Düsseldorf: Kunstverein Düsseldorf mit neuem Leiter

Düsseldorf: Kunstverein Düsseldorf mit neuem Leiter

Seit langem war bekannt, dass Vanessa Joan Müller als Leiterin des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen nach den vertraglich vereinbarten fünf Jahren in Düsseldorf ihr Amt abgeben würde. Jetzt steht der Nachfolger fest: Hans-Jürgen Hafner (38), Kunstkritiker und Autor in Berlin. Er studierte Literaturwissenschaft und Geschichte in Regensburg und verbindet einer Mitteilung des Kunstvereins zufolge "kritisches Schreiben mit einer höchst pointierten Ausstellungspraxis". Am 1. September wird er ins Haus am Grabbeplatz einziehen, bereits Anfang Februar 2012 will er dort seine erste Düsseldorfer Ausstellung eröffnen.

Hafner wird, wie er unserer Zeitung erläuterte, nicht ausschließlich konzeptuelle Kunst zeigen wie seine Vorgängerin, doch werde Konzept-Kunst weiterhin zu den Ausstellungsthemen des Kunstvereins gehören. Denn "ohne den Aspekt des Konzeptuellen ist Kunst heute nicht mehr denkbar". Konzept-Kunst bedeutet grob gesprochen: Der Gedanke, der hinter einem Kunstwerk steckt, ist wichtiger als seine Materialisierung.

Hafners historischer Interessensschwerpunkt liegt auf der Land Art, jenen landschaftsbezogenen Kunstwerken der 1960er und 70er Jahre, und dort insbesondere auf dem Werk des Amerikaners Robert Smithson (1938–1973). Doch das wird sich in seiner Düsseldorfer Ausstellungstätigkeit nicht widerspiegeln; dort geht es darum, Gegenwartskunst zu zeigen. Welche, darüber mag Hafner noch nichts verlauten lassen.

Was er an Düsseldorf mag, darüber gibt er schon jetzt Auskunft. Bereits als Teenager hat er die Stadt mehrmals besucht, später kam er dann als Kunstkritiker wieder. Ihm gefällt der zentrale Ort des Kunstvereins in der Kunsthalle, das Zusammenspiel von Städtischer Kunsthalle, Kunstverein und dem Club "Salon des Amateurs". Und ihm bedeutet Düsseldorf etwas in seiner avantgardistischen Tradition und als Ort des "historischen Punks deutscher Baureihe".

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Historisch ist für ihn auch Joseph Beuys. "Wir leben in einer anderen Zeit", "kriegen ihn heute nicht mehr durch die Tür". Umso mehr gelte es, die richtigen Fragen an sein Werk zu stellen.

Das minimalistische Programm der scheidenden Vanessa Joan Müller hat dem Kunstverein in Fachkreisen international Ansehen eingetragen, am Ort aber nur wenig Beachtung gefunden.

(RP/rai)
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