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Strack-Zimmermann: "Kultur muss fit für Zukunft werden"

Strack-Zimmermann : "Kultur muss fit für Zukunft werden"

Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) begrüßt die Diskussion über eine Umstrukturierung der Kulturinstitute. Sie erwartet von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe bald ein Konzept für die nächsten Jahre – und von den Instituten die Bereitschaft, sich zu verändern.

Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) begrüßt die Diskussion über eine Umstrukturierung der Kulturinstitute. Sie erwartet von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe bald ein Konzept für die nächsten Jahre — und von den Instituten die Bereitschaft, sich zu verändern.

Groß war die Aufregung in der Stadt, als bekannt wurde, dass es Überlegungen über neue Strukturen in der Landschaft der Kulturinstitute gibt. Jetzt scheint wieder Ruhe zu herrschen.

Strack-Zimmermann Zunächst: Wir sprechen von sage und schreibe einem städtischen Kulturetat in Höhe von 130 bis 150 Millionen Euro; das ist mehr als der gesamte Kulturetat des Landes NRW. In dieser komfortablen Situation finde ich es äußerst spannend, die angestoßene Diskussion zu nutzen, nicht um zu prüfen, wohin die Kosten laufen, sondern um hinzuschauen, wo es um so viel Geld geht, was mit dem Geld angestellt wird. Jedes Institut muss sich immer wieder darauf einstellen, die Ausgaben zu kontrollieren, seine Effektivität und Wirksamkeit zu überprüfen, aber auch zu betrachten, wo es räumlich und auch das Personal betreffend Synergie-Effekte geben könnte.

Wie soll diese Debatte dann konstruktiv weitergeführt werden?

Strack-Zimmermann Ich erwarte von Kulturdezernent Lohe, dass er dazu einen Plan erstellt. Das soll keine Bestandsaufnahme sein; dafür haben wir den Kulturreport. Bis zum Herbst brauchen wir einen Blick in die Zukunft — gerne auch in einem Art Fünf-Jahresplan.

Und was sind die nächsten Schritte?

Strack-Zimmermann Ein Kulturdezernent hat zunächst die Aufgabe, dass der Laden läuft. Jetzt muss eine Qualitätsuntersuchung her, auch als möglicher Ideenlieferant für die Häuser.

Ist die erste Aufregung in dieser Debatte auch hilfreich gewesen — indem viele aufgeschreckt wurden?

Strack-Zimmermann In anderen Bereichen — nehmen Sie den Sport oder die Wirtschaft — wird man ständig aufgeschreckt. Klar gibt es Schreckschüsse. Im Kulturbereich agieren häufig Menschen, die das nicht so gewohnt sind; die Dynamik ist dort meist eine andere. Darum ist es wichtig, dass sich jeder bei so viel finanzieller Förderung selbstverständlich über sein Haus Gedanken macht. Um unser hohes Niveau halten zu können, müssen wir zwingend nach Synergie-Effekten schauen. Qualität hängt natürlich auch mit Geld zusammen, aber eben nicht nur. In vielen Einrichtungen läuft es unverändert wie seit Jahrzehnten. Darum müssen sich alle Verantwortlichen fragen lassen, ob die Art der Darstellung noch den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft entspricht. Die Gefahr ist einfach da, dass man sich in Instituten einigelt und hofft, in Ruhe gelassen zu werden.

Es gab den Plan, dass die Institutsleiter die Einrichtungen der Stadt untereinander bewerten. Ist so etwas sinnvoll, auch vor dem Hintergrund, auf diesem Wege eine qualitätsorientierte Konkurrenz zu erzeugen?

Strack-Zimmermann Das ist ein ausgesprochen spannender Ansatz. Wenn Sie dem Leiter X sagen, er soll sich doch bitte einmal das Haus Y anschauen und bewerten, führt das möglicherweise zu einer großen Unruhe, zumal ja auch X weiß, dass auch seine Arbeit irgendwann auf diese Weise reflektiert wird. Mir ist klar, dass man bei keiner kulturwissenschaftlichen Einrichtung ausschließlich eine betriebswirtschaftliche Rechnung aufmachen kann. Gerade in der Kultur muss sich auch eine kleine Zielgruppe angesprochen fühlen. Das ist ganz wichtig. Wir müssen uns also erlauben, auch Nischen zu besetzen. Das ist das Salz in der Suppe. Aber es geht auch darum, wie man sein Thema den Menschen emotional verkauft. Ein Beispiel: Wie wird künftig das Hetjens-Museum mit seiner unglaublich tollen Sammlung die Bedeutung von Porzellan jungen Menschen vermitteln können, denen der Zugang zu Keramik und Porzellan fehlt. Es geht bei allen Kultur-Einrichtungen vor allem darum, ob sie und ihre Kultur fit sind für die Zukunft.

Zu bedenken ist aber auch, dass viele Institute eine immense Außenwirkung haben und so Werbeträger der Stadt sind.

Strack-Zimmermann Das muss man unbedingt berücksichtigen. Es geht nicht nur darum, ob jeder Düsseldorfer im Goethe- oder Hetjens-Museum ein- und ausgeht. Beide Häuser, um nur zwei zu nennen, haben in der Fachwelt eine immense Bedeutung. Um eine Analyse allerdings kommen sie trotzdem nicht herum, auch wenn es unbequem ist. Natürlich werden dann manche aufschreien. Das macht nichts. Wichtig ist, dass alle davon betroffen sind, nicht nur einzelne. Das ist schon eine Frage der Gerechtigkeit. Jeder muss sich die Frage gefallen lassen, wie er sich am besten profiliert, wie er sich die Zukunft vorstellt. Das heißt, jeder muss sein Institut einmal kräftig durchwühlen, auch deshalb, damit neue Ideen eine Chance bekommen, sich zu entwickeln. Ich erwarte von allen, die im Kulturbetrieb unterwegs sind, Solidarität und Kreativität. Wer laut schreit, wird nicht belohnt. Da erwarten wir mehr.

(RP/jco)