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Mayo Velvo aus Düsseldorf eröffnet Takelgarn-Theater auf der Rennbahn

Theatersommer : Chansons auf der Galopprennbahn

Am Montag eröffnete der Sänger Mayo Velvo die sommerliche Gastspiel-Reihe des Theaters Takelgarn. Weil der Platz in der eigenen Spielstätte derzeit zu knapp ist, findet das Sommertheater auf dem Rennbahngelände in Grafenberg statt.

Die Macher zeigten sich überrascht: Innerhalb weniger Wochen hatten Takelgarn-Chef Helge Neuber und seine Mitarbeiter ein Open-Air-Programm gestrickt, und gleich der Auftakt war ausverkauft. Mit dem Chansonnier Mayo Velvo und seinem Pianisten Thomas Möller fand die Liebe in Zeiten von Corona ihren Weg auf die Grafenberger Rennbahn. Unglaublich viele kostenfreie Parkplätze, ein schöner Biergarten, ein Zelt für schlechtes Wetter, was will man mehr.

Erleichtert trat Neuber ans Mikrofon: „Willkommen im Asylheim.“ Seine eigene Spielstätte hat 70 Plätze, die aufgrund der Pandemie aber auf zwanzig heruntergedampft werden müssten. Da kam das Angebot der Rennbahn gerade recht. Seit drei Monaten existiert dort ein neuer Biergarten, dessen Eröffnung unglücklicherweise in die Zeit des Lockdowns fiel. Zeitweise herrschte große Tristesse mit Blick auf leere Wettbüros.

Jetzt aber sah man gut gefüllte Bänke und erlebte ein wunderbares Programm für den ersten Theatersommer-Abend. Mit weißem, schwarz gesäumtem Dinner-Jackett und roter Nelke brachte Mayo Velvos erstes Lied die Sache auf den Punkt: „In einer Nacht kann viel geschehen.“ Was in den nächsten zwei Stunden folgte, war ein musikalisches Panorama durch die großen Jahrzehnte klassischer Chansons, intimer Couplets sowie Perlen des Grand Prix Eurovision. Und natürlich auch Schlager der guten alten Zeit: „Da sagte Onkel Theodor, so schön wird’s niemals wieder.“ Velvo kann Stimmungen erzeugen, mit seiner Leidenschaft für American Popular Songs, für Cole Porter und für das Duo Friedrich Hollaender mit Marlene Dietrich. Sie waren wohl das erfolgreichste Gespann, das der deutsche Film hervorgebracht hat und sorgten selbst in Hollywood für Furore.

Am Klavier gab Thomas Möller meist den braven Virtuosen, konnte aber auch sein eigenes Ding ganz frech in die Texte seines Frontmanns mischen. Natürlich, ohne dabei taktlos zu klingen. Für besondere Begeisterung sorgte Velvo, als er ein kleines Potpourri aus dem großen europäischen Gesangswettbewerb vergangener Jahre präsentierte. Drei Lieder, französisch, deutsch und dann Rudi Carrell auf Holländisch, großartig. Schon in den siebziger Jahren, so erzählte der Entertainer in Anwesenheit seiner amüsierten Mutter, habe er während des Grand Prix andächtig vor dem Fernseher gesessen.

Velvos größte Verehrung aber gilt dem französischen Chanson. Nach der Pause, als eine leichte Abendkühle Einzug hielt, die letzten Jogger vom Grafenberg aus Richtung Staufenbergplatz steppten, als die Gäste sich mit Hamburgern und Pommes gestärkt hatten, wechselte der Künstler die Tonlage. Jetzt war Melancholie angesagt, leicht unterdrückte Verruchtheit. Mit anderen Worten: Serge Gainsbourg. Zu hören war aber auf der kleinen Bühne nicht „Je t’aime“, der erotische Welthit, mit dem sich Gainsbourg die Empörung des Vatikans verdiente. Mayo Velvo hatte „La Javanaise“ ausgewählt, ein wunderbar feinsinniges Chanson über einen damals populären Tanz, dessen Halbvers „Ne vous déplaise“ („wenn Sie nichts dagegen haben“) als Anspielung auf eine Fabel La Fontaines in Frankreich Allgemeingut ist.

Wenn die Takelgarn-Sommerabende so schön weiter gehen, sollte man sich schnellstens einen Platz auf den Bänken sichern.