Künstler der freien Szene beklagen Raumknappheit

Rat der Künste : Künstler beklagen Raumknappheit

Der Rat der Künste diskutierte mit Politikern und Künstlern über die Bedürfnisse der freien Szene.

„Es ist rappelvoll“, bemerkt eine Besucherin der Veranstaltung des Rats der Künste zur freien Szene, als sie in der Schlange vor dem Plenarsaal im Rathaus steht. „Ich weiß nur nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist“, fügt die Frau hinzu. Dass mehr als 200 Menschen kommen, um über die Bedürfnisse der freien Szene in Düsseldorf zu diskutieren, ist ein gutes Zeichen, wie sich im Laufe des Abends herausstellt. Auch wenn der im vergangenen Jahr gegründete Rat der Künste noch in der Selbstfindungsphase steckt.

Ohne Zwischenrufe kommt die Diskussion im Rathaus nicht aus, aber das Gegenteil wäre bei dem Thema freie Szene auch enttäuschend. „Wer ist denn überhaupt der Rat der Künste?“, fragt eine Künstlerin in den Raum hinein. Angesprochen fühlt sich, wie so oft bei dieser Diskussionsveranstaltung, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Er bezeichnet den Rat als „eine Lobby für die Kultur“. Das im April 2018 von 327 Künstlern gewählte ehrenamtliche Gremium versteht sich als Vermittler zwischen Kunst und Politik. Die Namensliste der Vertreter wirkt wie ein Who‘s Who der Düsseldorfer Kultur: von Eva Birkenstock, Direktorin des Kunstvereins, über Robert Koall, Chefdramaturg des Düsseldorfer Schauspielhauses, bis hin zu Jochen Molck, Geschäftsführer des Zakk. Gekommen sind auch Marianne Schirge, Leiterin des Kulturamts, und jeweils ein Vertreter aus der Politik, sowohl aus der Ampel-Kooperation, als auch aus der Opposition.

Die Prominenz im Saal nutzen die versammelten Künstler, um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Immer wieder sprechen sie das Thema Zwischennutzung von Räumen für Aktivitäten der freien Szene an. Orte wie das Boui Boui sind für die freie Szene ein Muss, darüber sind sich alle Anwesenden schnell einig. „Eine Stadt ohne solche Freiräume ist, ich würde fast sagen, nicht mehr lebenswert. Wir brauchen eine lebendige Szene, auch in den Stadtteilen“, sagt Kulturdezernent Lohe. Anfang 2017 musste schon der Kulturverein Damen und Herren seine Räume in Friedrichstadt verlassen, 2020 muss auch die Brause ihren jetzigen Standort an der Bilker Allee aufgeben. Damit wird der Raum für die Off-Szene in Düsseldorf knapper. Und dort, wo er vorhanden ist, kann er schnell teuer werden.

Für einen Raum im Boui Boui etwa kämen zu den Kosten für die Anmietung der großen Halle auch noch das Geld für Licht und Technik dazu, beklagt ein Künstler. Der Raum stünde leer, alles Weitere sei im Grundpreis nicht inbegriffen. Bei einer Zwischennutzung müssen, wie im allgemeinen Baurecht, der Brandschutz und die Fluchtwege gewährleistet werden. Auch der Lärm kann ein Problem sein. „Gelebte Kultur heißt aber auch Geräusch – Geräusche bedeuten Leben“, sagt ein Vertreter der Brause. Dafür bekommt er viel Applaus. Bei der Erklärung Lohes, Eigentümer hätten bei der Zwischennutzung Sorgen, ob sie die Räume danach freibekommen, hält sich die Begeisterung dagegen in Grenzen. Von der Anregung, den Blick für Räume für die Kulturszene auf Außenstadtteile wie Rath zu weiten, halten die Anwesenden wenig. Auf Ablehnung stoßt auch der Vorschlag, mehr Fundraising für die freie Szene in Anspruch zu nehmen. „Wir wollen Unterstützung von Kultur als gesellschaftliche Aufgabe verstehen. Wie wollen eine Kultur, die sich frei entfaltet und nicht von der Wirtschaft abhängig ist“, sagt Peter Ulrich Peters (Die Linke). Urteilt man nach dem Applaus im Rathaus, trifft er damit direkt ins Herz der freien Szene.

Eins ist nach der Veranstaltung des Rats der Künste klar: Es gibt mit der Off-Szene Düsseldorfs viel zu besprechen. Zu Beginn der Veranstaltung beklagte Stefan Schweizer, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schloss Benrath und Mitglied des Rats, noch den Kommunikationsstau in der Szene. Nach der zweistündigen Diskussion durfte sich zumindest ein Teil davon gelöst haben. Auch wenn die angesprochenen Themen für die meisten Anwesenden nicht neu waren, könnte das neue, ehrenamtliche Gremium in seiner Vermittlerrolle für neue Impulse in der Kulturszene Düsseldorfs sorgen – zumal die freie Szene nur eine von insgesamt sechs Arbeitsgruppen darstellt. „Diese Veranstaltung werden wir auf jeden Fall wiederholen“, sagte Schweizer.

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