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Düsseldorfer Museum: Kunstpalast: Geschäftsführer geht

Düsseldorfer Museum : Kunstpalast: Geschäftsführer geht

Eine Unternehmensberatung hat das Museum Kunstpalast unter die Lupe genommen und sorglosen Umgang mit Geld festgestellt. Düsseldorfs OB Dirk Elbers besteht nun darauf, dass kostenbewusst agiert wird. Erste Reaktion: Der kaufmännische Direktor Carl Grouwet nimmt seinen Hut.

Wenige Stunden, nachdem Unternehmensberater der Firma Boston Consulting einen Bericht über das Museum Kunstpalast präsentiert hatten, in dem von mangelnder Effizienz und sorglosem Umgang mit Geld die Rede war, gab es erste Konsequenzen: Carl Grouwet, Kaufmännischer Direktor des Hauses, erklärte seinen Rücktritt zum 31. Oktober.

Das Museum verkündete die Personalie mit einer dürren Meldung: "Herr Carl Grouwet, Mitglied des Vorstands und kaufmännischer Direktor der Stiftung Museum Kunstpalast, hat gestern gegenüber dem Kuratorium erklärt, seine Ämter zum 31. Oktober 2012 niederzulegen. Herr Grouwet hatte bereits im Frühjahr mitgeteilt, seine Tätigkeit über Juni 2013 hinaus nicht zu verlängern. Das Kuratorium hat die Entscheidung von Herrn Grouwet respektiert und dankt ihm für sein Engagement für das Museum Kunstpalast sowie für seine Verdienste u.a. um eine Modernisierung des kaufmännischen und organisatorischen Bereichs der Stiftung."

Dass Grouwet das Haus verlassen würde, stand schon seit geraumer Zeit fest. Allerdings war man davon ausgegangen, er werde bis zum Ende der vereinbarten Zeit im Juni nächsten Jahres bleiben. Dass er nun so kurzfristig das Museum verlässt, führen Beobachter und Insider der Kulturszene auf den Bericht zurück, den Boston Consulting jetzt vorlegte.

Die Unternehmensberater waren auf Initiative von Hauptsponsor Eon durch alle Abteilungen des Museums gegangen, hatten Dutzende Interviews mit den 65 Mitarbeitern geführt und das Haus mit ähnlichen Museen in Köln, Frankfurt und Hamburg verglichen. Das Ergebnis: Düsseldorfs Vorzeigemuseum arbeitet auf hohem Niveau, so wie andere Museen auch — braucht dafür aber erheblich mehr Geld und mehr Mitarbeiter. Der Bericht deckte ineffiziente Abläufe, unüberlegte Ausgaben und andere Missstände auf, die am Ende dazu führen, dass das Museum seit Jahren bei 12,5 Millionen Euro Einnahmen rund 15 Millionen Euro ausgibt. Ein Defizit von 2,5 Millionen, das die Stadt bisher immer ausgeglichen hat. Dazu ist man ab sofort nicht mehr bereit, zumal Hauptsponsor Eon (bisher mit rund 1,1 Millionen pro Jahr dabei) seine Unterstützung womöglich einstellt, wenn nicht mit größerem Kostenbewusstsein gearbeitet werde.

In Düsseldorf wird damit gerechnet, dass weitere kulturelle Einrichtungen in der nächsten Zeit den Auftrag bekommen, ihre Abläufe und Ausgaben zu überprüfen. OB Dirk Elbers hat vor Monaten angekündigt, er sehe da Möglichkeiten, effizienter zu arbeiten.

Seine Kritik am Museum Kunstpalast zielte auch auf eine nach Einschätzung des OB zu hohe Dichte von großen Ausstellungen. So wollte der OB nicht einsehen, dass man schon wenige Wochen nach der erfolgreichen El-Greco-Ausstellung eine mit Werken des Düsseldorfer Fotokünstlers Andreas Gursky anbietet. Damit überfordere man auch das Publikum, meint Elbers.

(RP/jco)