Kunstsammlung NRW: So ist die Ai-Weiwei-Ausstellung in Düsseldorf

Ausstellung in Düsseldorf : Ai Weiwei versetzt Besucher in gigantisches Staunen

Über 8000 Besucher aus nah und fern haben die Ai-Weiwei-Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf schon gesehen. Trotzdem wird es in den Räumen nicht eng.

Die großen Warteschlangen gab es am Eröffnungstag. Auch am Sonntag mit freiem Eintritt gab es riesigen Zulauf für das Ai-Weiwei-Panorama im K 20 und K 21. Am Samstag hatte der Hauptsponsor der Kunstsammlung NRW eine Kinderführung mit anschließendem Workshop angeboten. Das Interesse, auch an dem sonnigen Nachmittag mit Familie ins Museum zu kommen, war beachtlich.

Etwas genervt reagierte ein Vater aus Essen auf die Frage, ob er Staus gehabt hätte. „Das war harmlos, nichts im Vergleich zur stundenlangen Parkplatzsuche.“ Noch größeren Einsatz bewies Hans Fischer aus Paderborn, der mit seinem fünfjährigen Sohn Gustav extra die lange Stecke nach Düsseldorf gefahren war. Vielleicht wollte er aber auch Fortuna-Feeling spüren, denn sein Heimatverein könnte ja bald in der ersten Liga spielen.

Am Eingang zu dem Saal mit 100 Millionen Sonnenblumenkernen aus Porzellan, handgefertigt und handbemalt, studiert ein japanischer Geschäftsmann die Erklärungstafel. Die ganze Woche über hatte er beruflich viel zu tun, und umso mehr freut er sich über die Gelegenheit zum Museumsbesuch. „Ich kenne beide Häuser, das K20 und das K21“, sagt er auf Englisch, „es ist großartig, dass der Staat solche Museen einrichtet.“ Schnell fügt er noch hinzu, dass die Kunst Ai Weiweis „enormous and impressive“ ist, bevor er sich auf den Weg zum Ständehaus macht.

Gleichfalls sehr beeindruckt ist das Ehepaar Latz aus Dülken. Dass ihr Ausstellungsbesuch gleich auf den ersten Tag fällt, ist reiner Zufall. „Düsseldorf ist wie unsere zweite Heimat“. erklären beide, die in ihrer Stadt eine Praxis als Allgemeinmediziner führen. Größere Parkplatzprobleme in Düsseldorf vermeiden sie dadurch, dass sie ihr Fahrzeug regelmäßig in Oberkassel abstellen: „Wir laufen dann über die Oberkasseler Brücke und nennen das den Brückenlauf.“

Auffallend ist, wie klein und unbedeutend die Besucher im Verhältnis zu den enormen Ausmaßen der Exponate wirken. Beinahe eingeschüchtert und etwas verloren sammeln sie sich an den Ecken der Räume. Im Haus am Grabbeplatz sieht die Sache teilweise anders aus. 164 Tonnen Armierungseisen, in Holzkisten gepackt, füllen die Fläche eines Raums bis zum Rand und machen den Rundgang zum Parcours.

In der einen Ecke hat eine Kindergruppe Platz genommen. Die Museumsführerin erzählt von dem Erdbeben, das vor elf Jahren in China 70.000 Menschenleben forderte, darunter 5000 Schulkinder. Deren Namen sind ringsum an den Wänden zu lesen. Der kleine Mats ergänzt jede Information um eine weitere. „Das habe ich alles zu Hause erklärt bekommen“, betont er stolz.

In der Ecke gegenüber kommt es zu einer interessanten Begegnung. Drei junge Asiaten hören sich an, was der Künstler Ai Weiwei in chinesischer Sprache auf einem Bildschirm erläutert. Ja, sie seien auch Chinesen, reagieren sie zunächst zögernd und leise auf entsprechende Nachfrage. Nur langsam erzählen sie mehr.

Die zwei Männer und eine Frau studieren Kunst und Musik. Im Rahmen eines Austauschprogramms sind sie für ein Jahr nach Bonn gekommen. Der Raum mit der Erinnerung an die vielen Toten des Erdbebens geht ihnen offensichtlich unter die Haut. In China habe der Staat nur sehr bruchstückhaft und teilweise falsch informiert, aber jeder wisse Bescheid über die Katastrophe.

Dass Ai Weiwei, der im eigenen Land weniger bekannt ist als bei uns, mit dieser gewaltigen Installation auf möglichen Pfusch am Bau hinweist und dafür bereits einmal festgenommen und geschlagen wurde, wollen sie nicht weiter kommentieren. Das versteht man natürlich, aber immerhin besuchen sie höchst interessiert diese Demonstration staatlichen Unrechts.

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