1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Kultur: Kunstlabor in Bergerkirche schließt

Kultur : Kunstlabor in Bergerkirche schließt

Vor mehr als zehn Jahren hat Thorsten Nolting die Bergerkirche zu seinem "Labor" gemacht. Mit seiner Gemeinde untersuchte der Pfarrer das Soziale und die Kunst – und stieß dabei mitunter an gesellschaftliche Grenzen. Nun will er das Labor mit der Aktion "Der letzte Versuch" schließen.

Vor mehr als zehn Jahren hat Thorsten Nolting die Bergerkirche zu seinem "Labor" gemacht. Mit seiner Gemeinde untersuchte der Pfarrer das Soziale und die Kunst — und stieß dabei mitunter an gesellschaftliche Grenzen. Nun will er das Labor mit der Aktion "Der letzte Versuch" schließen.

Gegründet hat Thorsten Nolting das "Labor für soziale und ästhetische Entwickung" im Jahr 1999, als er, damals noch als Pfarrer an der Johanneskirche tätig, den Schlüssel für die Bergerkirche überreicht bekam. "In meiner alten Gemeinde hatte ich schon viele Ideen verwirklicht", sagt Nolting. "Es gab eine Jazzreihe, Gospel und mehr. Ich wollte aber wieder einen Raum haben, um zu experimentieren."

Geschenk von Mischa Kuball

Damals hat er beschlossen, die Bergerkirche als Labor zu nutzen und der Frage nachzugehen, welche ästhetischen und sozialen Formen in kirchlichem Kontext zukunftsweisend sind. Zuerst widmete er sich der Schönheit und Optik der Kirche. "Ich habe untersucht, wie der Raum gut aussehen kann, indem ich verschiedene Künstler eingeladen habe", erinnert er sich.

  • Die Film- und Theaterregisseurin Antonina Gotfrid.
    Ukrainischer Dokumentarfilm in Düsseldorf : Die Macht der Symbole
  • Liana Aleksanyan (r.) als Adriana Lecouvreur
    Opern-Scouts zu „Adriana Lecouvreur“ : „Hollywood an den Rhein geholt“
  • Hengbsach-Aquarell mit Düsseldorfer Motiv als Geschenk
    Sonderausstellung im Goethe-Museum : Düsseldorf am Tejo und Lissabon am Rhein
  • Blitz, Donner und Starkregen : So bereitet sich NRW auf die starken Unwetter vor
  • Ende eines Düsseldorfer Traditionskonzerns : Mit dem Röhrenwerk stirbt das letzte Stück Mannesmann
  • ARCHIV - 14.07.2012, Hessen, Frankfurt/Main: Ein
    Nach Schießerei in Hamborn : Was die angebliche Auflösung der Hells Angels für Duisburg bedeutet

Letztlich hat er Tobias Rehberger ausgewählt, um das Kirchenschiff zu gestalten. Als die Kirche fertig war, hat Nolting gemerkt, dass dies ein Ort sein könnte, um Essen auszugeben. Die Aktion "Armensuppe für alle" wurde mit den Jahren ein fester Bestandteil des Gemeindelebens. Denn mittlerweile wird jede Woche in der Bergerkirche Essen ausgegeben. "Aus der Laborkirche hat sich eine Diakoniekirche entwickelt", sagt Nolting. Das sei auch der Grund, warum er das Labor beendet: Die erfolgreichen Projekte wurden in das Gemeindeleben integriert, die weniger erfolgreichen blieben ein Versuch.

Dennoch hatten die Projekte eines gemeinsam: Sie waren geprägt von Kreativität, Einfühlungsvermögen — und Mut. So zum Beispiel die geistliche Übung "Jedes Grab ist zu eng" im Jahr 2008. Damals ließ Nolting zwei Gräber ausheben, um das Thema Auferstehung greifbar zu machen. Die Besucher konnten meditieren und sich mit dem Tod und der Auferstehung befassen.

An eine Grenze ist Nolting gestoßen, weil die Gäste sich in die Gräber legen durften, um dort zu meditieren. "Damals gab es ein starkes Medienecho, mit dem ich nicht gerechnet habe", erzählt Nolting. "Alle fanden das zu krass." Doch genau darum geht es bei einem Experiment: Grenzen zu finden — und zu überschreiten, um zu entdecken, was geht und was nicht.

"Der letzte Versuch" soll nun einen Rückblick geben auf vergangene Aktionen. Nolting beschreibt ihn als ironisches Medley. Zu Beginn steht der zweite Teil von "Jedes Grab ist zu eng" — diesmal soll es allerdings nicht so dramatisch werden. Nolting sagt: "Ich lasse nur ein Grab ausheben."

Außerdem wird Hinrich Grossmann mit und für die Besucher kochen, und zwar Gerichte, die in der Bibel angelegt sind. "Auf die Idee der Kochübung bin ich gekommen", sagt Nolting, "weil wir früher in den Wohngemeinschaften in der Küche immer über wichtige Dinge philosophiert haben. Wir diskutierten quasi über den Weltfrieden beim Kochen." Nolting wird die Gerichte biblisch erläutern und interpretieren.

Damit das Labor von Thorsten Nolting nicht in Vergessenheit gerät, hat er sich zum Abschied etwas Besonderes einfallen lassen: "Jeder, der als Freund der Bergerkirche und Diakonie eingetragen ist, wird ein Geschenk bekommen, dass er im Alltag gebrauchen kann, und das ihn an das Labor erinnern wird." Der Kölner Künstler Mischa Kuball hat den Gegenstand, von dem Nolting nicht verrät, was es ist, entworfen — und zwar kostenlos. Das ist für Nolting übrigens eine wichtige Bestätigung gewesen: Dass ihn viele Künstler unterstützt haben, so wie Fons Higmann, der immer wieder kostenlos Plakate entworfen hat.

Und obwohl der letzte Versuch mit "Teil 1-3" angekündigt wird — und man auf einen vierten Teil hoffen könnte — , ist für Nolting eins sicher: "Das Labor schließt wirklich."

(RP)