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Kultur Bahnhof Eller zeigt Fotografien der Künstlerin Renate Löbbecke von Kragkuppelbauten

Ausstellung Kultur Bahnhof Eller : Die Poesie der Kragkuppelbauten

Erstmals werden die Fotos von Renate Löbbecke in einer Ausstellung präsentiert. Die Wuppertaler Künstlerin fotografierte auf der ganzen Welt Kragkuppelbauten. Die Ausstellung im Kultur Bahnhof Ellter geht noch bis zum 21. Juni 2020.

Wenn sie unter der Kragkuppel von jahrhundertealten Bauwerken steht, fühlt sich Renate Löbbecke geschützt. Dann empfindet sie einen Zustand höchster sinnlicher und geistiger Aufmerksamkeit. „Ich sehe die von Menschen gebauten Erhebungen, die einzigartigen Formen der unbearbeiteten Felsen“, so die Wuppertaler Künstlerin, die sich seit über 30 Jahren intensiv mit „Kragkuppelbauten“ beschäftigt.

Auf der Suche nach den Bauwerken reiste Löbbecke in 20 Länder und circa 60 verschiedene Regionen. Dort fotografierte sie die menschgeschaffenen, sich aber dennoch in die Natur einfügenden Bauten und schuf so eine einmalige Dokumentation mit hoher ästhetischer Qualität. Erstmals werden die Bilder innnerhalb einer Fotografie-Ausstellung präsentiert: „Renate Löbbecke: Stein auf Stein – Kragkuppelbauten“ ist jetzt im Kultur Bahnhof Eller (Vennhauser Allee 89, Düsseldorf) zu sehen. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 21. Juni. Die Öffnungszeigen sind dienstags bis sonntags, jeweils von 15 bis 19 Uhr.

Die Ausstellung umfasst rund 120 Prints. Renate Löbbecke legt bei ihren Fotografien den Fokus darauf, neben den Bauten auch deren Einbettung in die Landschaft bildlich zu erfassen.

Die Bauweise hinter Kragkuppeln ist nachweislich über 6000 Jahre alt. Vor etwa 200 Jahren gab es einen erneuten „Bauboom“, beschreibt Löbbecke. Unabhängig voneinander entstanden auf der ganzen Welt – unter anderem in Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Marokko – vergleichbare Bauformen. Oft dienten sie als landwirtschaftliche Schutzhütten.

Die elementare Bauweise ist simpel wie praktisch. Sie ermöglicht es, einen Raum nur mit den vor Ort zur Verfügung stehenden Steinen zu umhüllen – und das ganz ohne Hilfsmaterialien wie Mörtel oder Holz. Dazu werden horizontale Steinlagen so übereinandergelegt, dass sie schichtweise immer weiter in den überwölbenden Raum ragen, bis sie sich im Scheitelpunkt des Gewölbes treffen. Ein möglicher Deckstein kann zur Förderung der Statik beitragen – oder fehlen.

Bei ihrer langjährigen Recherche hat Renate Löbbecke nach eigenen Angaben „einen großen Respekt vor der körperlichen Leistung und den komplexen Gestaltungskräften der anonymen Landarbeiter entwickelt.“ In den Bauwerken erahnt die Wuppertaler Künstlerin die „funktionierende Symbiose von Natur und Mensch, die durch die Ambivalenz bestimmt war, das eigentlich störende Steinmaterial in nützliche Strukturen umzuwandeln.“