Komödie Düsseldorf zeigt "Oh, diese Eltern"

Komödie : Pointen im Doppelpack

Das Stück „Oh, diese Eltern“ in der Komödie gelingt trotz einiger Ungereimtheiten.

Die Geschichte spielt im andalusischen Frühling. Aber heiter und sonnig beginnt „Oh, diese Eltern“ nicht, im Gegenteil. In Schwarz gehüllt, mit Sonnenbrille und Fächer, sitzt eine jammernde Frau im ärztlichen Wartezimmer. In Wahrheit fehlt ihr nichts. Das wissen die Zuschauer in der „Komödie“ von der Stimme des Arztes, der sich in dem Stück von Alfonso Paso mehrmals als Erzähler einschaltet und später an den entscheidenden Schräubchen fürs Happyend dreht. Neben der vermögenden Witwe Dolores ringt deren Tochter Manuela (Leandra Fili) um Fassung. Resigniert erträgt die Lehrerin das Gestöhne und die stockkonservativen Ansichten ihrer Mutter: „Die Ehe ist die einzige Karriere für eine Frau.“ Geht Manuela nicht auf sie ein, zetert Dolores: „So sind sie, die Kinder, kalt und unbarmherzig.“ Sie wähnt ihr Ende nahe und führt als Indiz sogar die zerfledderten Zeitungen an: „Warum sind sie so alt? Die Ärzte wollen, dass wir über unsere Vergangenheit nachdenken, denn sie wissen, dass wir armen Wesen keine Zukunft haben.“

Dann wankt ein Männer-Gespann durch die Tür, und alles wiederholt sich: Der Vater jault und hustet, der Sohn versucht, ihn zu beschwichtigen. Ein Jammertal. Bis sich die Trübnis schlagartig aufhellt, als die zwei Miesepeter ins Gespräch kommen, auftauen – und sich Knall auf Fall verlieben. Was den Kindern nun aber gar nicht passt. Mit allen Tricks versuchen sie die liebestollen Eltern zu trennen. Man fragt sich, warum? Wo doch plötzlich alle Beschwerden, die vorher so genervt haben, vergessen sind, und Lebensfreude sich ausbreitet.

Regisseur Christof Düro hat die Handlung in den prüden 80er-Jahren in Spanien belassen. Besser so. Heute würden Eltern gegen diese Bevormundung protestieren. So aber legt sich ein charmanter Staub aus Nostalgie über das Stück, das trotz der Ungereimtheiten viel Vergnügen bereitet. Was vor allem an dem fabelhaften Paar im zweiten Frühling liegt. Peter Millowitsch und Andrea Spatzek schlüpfen mit spürbarer Lust in ihre Rollen. Auf ihren Stühlen im Wartezimmer wirken sie zunächst (gewollt) statisch und bekommen wenig Raum für ihr Spiel. Aber bei ihrem ersten Rendezvous drehen sie richtig auf. Fernando hat sein Wohnzimmer mit Buddhas und Lampions orientalisch dekoriert und erwartet seine Angebetete in Kimono und Fez. Herrlich, wie die beschickerte Dolores aufs Sofa steigt, wie sie ihren zuvor übertrieben idealisierten verblichenen Gatten zum Teufel schickt und Fernando mitzieht: Seine Carmen hat immer nur genäht, wie langweilig.

Die Tochter macht eine überzeugende Wandlung durch. Nur Fabian Goedecke muss als Sohn bleiben, wie er anfangs schon war, ein Mathe-Nerd mit tapsigem Gang, monotoner Stimme und mürrischem Gesicht. In so einen soll die hübsche Manuela sich verlieben? Das glaubt kein Mensch. Schade, dass nicht auch er sich locker machen darf. Das Stück wartet mit hübschen Pointen auf und bietet am Ende eine absurde Überraschung, die es in sich hat und alle zufriedenstellt, Akteure und Publikum. Viel Beifall für einen meist amüsanten Abend.

Info „Oh, diese Eltern“ von Alfredo Paso wird bis zum 17. Mai in der „Komödie“ aufgeführt. Karten unter Tel. 133707,
im Internet unter
www.komoedie-steinstrasse.de

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