Düsseldorf: Kleiner Feigling wird erwachsen

Düsseldorf: Kleiner Feigling wird erwachsen

Theater für die ganz kleinen Zuschauer: "Der kleine Angsthase" feiert eine großartige Premiere am Jungen Schauspielhaus.

Er muss nur einmal von hier nach da gehen. Kein Problem für den kleinen Angsthasen - oder doch? Wenn da nicht immer diese komischen Geräusche wären und diese Dunkelheit und dieser Schatten - der sich dann doch als sein eigener herausstellt. Der kleine Angsthase (Julia Goldberg) hat vor allem Angst. Erst durch seine Freundschaft mit dem kleinen Ulli (Paul Jumin Hoffmann), der noch kleiner ist als der kleine Angsthase, aber gar nicht so ängstlich, lernt der kleine Angsthase, seine Furcht zu überwinden. Das Stück "Der kleine Angsthase" nach dem Bilderbuch von Elizabeth Shaw hatte nun Premiere im Jungen Schauspiel.

Voll besetzt war das Studio an der Münsterstraße am Samstagnachmittag. Manche der kleinen Besucher - das Stück eignet sich ab vier Jahren - trauten sich sogar, mit anderen Kindern in der ersten Reihe zu sitzen, während die Eltern weiter hinten Platz nahmen. So waren sie dem Spiel ganz nah und konnten den Darstellern immer mal Tipps geben oder das Geschehen kommentieren, was die Schauspieler häufig mit einem Nicken oder einem vielsagenden Blick gerne in ihr Spiel aufnahmen. Die lebendige Inszenierung von Martin Grünheit lässt viel Raum für Improvisation und hat auch für die Erwachsenen jede Menge Gags eingebaut, so dass sie ebenfalls ihren Spaß an der turbulenten Aufführung haben.

Die Angst bekommt hier sogar eine Form: Sie sieht aus wie eine große rosa Krake. Wenn sie sich von hinten anschleicht, schreien die jungen Zuschauer aus voller Kehle, um die Figuren zu warnen. Dass die Angst hier so groß und furchterregend ist, liegt auch an der Oma (Kilian Ponert), die dem kleinen Angsthasen immer Panik macht. Sie warnt ihn vor der Dunkelheit, weil da Räuber und Gespenster lauern. Und sie warnt ihn vor dem Wasser, denn darin kann man ja ertrinken. Eigentlich möchte die Oma den kleinen Angsthasen am liebsten einsperren, damit nichts passiert.

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Die herrlich sächselnde Oma hört nämlich auf die Stimme des großen Häselhoff aus dem "häsischen Rundfunk", der ständig vor irgendetwas warnt. Dass der kleine Angsthase lernt, seine Panik zu überwinden und sogar dem Fuchs (auch Kilian Ponert) furchtlos entgegentritt, das liegt an dem kleinen Ulli, der keine Angst und immer noch einen Reim parat hat: "Oma, das reimt sich auf Koma."

Die beiden Freunde ergänzen sich schon optisch bestens: Der kleine Angsthase trägt einen rosa gemusterten Trainingsanzug, der kleine Ulli schwarz-weiß. Der Fuchs dagegen kommt ganz mondän daher in Glitterhose und Mantel mit buntem Pelzbesatz (Bühne und Kostüme: Imke Paulick). Die leere Bühne wird durch wenige Requisiten und die große Lust am Spiel lebendig und regt so die Fantasie an. Projektionen zaubern außerdem Impressionen verschiedener Landschaften auf die sonst kahlen weißen Wände. Als schöne Idee erweist es sich, die Geschichte der Tiere - ein kleines Intermezzo - als Schattenspiel mit Pappfiguren zu gestalten.

Für Atmosphäre und Stimmungen in dem kurzweiligen Spiel sorgt Lorenz Brückner am Klavier, der den Abend begleitet. Warnend greift er in die Tasten, als der Fuchs sich nähert. Doch statt vor Angst wegzulaufen, bietet der kleine Angsthase ihm Schokokuchen an, und alle werden Freunde. So einfach kann das manchmal gehen! Das Stück endet mit einer Ansprache des kleinen Angsthasen, der "gelernt hat zu lernen: Ihr habt Angst davor, Angst zu haben, also lasst uns alle Angsthasen sein".

(RP)