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Konzert in Düsseldorf: Fazil Say winkt in der Tonhalle den Klängen nach

Konzert in Düsseldorf : Konzert in der Tonhalle: Fazil Say mit großen Gesten

Von Fazil Say, dem charismatischen türkischen Pianisten, bleiben vor allem seine Gesten in Erinnerung: wie er mit der gerade arbeitslosen Linken dem Klang des Steinways nachwinkt, den musikalischen Gedanken hinüberleitet zu den Geigen und Celli der Academy of St Martin in the Fields, die geradezu fürsorglich um ihn sind.

Sein in sich gekehrter, dem Saal zugewandter gekrümmter Oberkörper, sein träumerischer Blick. Und sein so zärtliches Verhältnis zu dem großen schwarzen Instrument, dem er wunderbare Mozart-Parlandi entzaubert oder die Klänge des Orients in seinem eigenen Werk „Silk-Road“.

Say hat Mozarts zwölftes Klavierkonzert dabei, das empfindsam an Johann Christian Bach erinnert – viel Formelhaftes im Kleid formaler Tabubrüche. Die Academy ist mit ihrem deutschen Konzertmeister Timo Keller angereist. Zum Heimspiel bleiben etliche Plätze leer in der Tonhalle. Vielleicht liegt das am Programm, das mit der „Little Music“ von Michael Tippett und Bartóks „Divertimento“ anspruchsvolle Nachbarwerke gegenüberstellt, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Das jetzt 60 Jahre bestehende Londoner Kammerorchester pflegt einen edlen Tonfall, selbst Cluster klingen transparent. Für Begeisterungsstürme des Publikums hätte es einer Portion Dreck, Wut, Verzweiflung im Ton bedurft. So bleiben allerfeinste Pianissimi, witzige Pizzicati, extreme Tempi im Gedächtnis.