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Düsseldorf: Midge Ure und das Leben nach Ultravox

Düsseldorf : Midge Ure und das Leben nach Ultravox

Der Musiker tritt am 9. November im Savoy-Theater auf. Mit dabei ist die Band von India Electric Co.

Midge Ure sieht gut aus. Der 61-Jährige, der sich mit seiner Band Ultravox Weltruhm erspielte, wirkt entspannt und gibt sich freundlich. Sein schottischer Singsang unterstreicht das.

Er ist ins Savoy-Theater gekommen, um ein wenig für das Konzert zu werben, das er hier am 9. November geben wird. "Eine der schönsten Hallen, die ich kenne", schwärmt er von dem alten Kinosaal. Und er schwärmt auch von seiner Liebe zur deutschen elektronischen Musik. "Ultravox waren sehr von Kraftwerk und den anderen beeindruckt. Als wir im Studio von Conny Plank aufgenommen haben, kamen Musiker von La Düsseldorf vorbei und hingen dort ab."

Die Liebe zu elektronisch geprägten Sounds klang dann auch in den Welthits seiner Band Ultravox an. "Vienna" oder "Dancing With Tears in My Eyes" gehören zu den Pop-Klassikern der Achtziger. Dabei hatte Ure bei der Band, die sich am Anfang "Ultravox!" schrieb, zuerst den Ersatz für Sänger John Foxx gegeben. Mit ihm kam der Ruhm und nach dem Ende der Band eine bittere Erkenntnis: "Es ist wie eine Ehe, die zerbricht. Zuerst denkst du, endlich bin ich die Probleme los. Dann wird dir klar, dass du Teil dieser Probleme warst. Erst dann kannst du weitermachen."

Für Ure hieß das auch eine Rückbesinnung auf die Folklore. "Dabei stamme ich aus Glasgow. In meiner Jugend hat sich niemand für Folklore interessiert. "Aber schon ,All Fall Down', das ich noch für Ultravox komponierte, legte meine keltischen Wurzeln frei."

Komponiert hat er auch einen anderen großen New-Wave-Hit, "Fade to Grey" von Visage. Deren Sänger Steve Strange verfiel dem Heroin und starb vor einigen Jahren. "Die Musik fordert viele Opfer", sagt Ure betrübt.

"Ich konnte als Sänger, Musiker und Komponist auf mehr zurückgreifen als Steve, der mehr ein Gesicht war als ein echter Musiker." Mit echten Musikern umgibt er sich auf der kommenden Tour, auf der er sein Platin-Album "Breathe" akustisch aufführen wird. "Die Jungs von India Electric Co. sind echte Könner. Und dann habe ich erfahren, dass einer von ihnen einen Oxford-Abschluss hat. Ich habe nie einen richtigen Job gehabt. Ich war immer nur Musiker." Eine leichte Untertreibung von einem Mann, der für "Do They Know It's Christmas" und Band Aid verantwortlich war.

"Musik machen ist doch keine richtige Arbeit", wehrt er ab. Auf die alten Hits wie "Vienna" will er aber nicht verzichten, "Die Achtziger waren eine Zeit, an die sich viele gern erinnern. Die erste unglückliche Liebe, die Klamotten, die Musik. Von der neuen Sänger-Generation hält er nicht viel.

"Das sind doch alles Karaoke-Sänger aus Reality Shows", meint er abschätzig. Mit seinen Solowerken hat er bewiesen, dass es auch ein Leben nach dem großen Ruhm gibt, mit persönlicher, akustischer Musik.

(RP)