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Düsseldorf: Leon de Winters literarische Abrechnung

Düsseldorf : Leon de Winters literarische Abrechnung

Der Autor las aus seinem Roman "Ein gutes Herz", in dem es auch um den Filmemacher Theo van Gogh geht.

Es ist ein komplexer Roman, der selbst eine komplexe Geschichte hat: Leon de Winter wollte ursprünglich über eine Liebe schreiben, dann über einen Terroranschlag in Amsterdam — aber Theo van Gogh kam ihm als Sujet dazwischen. Schließlich verband der niederländische Bestsellerautor diese drei Elemente in seinem Roman "Ein gutes Herz", den er im ausverkauften Palais Wittgenstein vorstellte.

Die Lesung hatte dennoch fast nur ein Thema: Theo van Gogh. Eingeladen hatte die Buchhandlung Müller & Böhm, Christoph Buchwald moderierte.

"Ich war Theos Favorit-Feind", berichtete der Autor: Wann immer er konnte, habe der Filmemacher ihn beleidigt. Von einer seiner Entgleisungen erfuhr de Winter allerdings erst nach der Ermordung des niederländischen Enfant terrible. Davon erzählte er, wie schon in vielen Interviews zuvor, auch in Düsseldorf ausführlich. Van Gogh hat de Winter "Vermarktung seines Judentums" vorgeworfen und über ihn und seine Frau, die Autorin Jessica Durlacher, bizarre Geschichten verbreitet.

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Er hätte Theo van Gogh wegen dieser Lügengeschichte nicht umbringen wollen, ein Baseballschläger sei allerdings in seinen Fantasien aufgetaucht, erklärte de Winter. "Meine literarische Abrechnung ist nun aber missglückt: Sie ist am Ende eher zu einer Versöhnung geworden", sagte er.

Tatsächlich hat er seine Rache beim Schreiben und offensichtlich auch während der Lesung genossen: Er lässt den toten van Gogh auftreten, der jetzt keinen Körper mehr hat, aber immer noch Whisky trinkt, wie ein Schlot raucht und auch im Jenseits flucht und pöbelt. Am meisten Spaß hatte de Winter aber mit einer angedichteten Persönlichkeitsentwicklung: Der Feind wird "diplomierter Schutzengel" — der liebende, barmherzige Theo ist die schlimmste Rache an dem Künstler, dem bürgerliches, verbindliches oder auch nur höfliches Verhalten zutiefst zuwider gewesen sei.

Es war, den ernsten Themen zum Trotz, ein launiger Abend, der beim Publikum gut ankam, dabei aber auch mehr als Unterhaltung. Denn de Winters Abrechnung mit Theo van Gogh ist auch eine Reflexion von dessen Ermordung durch einen fundamentalistischen Islamisten. Es ging zudem auch um den Umgang mit Prominenten in der Öffentlichkeit, in diesem Fall den Umgang des Filmemachers Theo van Gogh mit dem Autor Leon de Winter — der aber selbst reale Personen in seinem Roman auftreten lässt und durchaus nicht zimperlich mit ihnen umgeht.

(RP)