Düsseldorf: Lippert zeigt F. C. Gundlach im Hotel

Düsseldorf : Lippert zeigt F. C. Gundlach im Hotel

Der Gründungsdirektor des NRW-Forums stellt den großen deutschen Fotografen im Interconti aus.

15 Jahre lang, von 1998 bis 2013, hat Werner Lippert als Gründungsdirektor dem NRW-Forum im Ehrenhof Bedeutung und Kontur verliehen. Bei seinen Eröffnungen formierten sich die Schlangen bis zum Hofgarten, denn der gebürtige Mönchengladbacher hatte ein Händchen dafür, grelle internationale Stars wie auch leise große Künstler aus vielerlei Crossover-Richtungen in sein Haus zu holen.

Doch die besondere Liebe des 67-jährigen Werbers, Cluster-Managers und Kreativen galt immer der Fotografie. Jetzt inszeniert er aus dem Ruhestand heraus den Fotografen F. C. Gundlach im Düsseldorfer Interconti. Er kann das Kuratieren offenbar nicht lassen. "Stimmt", sagt er, und dass man das nicht verlerne, genau wie das Radfahren.

Dem Leben im Ruhestand gewinnt er seine schönen Seiten ab. Von seinem Wohnort in Flingern aus, wo Ehefrau Petra Wenzel einen kultigen Laden für Gartenzubehör führt, beobachtet er das Geschehen in der Kunststadt. Er sei heute frei von allen Pflichten, stehe nicht mehr unter öffentlicher Beobachtung. "Wenn man unbeteiligt ist", sagt er, "kann man viele freier kritisieren und lästern."

Dass er den großen deutschen Fotografen, der mit seinem Werk eine ganze Epoche umspannt, nun nach Düsseldorf geholt hat, liegt an der sehr speziellen Beziehung, die die beiden Männer miteinander entwickelt haben. "Wir sind ein halbes Leben lang verbunden, ich schätze Gundlach als einen bedeutenden, vielleicht sogar verkannten Künstler." Dass dieses ebenso schillernde wie dokumentarische Werk ausgerechnet im Hotel an der Kö aufgehängt wird und nicht in einem Museum, wo es hingehört, hat seine Gründe. "Es ist schon eine gute Tradition. Dies ist die siebte Ausstellung im Interconti." Erdacht hatte er sich das Konzept mit dem ersten Direktor Jörg Böckeler. "Vertical Gallery" nennt Lippert die Art von Präsentation, die sich von unten nach oben durch das Hotel zieht und die sich in ihrer Besonderheit in die Architektur der hohen Lobby fügt. Hier ist die Fotografie nah an den Menschen, nah am örtlichen und internationalen Laufpublikum.

Auf den elf Etagen des Hotels werden die Flure vor den Aufzugtüren als galerieartige Räume genutzt, auf jeder Etage ist ein Thema ausgebreitet. Los geht es im Paris der 1960er Jahre. Divenhaft posiert ein blondes Model - damals nannte man sie noch Mannequins, und es waren Damen. Das Kleid, eine mit Perlen bestickte Robe von Nina Ricci, füllt fast den Bildraum und fängt den Blick. Zwei Bilder weiter ist es einfach nur eine typische Straßenszene aus der französischen Hauptstadt, im dunklen Schimmer des frühen Abends sieht der Betrachter auf ein vor dem Restaurant parkendes schwarzes buckliges Auto. In jenen Jahren, lange vor dem Autoboom, war so etwas noch möglich.

Ein Stockwerk höher landet man im Hamburg, es war die bleierne Zeit, in der die Hansestadt noch unter den Kriegsfolgen ächzte. Die Menschen waren mehrheitlich arm. Und die ersten, die wieder an Mode dachten oder diese sogar zur Schau trugen, vermittelten eine verheißende Botschaft: Es geht wieder aufwärts. Der Kontrast könnte größer nicht sein, die Kriegswunden im Stadtbild auf der einen, die Prophezeiungen und kleinen Freuden auf der anderen Seite.

Mit seinem Werk hat der 91-jährige Gundlach Zeitgeschichte für die Ewigkeit bewahrt. In den 50er, 60er und 70er Jahren gab er in der deutschen Modefotografie den Ton an. Er schrieb Geschichte mit unorthodoxen Coverfotos für "Stern" oder "Brigitte". Einmal setzte er Damen mit Badekappe vor einer ägyptischen Pyramide in Szene - fast wäre das Bild nicht erschienen.

2007 hatte Werner Lippert ihn im NRW-Forum ausgebreitet. Jetzt wollte er ihm noch einmal ein Denkmal setzen. Das Hotel hält er für einen geeigneten Galerieraum, denn es ist immer geöffnet. Man muss sich nur an der Rezeption anmelden. Die Gundlach-Schau ragt in den Februar hinein, in die Zeit mit den nun zwei Fotofestivals in Düsseldorf.

Mit welchem Gefühl er das Projekt verfolgt, das er als Photo Weekend einst selbst erfunden und zu einer Marke gemacht hat? "Ach - zwei Fotofestivals können einander doch nur ergänzen und befeuern", sagt er. "Es gilt wie so oft in Düsseldorf: Es kann nie genug sein."

Info Die Vertical Gallery mit Fotoarbeiten von F. C. Gundlach läuft bis 8. April im Interconti-Hotel Düsseldorf, Königsallee 59. Geöffnet ist jederzeit, für die Aufzugfahrt über elf Etagen braucht man eine Anmeldung. Der Eintritt ist frei.

(RP)