Konzertreihe "Sounds Of Jazz" wird 20: Jazz in der Kirche

Konzertreihe „Sounds Of Jazz“ : Jazz in der Kirche

Die Konzertreihe „Sounds Of Jazz“ von Wolf Doldinger und Hardy Döhrn feiert 20-Jähriges.

„Wir sind das Kontinuum der Düsseldorfer Jazz-Szene“, sagt Hardy Döhrn über sich und Wolf Doldinger, den jüngeren Bruder des berühmten Komponisten und Saxofonisten Klaus Doldinger, den er seit den späten 1950er Jahren kennt. Wenn man das hört, mag man an Jazzmusiker denken, wie es sie auch in anderen deutschen Großstädten gibt, Musiker, die in der Nachkriegszeit begannen, Jazz zu spielen, und das bis heute beibehalten haben. Und doch ist bei dem Altsaxofonisten Doldinger und dem Posaunisten Döhrn vieles anders, ja einzigartig.

So existiert wohl weltweit keine zweite Band, die von zwei promovierten Vertretern anderer Berufe, einem Psychologen und Unternehmensberater sowie einem Zahnarzt, gemeinsam mit Profimusikern gegründet wurde und die regelmäßig Konzerte in einer Kirche veranstaltet. Ist das schon sehr außergewöhnlich, so verblüfft noch mehr, dass sich die Band Wolf Doldinger & Best Friends und ihre Konzertreihe „Sounds Of Jazz“ trotz dieser besonderen Konstellation als überaus beständig und erfolgreich erwiesen haben.

Das Quintett besteht seit 20 Jahren in nahezu unveränderter Besetzung. Außer dem Pianisten Wolfgang Hefter, der bereits kurz nach Gründung der Band starb, sind alle Mitglieder noch heute dieselben. Neben Wolf Doldinger und Hardy Döhrn sind das der Bassist Wolfgang Engelbertz und der Schlagzeuger Rolf Drese. Am Klavier sitzt Michael Weiss, erster Keyboarder beim „Starlight Express“. Spannend für Band und Publikum bleibt die Reihe auch nach inzwischen fast 170 gemeinsamen Konzerten durch wechselnde Gastmusiker, die zu den Auftritten eingeladen werden.

Auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis der „Sounds Of Jazz“ antwortet der Psychologe Doldinger: „Wir haben eine Idee entwickelt, die sehr auf das Publikum ausgerichtet ist. So haben wir die Musik eingebettet in ein größeres Kulturkonzept. Zum Beispiel liest Hardy zwischen den Stücken Gedichte oder humorvolle Texte vor. Das Ziel ist immer gewesen, dass die Leute nach dem Konzert besser gelaunt nach Hause gehen.“

Über seine Kontakte als Unternehmensberater ist es Wolf Doldinger auch immer wieder gelungen, Persönlichkeiten aus Industrie und Wirtschaft für den Jazz und für seine Konzertreihe zu gewinnen, so zum Beispiel den Manager Ulrich Lehner. Doldinger erinnert sich noch genau daran, wie er den damaligen Henkel-Chef im Büro besuchte und ihm ein Altsaxofon präsentierte mit den Worten: „Das ist das Instrument, das Sie in Zukunft spielen sollten.“ Noch im Büro blies Lehner die ersten Töne. Und die waren so laut, dass gleich der Werkschutz vor der Tür stand. „Die dachten, da wird jemand umgebracht“, erzählt Doldinger. Heute spielt Lehner, der von sich sagt, der Jazz habe sein Leben verändert, bei den „Sounds Of Jazz“ als Gast Kontrabass und ist „Ehren-Aufsichtsrat“ der Band.

Durch Doldingers Netzwerker-Talent hat sich vor 20 Jahren auch der Kontakt zur Johanneskirche ergeben. Der damalige Pfarrer Torsten Nolting suchte eine Attraktion für das neu eröffnete Café im Foyer der Kirche, während Doldinger sich nach Auftrittsmöglichkeiten umsah. „Die Zusammenarbeit ist eine Symbiose, von der beide Seiten profitieren“, erklärt Hardy Döhrn. „Die Kirche hat den Zulauf von unserem Publikum, und wir haben die Räumlichkeiten und die Kooperation mit den dortigen Helfern.“ Das Publikum, das Doldinger und Döhrn liebevoll ihre „Jazz Family“ nennen, wuchs von Konzert zu Konzert; heute finden die Auftritte nicht mehr im Café, sondern im großen Bachsaal statt.

Besonders gerne erinnern sich die beiden Gründer der „Sounds Of Jazz“ an einen Auftritt mit dem legendären Altsaxofonisten Charlie Mariano. Aber auch Konzerte mit dem Trompeter Markus Stockhausen oder Wolf Doldingers Bruder Klaus bescherten ihnen magische Momente. Markus Stockhausen wird am 4. April wieder bei den „Sounds Of Jazz“ zu Gast sein, Klaus Doldinger am 16. November. Zum nächsten Konzert am 7. Februar haben Wolf Doldinger & Best Friends den Pianisten und Mundharmonika-Virtuosen Berthold Matschat eingeladen. „Wie der chromatische Mundharmonika spielt, das ist zum Niederknien“, schwärmt Doldinger, und Döhrn fügt hinzu: „Da glitzert jeder Akkord.“

Info Karten unter www.soundsofjazz.info/kartenreservierung

Mehr von RP ONLINE