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Martin Baltscheits Krähe und Bär im FFT

Krähe und Bär im FFT : Krähe will Bär sein

Martin Baltscheits Kinder-Theaterstück „Krähe und Bär“ stellt im FFT existenzielle Fragen.

Eine verfressene Krähe, die nie mehr hungrig sein will. Und ein Zoo-Bär, der frei sein will. „Krähe und Bär“ erzählt die Geschichte zweier ungewöhnlicher Freunde. Beide wollen sie genau das, was der andere hat: Flügel und Freiheit, beziehungsweise drei sichere Mahlzeiten am Tag. Im FFT feierte Martin Baltscheits Kinderbuch nun auf der Bühne Premiere.

„Krähe und Bär“ stellt existenzielle Fragen, ist philosophisch, kritisch, intelligent. Einfach ist es nicht. Das ist auch gut so. Ein Kindertheater, das sich traut, die großen Fragen zu stellen, seine Zuschauer zu fordern, ist ein gutes Gegengewicht zu unverfänglicher Unterhaltung.

Und die Schauspieler in der Inszenierung von „Plöger, Winkler, Becker“ überzeugen: Cynthia Thurat ist eine tolle Krähe. Wenn sie mit ihrer Lederjacke flattert, und leichtfüßig über die Zuschauerbänke hüpft, dann ist sie so eindeutig eine Krähe wie Sebastian Kemper ein Bär ist. Groß, gemütlich, langsam. Deshalb ist es authentisch und nicht übertrieben pathetisch, wenn der Bär erklärt, dass es in dieser Welt keinen Frieden ohne Freiheit geben könne.

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Viele melancholische Gedanken gibt es im Laufe des Stückes: Für die Wünsche der beiden scheint es nämlich zuerst keine Lösung zu geben. Als die Krähe in den Himmel, das ist das Publikum, fliegt, um in die Zukunft zu sehen, ruft der Bär aus seinem Käfig: „Siehst du einen Ausweg für mich?“ – „Nein, keinen Ausweg“, antwortet die Krähe.

Eine harte Botschaft. Und es wird nicht besser. Wenn die Krähe versucht, den eingesperrten Bären aufzuheitern, und ihm ein Fenster mit Meerblick auf die Mauer malt, fragt der Bär: „Wofür ein Fenster, wenn es keine Tür gibt?“ Ihre Verzweiflung steigert sich bis in die Erkenntnis der Krähe: „Niemand ist frei, Bär.“

Dann die rettende Idee: Körpertausch. Der ist aber nicht ganz ungefährlich: „Und wenn es uns tötet?“ „Dann sind wir frei für immer.“ Das ist natürlich heftig – das Stück ist für Zuschauer ab zehn Jahren freigegeben. Krähe und Bär sind getrieben von ihrer Sehnsucht nach dem, was sie eigentlich nicht haben können. Ihre schmerzhaften Gefühle werden für das Publikum durch die Tänzerin Emma Valtonen noch deutlicher, die das Innere der beiden in Bewegungen verarbeitet.

Lustig wird es zwischendurch. Etwa, wenn die beiden den unter Kindern gehypten Zahnseiden-Tanz aufführen, oder sich die Krähe mit dem Kopf im Futtereimer über die Bühne schiebt. Obwohl die Verzweiflung und die Probleme groß sind, geben sie nicht auf.

„Krähe und Bär“ ist ein nachdenkliches Stück. Ein Stück darüber, was am wichtigsten ist: Essen, Freiheit und, zuvorderst, Freundschaft. Eine Erkenntnis hat der Zuschauer auch: Ein Käfig, zu dem man den Schlüssel hat, ist ein Zuhause.

Info „Krähe und Bär“ wird morgen, 16 Uhr, und Montag, 10 Uhr, erneut in den FFT Kammerspielen, Jahnstraße 3, aufgeführt.; ab zehn Jahren. Eintritt acht Euro, ermäßigt sechs Euro.

(cg)