Manga-Ausstellung :  Japanische Popkultur in vier Bildern

In einer Manga-Ausstellung im Eko-Haus zeigen Nachwuchs-Künstler Bildergeschichten, die in sieben Stunden entstanden sind.

Man muss nicht Japaner sein, um Mangas zeichnen zu können. Olga Rogalski ist sogar so gut, dass sie beim Zeichenwettbewerb des Japan-Tags den ersten Platz gewonnen hat. Jetzt wird ihre Gewinner-Zeichnung neben anderen prämierten Mangas in einer Ausstellung im Eko-Haus gezeigt.

Darauf ist Rogalski mächtig stolz, dabei hat sie sogar schon Manga-Bücher veröffentlicht. „Aber der Zeichenwettbewerb ist wesentlich schwieriger, als einen Band zu veröffentlichen“, erklärt sie. Das liege an der kurzen Form. Beim Wettbewerb erhalten die Teilnehmer am Japan-Tag ein Thema – in diesem Jahr „Popkultur trifft traditionelle (japanische) Kultur“. Dann haben sie vier Bildkästen Platz und etwa sieben Stunden Zeit, eine dazu passende Geschichte zu entwickeln. Yonkoma heißt diese Bildfolge auf Japanisch.

Dabei soll die Geschichte möglichst einen Witz enthalten. Das zu zeichnen ist nicht einfach – gerade in nur wenigen Stunden. „Es ist erstaunlich, unter welchen Umständen so viele tolle Geschichten hervorgebracht werden“, sagt Yurie Takagi. Zusammen mit der Dokomi, der Anime- und Japan-Convention in Düsseldorf, richtet die Buchhandlung Takagi den Zeichenwettbewerb aus. Gemeinsam entscheiden sie die Themen. Die sind vielfältig, oft schwierig. Deshalb gibt es unter etwa 150 Eingängen ein paar, die das Thema verfehlen. Die müssen aussortiert werden – auch wenn die Zeichnungen sehr gut sind – bevor die 18 Juroren die Geschichten komplett anonym bewerten. Ninjas, Geishas und Videospiele – alle finden sie einen Platz in den Zeichnungen. Samurai-Kampf und Selfie-Kultur werden verbunden – wie in der Geschichte von Mandy Su Wichert, die den dritten Platz belegte.

Schwierig wird es mit Zeichnungen, die ein gewisses Insiderwissen voraussetzen. Dieses Jahr beispielsweise, wenn Homer Simpson sich in einen Sumo-Ringer verwandelt, ein Charakter aus einem Videospiel ins alte Japan gezappt wird, oder die Ghostbusters auf japanische Geister treffen. Tolle Ideen, die aber voraussetzen, dass die Juroren die entsprechenden Figuren auch kennen und erkennen.

Olga Rogalski hat sich selbst für den Generationenkonflikt entschieden. Den gebe es immer, meint sie, in jeder Kultur, immer verständlich. Gothic Lolita trifft bei ihr auf einen traditionellen japanischen Geist (Tengu) und eine Großmutter. Eine Stunde hat sie sich dafür genommen, eine Idee zu finden. Erst dann ging sie an das Vorzeichnen, Nachzeichnen, das Ausmalen mit Tinte und die Effekte. Wegen des Zeitdrucks, zeichnen fast alle vor Ort. Die größte Schwierigkeit: Einen Platz finden, an dem die anderen Teilnehmer wenig radieren und so nicht ständig am Tisch rütteln. „Ich habe mich zuerst unter einen Baum in den Schatten gesetzt“, sagt Rogalski.

Wenn der Manga fertig gezeichnet ist, bleibt nur noch, auf die Preisverleihung zu warten. Und die Preise sind nicht unerheblich. Für Rogalski als Gewinnerin des Wettbewerbs der Über-18-Jährigen geht es nach Japan. Auch eine Zugfahrkarte für das ganze Land ist inbegriffen. Die Japan-Reise ist das Ziel vieler Teilnehmer. Deshalb ist ein Gewinner danach erst einmal für drei Jahre für diesen Preis gesperrt – damit andere Zeichner und Japanfans die Chance haben, dorthin zu reisen.

Obwohl Rogalski den Studiengang Modernes Japan in Düsseldorf studiert hat, war sie noch nie in Japan. Jetzt ist die Reise schon geplant. „Zuerst bin ich eine Woche in Tokio, dann reise ich zwei Wochen durch das Land. Ich weiß schon so viele Orte, die ich sehen will!“, erzählt sie und strahlt

(cg)
Mehr von RP ONLINE