Düsseldorf: Magische Momente bei "Afrika! Afrika!"

Düsseldorf : Magische Momente bei "Afrika! Afrika!"

André Hellers Show aus Artistik und Tanz feierte ihre Premiere im Capitol. Das Programm ist überwältigend.

Bevor sich der Vorhang im Capitol-Theater hebt, stimmen fremdartige flirrende Geräusche und Tierlaute die Zuschauer ein. Historische Wochenschau-Schnipsel aus Äthiopien und Marokko flimmern über die 140 Quadratmeter große LED-Leinwand. Sie bereiten den Boden für "Afrika! Afrika!", André Hellers rauschhafte Revue mit 77 Künstlern aus 21 afrikanischen Ländern. Zu sehen ist über zwei Stunden eine rasante Show aus anspruchsvoller Artistik und mitreißenden Tänzen, technisch perfekt und optisch brillant inszeniert.

Die Schlangenfrau Helene Sano aus Guinea zelebriert ihre biegsame Kunst vor einem Bild mit Symbolkraft: Das leuchtende Dschungel-Gemälde mit der roten Sonne von Henri Rousseau erinnert an den Ursprung von "Afrika! Afrika!". Als kleiner Junge blätterte André Heller in der Wiener Bibliothek seines Vaters in einem prächtigen Band mit Werken des französischen Malers. Sie prägten seine erste Vorstellung von Afrika und riefen eine lebenslange Faszination für den schwarzen Kontinent hervor.

Heller, ein Meister der magischen Momente, schuf und inszenierte 2005 das traumhafte Spektakel "Afrika! Afrika!", schickte es in einem Zirkuszelt auf eine dreijährige Welttournee und konnte damit vier Millionen Besucher begeistern. Der überwältigende Erfolg inspirierte André Heller zu einer Neuauflage, die am 1. Oktober in Baden-Baden Premiere feierte. Bis April 2014 reist die von Farben und Klängen sprühende Revue quer durch die Republik und gastiert diesmal ausschließlich in Theatern und großen Konzertsälen.

Ein wenig vermisst man sie zunächst, die intime Atmosphäre im Zelt, wo Artisten und Zuschauer in dichtem Rund zusammenrücken konnten. Doch schnell lassen die atemberaubende Akrobatik und die kraftvollen Tänze die Distanz zur Bühne schrumpfen. Jede Nummer ist ein Höhepunkt für sich, manches glaubt man noch nie so großartig gesehen zu haben.

Unfassbar, wie der Schlangenmann Yoga Yoga sich verknotet, entfaltet und zuckend durch den Kopf eines Tennisschlägers windet. Oder die fliegenden Männer der Tansania Acrobats, die mit ihren Körpern Brücken und Türme bis fast zur Decke bauen. Spektakulär schwingen sich die Basketball-Akrobaten von ihrem Trampolin aus durch die Luft. Dazwischen immer wieder Jonglage vom Feinsten: Zwei Mädchen balancieren riesige Tontöpfe und Tische auf ihren Füßen, der fröhliche "Waterman" aus Ghana bringt gleichzeitig zehn Schalen auf knorrigen Ästen, Händen und Füßen zum Tanzen. Und wenn zwei meisterhafte Jongleure gemeinsam kleine Bälle kreiseln lassen, kommt das schwindelige Auge erst recht nicht mehr mit.

Einige der Darbietungen lassen sich nicht unbedingt in Afrika verorten. So auch die sechs jungen Männer von MainEvent aus Brooklyn. Sie zeigen Breakdance in neuem Stil und exzentrischen Choreografien. Fulminante Artistik, keine Frage. Der Hauch von Afrika umweht sie aber nicht.

Authentischer wirkt da der wilde Tanz in Gummistiefeln, der einem historischen Vorbild folgt. Ein schöner Einfall, dazu das gefilmte Original auf der Leinwand zu zeigen: Der "Gumboot Dance" mit seinem Aufstampfen und rhythmischen Schlägen auf die Gummistiefel entstand vor rund 130 Jahren in den Gold- und Diamanten-Minen um Johannisburg.

"Afrika! Afrika" überzeugt durch urwüchsige Energie, glänzende Artistik und macht Staunen — bis hin zum furiosen Finale. Inmitten dieses Reigens aus Lebensfreude und Dynamik versteht man die Bemerkung von André Heller: "Man muss ihnen irgendwann sagen, dass sie aufhören sollen, sonst tanzen sie stundenlang weiter."

(RP)
Mehr von RP ONLINE