annette Krohn (Stadtbüchereien Düsseldorf). Eintritt sechs Euro (Vorverkauf), acht Euro an der Abendkasse