Quadriennale in Düsseldorf Kunst gegen die vorbeirauschende Zeit

Düsseldorf · In dieser Woche hebt in Düsseldorf die Quadriennale an – die gigantische Kunstausstellung, die nahezu alle Ausstellungshäuser der Stadt mit einbezieht und sogar darüber hinaus verweist: Denn auch in der Neusser Langen Foundation ist Quadriennale-Kunst zu sehen. Kein Geringerer als Zero-Gründer Otto Piene zeigt "Light and Air – Licht und Luft". Im Kunsttunnel am Rheinufer (KIT) ist schon aufgebaut, mit Leiterin Gertrud Peters durften wir vorab in die Räume schauen.

Tief im Kunsttunnel vor Ort geschaffen: Das KIT zeigt zur Quadriennale Pauline M'bareks "Der berührte Rand".

Tief im Kunsttunnel vor Ort geschaffen: Das KIT zeigt zur Quadriennale Pauline M'bareks "Der berührte Rand".

Foto: Ivo Faber

In dieser Woche hebt in Düsseldorf die Quadriennale an — die gigantische Kunstausstellung, die nahezu alle Ausstellungshäuser der Stadt mit einbezieht und sogar darüber hinaus verweist: Denn auch in der Neusser Langen Foundation ist Quadriennale-Kunst zu sehen. Kein Geringerer als Zero-Gründer Otto Piene zeigt "Light and Air — Licht und Luft". Im Kunsttunnel am Rheinufer (KIT) ist schon aufgebaut, mit Leiterin Gertrud Peters durften wir vorab in die Räume schauen.

Wie haben Sie das Thema entwickelt, welcher Gedanke hat Sie zu dieser Künstlerin geführt?

Peters ,Der berührte Rand' ist die größte Einzelausstellung der 1979 geborenen Künstlerin Pauline M'barek. Meine Wahl fiel auf sie, weil sie experimentell und raumbezogen arbeitet und in ihren Installationen die Besucher, bildlich gesprochen, an die Hand nimmt.

Was soll die Kunst auslösen?

Peters Ich wünsche mir, dass die Betrachter von der Ausstellung ergriffen sein werden und eine bewusstere Wahrnehmung mit hinaus in den Alltag nehmen.

Was zeigt das KIT, was andere nicht zeigen?

Peters Das KIT zeigt die einzige Einzelausstellung zur Quadriennale, alle Werke sind von der Künstlerin vor Ort geschaffen worden. Sozusagen bis zur letzten Minute. So zieht sich durch den Raum eine Endlos-Schleife, schwarz-weiße und extrem fokussierte Videos und Objekte sind zu sehen. Ein leuchtendes Spiegelregal präsentiert geheimnisvolle Artefakte. Alles ist ausgerichtet auf haptisch-visuelle Vorgänge, deren Darstellung den Betrachter die Schaffensprozesse fast körperlich empfinden lassen.

Welches Publikum sprechen Sie an?

Peters Jeden Menschen, der neugierig ist, zum Beispiel auf den präzisen Blick, mit dem Pauline M'barek die Welt sieht.

Wie greift die Ausstellung das Thema ,Über das morgen hinaus' auf?

Peters Mir ist es wichtig, diesem Vorbeirauschenlassen, das heute ja den Alltag bestimmt, und dieser schnellen Gegenwart, die, so der allgemeine Glaube, linear auf die Zukunft zusteuert, ein anderes Bild entgegenzusetzen.

Kann man etwas lernen oder Neues begreifen im KIT?

Peters Das kann man bei uns besonders gut, da die Installation das gewohnte Sehen irritiert: Keine gerade Linie gibt dem Besucher halt, er muss sich den Raum erst einmal erobern. Man kann also die so genannte Realität für eine Weile verlassen und jenseits der materiellen Zwänge einen neuen Blick auf die Welt draußen gewinnen.

Das KIT liegt direkt am Rhein — beziehen Sie die Lage mit ein in Ihr unterirdisches Ausstellungshaus?

Peters Inhaltlich sicher nicht. Aber natürlich ist es eine Inspiration, an einem solchen Platz zu arbeiten. Und zur Quadriennale beziehen wir die Wiese vor dem KIT tatsächlich mit ein: Wir nehmen teil an "Elisabeths Garten", einem Projekt der Stiftung Schloß und Park Benrath.

(RP)