Düsseldorf: Kriminell kreativ ist sie am liebsten im Café

Düsseldorf: Kriminell kreativ ist sie am liebsten im Café

Gleich drei Krimis der Düsseldorferin Sabine Klewe sind gerade erschienen. Es sind spannende Romane um ernste Themen.

In Bilk ist sie aufgewachsen und fühlt sich dort wohl. In den Cafés in der Innenstadt schreibt sie gern, und in Düsseldorf sind auch die meisten Krimis von Sabine Klewe angesiedelt. Als Regionalkrimis sind sie aber nicht gedacht, die Stadt spielt also keine entscheidende Rolle. Sie ist jedoch der Hintergrund für die Fälle, und das gleich in drei Serien, an denen die 47-Jährige parallel arbeitet.

Jetzt sind fast gleichzeitig drei neue Bücher erschienen: "Schwanenlied", der fünfte Band um die Düsseldorfer Fotografin und Hobbyermittlerin Katrin Sandmann; "Die weißen Schatten der Nacht", der zweite Fall der Kommissarin Lydia Louis, einer taffen Polizistin mit unkonventionellem Privatleben: Sie verbringt ihre Nächte oft mit One-Night-Stands und viel Alkohol; außerdem hat Sabine Klewe unter dem Pseudonym Karen Sander den Auftakt zu einer neuen Serie geschrieben: "Schwesterlein, komm stirb mit mir".

Während es Katrin Sandmann dieses Mal in die Eifel zieht, bleiben die anderen Ermittler von Sabine Klewe - Polizisten und in der neuen Serie auch eine Psychologin — in Düsseldorf. Besonders in dem Fall um Lydia Louis und ihre Kollegen ist die Stadt präsent. Sie haben ihre Büros am Jürgensplatz und sind für die Ermittlungen in der ganzen Stadt unterwegs. In Bilk gibt es zwischendurch Pizza auf die Hand für ein schnelles Mittagessen, am Carlsplatz einen Kaffee, und in der Altstadt sucht ein Polizist nach Spuren, nachdem ein Obdachloser am Rheinturm starb.

Es scheint ein Unfall gewesen zu sein. Doch der Ermittler hat kein gutes Gefühl, er befragt mögliche Zeugen und findet schließlich Hinweise zu dem eigentlichen Fall des Krimis: In der Freiheitsstraße in Vennhausen fiel ein zehnjähriges Mädchen in seinem Elternhaus die Treppe hinunter. Vermutlich wurde das Kind missbraucht. Es ist verstörend, was hier zur Sprache kommt.

Sabine Klewes Krimis gehen auch unter die Haut, grausam und auf Schockmomente aus sind sie aber nicht. Bis jetzt hat sie ruhige Ermittlerkrimis geschrieben, die nicht in Blut baden müssen, um spannend zu sein. Es sind auch nicht Verbrechen, für die sie sich interessiert, sondern Themen, die zeigen, welche Abgründe in Menschen verborgen sind.

Der neue Fall mit Lydia Louis dreht sich allerdings nicht, wie die Kommissarin und ihre Kollegen anfangs vermuten, um Missbrauch, auch wenn dieses Thema immer wieder anklingt. Sabine Klewe erzählt vielmehr von Eltern, die ihre Kinder verloren haben. Wie auch Christopher Salomon, der Kollege, mit dem Lydia Louis zusammenarbeitet: Seine kleine Tochter verschwand spurlos, als sie am Strand eine Sandburg baute. Neben ihren Themen geben die Ermittler Salomon und Louis den Krimis von Sabine Klewe Tiefe und Farbe. Sie setzt die beiden bei den härteren und komplexen Fällen ein, für die man einen Polizeiapparat braucht.

Für die anderen Fälle hat sie seit 2004 Katrin Sandmann: die Düsseldorfer Fotografin, die immer wieder in Mordfälle hineingerät. Jetzt findet sie in einem Haus in der Eifel eine verborgene Kammer mit einer Mumie und kommt einer bedrückenden Geschichte aus dem Nachkriegsdeutschland auf die Spur.

Der dritte Krimi, der jetzt ganz neu erschienen und der erste Fall einer neuen Serie ist, scheint einiges über den Haufen zu werfen, was bisher für Sabine Klewe galt. In "Schwesterlein, komm stirb mit mir" vergießt sie viel Blut, und sie schildert die Morde deutlich drastischer als bisher.

Dennoch lebt auch dieser Krimi nicht von der Grausamkeit, sondern von dem, was die Autorin über die Verbrechen hinaus erzählt. Das ist in diesem Fall unter anderem die Geschichte einer Psychologin, die Serientäter fassen und ergründen will, warum Menschen töten. Dazu gekommen ist sie, weil ihr Bruder Mitschülerinnen von ihr ermordet hat.

Selbst drei Serien sind ihr nicht genug. Sabine Klewe promoviert derzeit auch noch über die schottische Krimiautorin Val McDermid, und sie verfasst historische Romane. "Die schwarzseidene Dame", auch das ein Buch, das in Düsseldorf spielt, hat sie allein geschrieben, weitere Geschichtsexkurse zusammen mit Martin Conrath unter dem Pseudonym Sabine Martin.

Gerade ist ihr neuer historischer Roman auf dem Weg ins Lektorat. Jetzt arbeitet die Autorin am nächsten Krimi, am liebsten wieder in Cafés in der Düsseldorfer Innenstadt. Es ist Unterhaltungsliteratur der guten Art, die hier entsteht: spannend und zugleich nachdenkenswert.

(RP)
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