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Düsseldorf: Mit Katché und Karlzon unter der Kuppel

Düsseldorf : Mit Katché und Karlzon unter der Kuppel

In einem Doppelkonzert der Reihe "Jazznights" gastierten zwei herausragende Bands in der Tonhalle.

Staunend lässt der schwedische Pianist Jacob Karlzon seinen Blick durch die Sternenkuppel der Tonhalle schweifen, als er zur Jazznight die Bühne betritt. An diesem speziellen Ort zu spielen, sagt er, sei einer religiösen Erfahrung vergleichbar. Er raunt etwas von Sixtinischer Kapelle und setzt sich an den mit Laptop und zahlreichen Effektpedalen verkabelten Flügel.

Was dann geschieht, ist beeindruckend: Gemeinsam mit dem Bassisten Hans Andersson und dem neu hinzugekommenen Schlagzeuger Robert Mehmet Ikiz, der im Trio für mehr Druck sorgt, entwickelt Karlzon aus minimalistischen Motiven Melodien von großer hymnischer Kraft. Ganz gleich, ob in dem groovenden "Bubbles" oder dem orientalisch anmutenden "Outsourced" mit gestrichenem Kontrabass: Die elektronischen Effekte - bei anderen Bands manchmal nur modischer Schnickschnack - verschmelzen mit den akustischen Instrumenten zu einer organischen Einheit.

Die größte Wirkung aber erzielt Karlzon mit stärkster Reduktion, etwa wenn er in einer kontemplativen Solopiano-Version den "Tears For Fears"-Hit "Mad World" noch mehr verlangsamt als in der Aufnahme von Michael Andrews und Gary Jules aus dem Soundtrack zu "Donnie Darko". Seine ebenfalls solistische Interpretation von U2s "I Still Haven?t Found What I?m Looking For" enthält nicht einen Ton zu viel und lässt die Zuhörer noch nach dem Verklingen den Atem anhalten. Eine andächtige Pause entsteht. Dann ruft jemand "Yeah!", und der Applaus brandet auf. Und wenn man meint, dass in solchen Momenten die Sterne in der Kuppel heller strahlen, dann ist das vielleicht keine Einbildung: Karlzons aktuelles Album heißt "Shine".

Hier setzt Meisterdrummer Manu Katché an, der Star des zweiten Teils der Jazznight. Denn auch bei ihm liegt gerade beim Solospiel der Vergleich mit einer Licht-Erscheinung nahe, doch sind es bei Katché eher blitzartige Explosionen. So schnell fliegen die Drumsticks durch die Luft, dass ihnen die Augen kaum folgen können. Und während die Bassdrum wie ein Vulkan brodelt und die Tom-Toms glühen, leuchten hell die Splash-Becken auf. Auch seine Kompositionen gehen leicht ins Ohr, bieten jedoch mehr Raum für Improvisationen seiner Gastmusiker Tore Brunborg (Saxofon), Luca Aquino (Trompete) und Jim "James" Watson (Hammond B3).

Nach dem Sound-Feuerwerk von "Snapshot" tritt Manu Katché an den Bühnenrand und bedankt sich beim Publikum - fürs Kommen, fürs Zuhören und fürs Lächeln. Aber er will noch mehr. Die Düsseldorfer sollen auch singen. Und das machen sie gut, ein großes Crescendo hebt an. "Wie in der Kirche", sagt Katché, "in Los Angeles, London, New York, Paris - und Düsseldorf!".

(rp)