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Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel singen in der Gounod-Oper in Düsseldorf

Premiere der Rheinoper : Romeo und Julia aus Rumänien

In Gounods Oper „Roméo et Juliette“ singen Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel das Liebespaar.

Als Liebespaar auf der Opernbühne haben Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel schon Erfahrung. Nachdem sie bereits in „L’elisier d’amore“ und „La Traviata“ verbandelt waren, spielen sie jetzt die tragischen Liebenden schlechthin – in Charles Gounods „Roméo et Juliette“, am Samstag ist Premiere. Spielen ist auch gleich das richtige Stichwort, denn das Konzept von Regisseur Philipp Westerbarkei zielt genau darauf ab. „Er will uns als Schauspieler sehen“, sagt die Sopranistin. „Das zu erklären, klingt einfach. Seine Ideen mit kleinen Gesten bis ins Detail umzusetzen, fällt dagegen schwer. Wir haben noch nie mit jemandem gearbeitet, der uns so herausfordert. Was extrem anstrengend, aber auch sehr bereichernd ist.“

Die Solisten verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel lernten einander beim Studium in der rumänischen Sängerschmiede Cluj kennen. 2011 lud Generalintendant Christoph Meyer beide zum Vorsingen fürs Opernstudio der Rheinoper ein. Sie bestanden und zogen gleichzeitig mit zwei Mitstudenten nach Düsseldorf um. „Die Atmosphäre am Haus war sofort sehr warm und freundlich. Wir brachten damals eine kleine Cluj-Gruppe mit, auch das erleichterte uns den Anfang“, erinnert sich der Tenor. „Für die Jungs war es aber einen Tick einfacher“, wirft Luiza Fatyol ein. „Sie wohnten zusammen, während ich allein war. Außerdem hatten sie das Glück, zunächst auf Französisch und Italienisch singen zu dürfen.“

Sie dagegen hatte sich auf Deutsch als Susanna durch die Kinderoper-Version von „Die Hochzeit des Figaro“ zu kämpfen. Überhaupt, die Sprachen in der Oper, da hat man zuweilen seine liebe Not. Italienisch singen sie beide am liebsten. Französisch gehe ebenfalls gut und sei wegen der geschmeidigen Vokale gesund für die Stimme. Aber Russisch! Luiza Fatyol weiß noch, wie sie sich bei einem Open-Air-Konzert in Duisburg eine Arie aus „Eugen Onegin“ aneignen musste: „Drei Monate Üben für 20 Minuten Singen.“

Bei den Proben zu „Roméo et Juliette“ wurde die sichtbare Vertrautheit der Sänger, die mittlerweile fest im Ensemble sind, vom Regisseur erstmal gesprengt. „Für uns ist immer alles klar, sobald wir auf die Bühne kommen“, erzählt Ovidiu Purcel. „Philipp hatte ein kleines Problem damit, dass wir uns derart gut kannten und so selten Fragen stellten. Er fand das zu familiär.“ Das spürte und verstand auch Luiza Fatyol. „Er brachte uns bei, auf Distanz zu gehen. Romeo und Julia müssen einander ja erst kennenlernen und sollen ein wenig miteinander flirten. Das war hilfreich für uns. Wir haben zwei riesige Partien, da tut ein bisschen Ruhe zwischendurch sehr gut.“

Und noch etwas vermittelte ihnen der Regisseur. Die Protagonisten dürfen sich nicht einfach in die schwelgerische Musik fallen lassen, so verlockend das auch sein mag. „Er will nicht nur die romantische Seite der Geschichte erzählen, deshalb sollen wir gegensteuern“, erklärt Ovidiu Purcel. „Es ist gar nicht leicht, schwelgerisch zu singen, aber nicht so zu spielen. Das kostet viel Kraft.“ Wahrhaftig sein und kein Klischee bedienen – das gehört zum Konzept der Inszenierung und strahlt auch auf die junge Heldin aus.

„Julia ist nicht bloß ein verliebtes Mädchen, sie ist auch ein Opfer dieser ganzen Gesellschaft“, sagt Luiza Fatyol. „In Romeo sieht sie ihren Retter, ist wild entschlossen, ihm zu folgen. Doch dann zaudert sie wieder, weil sie ihr behütetes Nest nicht verlassen will. Sie ist stark und schwach zugleich. Diese Zerrissenheit möchte ich zeigen.“

Als 15-jähriges Mädchen wäre sie wenig glaubhaft gewesen. „Es passt auch nicht zu meiner Stimme. Ich bin kein Kind, ich bin eine Frau.“ Damit kommt sie der Vorstellung des Regisseurs sehr entgegen, die Oper gegen den Strich zu bürsten. Zu Ovidiu Purcel sagte er: „Du kannst Shakespeare lesen, aber es wird kein Shakespeare werden.“ Der Sänger verstand, was Regisseur Philipp Westerbarkei meinte. „In der Dichtung ist Romeo ein Träumer, aber sein Glaube an die perfekte Liebe gehört ins Reich der Märchen. Zu viel Süße. In unserem Stück haben die Liebenden mehrere Facetten. Gerade das macht es so interessant.“

Auch das Ende folgt der literarischen Vorlage nicht. „Wir machen das total anders“, verrät Luiza Fatyol. „Es wird ein überraschendes Finale geben.“