Kunstsammlung NRW in Düsseldorf: Museum zeigt Munch und Picasso

Kunstsammlung NRW : Drei Schwergewichte der Kunst

Schau mit Munch, Picasso und Ai Weiwei.

In der Kunstsammlung wimmelt es derzeit von Handwerkern, weswegen Kunstbeflissene in der Museumsnacht an der Tür abgewiesen wurden. Das liegt neben mangelnder Terminkoordination auch daran, dass große Ausstellungen bevorstehen, die die Vermittlungsmission von Susanne Gaensheimer schärfer konturieren als bisher. Die Direktorin der Landessammlung NRW war mit dem „Museum global“ und dem „Open Space“ bis Ende März erfolgreich und glücklich, so dass sie aus der Rauminstallation am Grabbeplatz eine jährlich wiederkehrende Einrichtung machen wird. Auch die erste Kooperation mit der Kunstakademie im K21 war ein vitaler Tupfer im oft allzu behäbigen Ausstellungsbetrieb.

Anderthalb Jahre nach ihrem Antritt in Düsseldorf legt Gaensheimer jetzt richtig los: Der Dreiklang aus Weiwei, Munch und Picasso garantiert ihr Publikumszuspruch.  Drei Schwergewichte, sicher auch Publikumslieblinge, geben sich am Rhein die Ehre. Es sind Herzensprojekte. Zum einen die verrückte Idee, Edvard Munch ohne seine berühmten Gemälde vom „Schrei“ zu präsentieren – da werden Blockbuster-Fans aufschreien. Dafür ist der angesagte Bestsellerautor Karl Ove Knausgard als Kurator eingeladen, die bisher weniger bekannten  Seiten am berühmten Norweger zu beleuchten. Zu alledem gibt sich Kronprinzessin Mette-Marit die Ehre und wird im Oktober warme Eröffnungsworte Munch zu Ehren sprechen.

Auch mit Picasso kann Düsseldorf Anfang 2020 punkten, obwohl es nur ein kleines Kapitel des großartigen Künstlers zu sehen gibt. Wie es dem Künstler in den Kriegsjahren 1939 – 1945 (er)ging, das lässt sich nachspüren in den kostbaren Zeugnissen, die er hinterließ.

Die spektakulärste Ausstellung wird im Mai in Anwesenheit von Ai Weiwei eröffnet. Hunderte Vorboten – rostige Stahlstangen in Holzkisten – sind seine bleischwere Fracht, die derzeit in der Grabbehalle aufgebaut wird. Es sind nicht einfach nur irgendwelche Stangen, insgesamt 164 Tonnen Armierungsstahl. Sondern es sind alle Stangen, die einst die Schulgebäude in Wenchuan zusammenhielten, bis das Erdbeben 2008 sie zerstörte. 5000 Schüler starben damals. Ai Weiwei sicherte das Material, ließ Stäbe gerade biegen, baute und deutete es um.

Mit dieser und anderen Arbeiten wird sich der Aktionskünstler monumental in beiden Häusern der Kunstsammlung ausbreiten, einige Arbeiten sind erstmals zu sehen. Gaensheimer kennt Weiwei schon viele Jahre, hat mit ihm in Venedig zusammengearbeitet und früh die Bande geknüpft. Im Sommer 2017 besichtigte er auf ihre Einladung hin die Kunstsammlung. Dann sagte er schnell zu. Offenbar hat er Lust auf Düsseldorf. Er wusste, dass Susanne Gaensheimer keinen Sponsor für den chinesischen Dissidenten finden würde. Wer will sich schon sein China-Geschäft verderben lassen? Schließlich regiert Geld immer noch die Welt.

Gut, dass die Kunst frei ist.

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