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Louise Lecavalier mit der Uraufführung von „Stations“ im Tanzhaus NRW.

David Bowie war ihr größter Fan : Wie von einem anderen Tanzplaneten

Die phänomenale Louise Lecavalier präsentierte die Uraufführung von „Stations“ im Tanzhaus NRW.

Weit nach hinten gebeugt läuft Louise Lecavalier am Ende ihres neuen und phänomenalen Stückes „Stations“ in kleinen Trippelschritten über die Bühne. Kurz vor dem Umkippen scheint sie zu sein, doch sie hält die Beuge. Ihr umgedrehter Kopf schaut unwirklich und fordernd ins Publikum. „Wie lange, meint ihr, halte ich das noch aus“, scheint sie zu fragen.

Minutenlang natürlich. Denn die Uraufführung von „Stations“ im Tanzhaus NRW ist eine Demonstration ihres tänzerischen Könnens und ihrer Kreativität. In einer knappen Stunden fegt die 61-jährige Kanadierin wie ein Derwisch über die Bühne. Kurzen Atempausen folgen lange Sequenzen höchster körperlicher Beherrschung. Tanz in seiner reinsten Form ist das, was Lecavalier an diesem Abend bietet. So haben Menschen schon vor zehntausenden Jahren um Lagerfeuer oder in Höhlen getanzt – voller Energie, tranceartig, beschwörend und ungestüm. Die Musik dazu ist repetitiver Techno, in derselben perkussiven Geschwindigkeit, wie er die Menschen schon seit Anbeginn zum Tanzen bringt.

Gleich zu Anfang scheint sie über die Bühne zu schweben. Ihr vollkommen unbeweglicher Oberkörper wird von den Beinen in kleinsten und wahnsinnig schnellen Trippelschritten über die Bühne geschoben. Später steht sie akrobatisch eine gefühlte Ewigkeit auf einem Bein, während die Arme wild durch die Luft wedeln. Bei all dieser Virtuosität wirkt Lecavalier nie angestrengt, keine Schweißperle läuft ihr über das Gesicht. Ihr in Pausen zu vernehmender schwerer Atem scheint auch mehr gespielt als echt zu sein. Manchmal wirkt sie fast wie von einem anderen Tanzplaneten. Nach 43 Jahren Bühnenerfahrung kann sie ihre Wirkung sehr genau einschätzen, ihre Choreographie überlässt nichts dem Zufall. Trotzdem wirkt es wunderbar mühelos, wie sie sich den gesamten Bühnenraum erarbeitet.

Berühmt geworden ist Louise Lecavalier in den 80er Jahren mit ihrer Tanz-Compagnie „La La La Human Steps“. Dort vermischte sie ballettartige Einschübe mit Punk und wilden Korkenziehersprüngen, die aus dem Nichts zu kommen schienen. Immer im Mittelpunkt und Star der Truppe war die androgyne Lecavalier mit ihren platinblonden Dreadlocks. So wurden auch David Bowie und Frank Zappa auf sie aufmerksam. Zusammen mit Bowie tanzte sie auf seiner „Sound + Vision“-Tour 1990, mit Zappa trat sie 1992 bei den Live-Aufnahmen zu dessen letzten Album „The Yellow Shark“ auf. Nach mehr als 20 Jahren mit „La La La Human Steps“ machte sich Lecavalier 2012 selbstständig. Ihre erste eigene Choreographiearbeit „So Blue“ hatte 2012 am Tanzhaus NRW Weltpremiere. Mit „Stations“ geht Lecavalier ihren Weg nun konsequent weiter. Ihren sehr eigenen Stil hat sie weiterentwickelt, und auch mit 61 Jahren ist sie technisch und körperlich immer noch voll auf der Höhe. „Louise Lecavalier ist absolut phänomenal“, lobte einst David Bowie. Auch heute hat sich daran nichts geändert.