Klavierpoesie mit Fabian Müller im Robert-Schumann-Saal: eine Rezension

Konzert im Robert-Schumann-Saal : Klavierpoesie mit Fabian Müller

Es gibt Pianisten, die setzen sich an den Flügel und legen gleich los. Fabian Müller, geboren 1990 in Bonn, gehört nicht dazu. Er musste sich im Robert-Schumann-Saal erst einmal konzentrieren und tief eintauchen in eine andere Welt.

Er ließ sich viel Zeit vor dem ersten Akkord.

Dann erklang das leise, aber strenge d-Moll der 1. Ballade aus op. 10 von Johannes Brahms. Und der Saal schien verwandelt. Der etwas entrückt wirkende Pianist war dort angekommen, wo er hinwollte: In den Bezirk der Sagen und Märchen. Brahms selbst war mit diesem Stück bereits abgetaucht ins Reich schottischer Legenden und verwies im Notentext ausdrücklich auf die Edward-Ballade aus einer Textsammlung Herders.

Müller spielte alle vier Balladen mit starker Imaginationskraft, technisch tadellos und klanglich nuancenreich. Des Pianisten Anschlag klang zwar nicht unbedingt satt und rund, sondern blieb selbst im Fortissimo filigran. Aber in diesem begrenzten Bereich fand er zu erstaunlich vielen Schattierungen. Dass Müller ein Meister der Miniatur und des musikalischen Mikrokosmos ist, demonstrierte er auch in den feingliedrig dargebotenen drei Brahms-Intermezzi op. 117.

Der Interpret ist freilich nicht auf Brahms abonniert. Auch Beethoven gelingt ihm bemerkenswert: Die „Appassionata“ beherrscht er souverän und präsentiert sie in all ihren Facetten. Und doch entzückt er weniger mit diesem Exemplar großformatiger Spätklassik als wieder einmal mit wunderbaren Kleinigkeiten: Beethovens Bagatellen op. 33.

Diese Stücke sollte niemand aus Versehen spielen. Denn Beethovens schräger Musikhumor lässt sich nicht ohne Empathie vermitteln. Müller hat sie und wusste exakt, worauf er sich einließ, so dass er das etwas biedermeierliche Kuriositätenkabinett zum Leben erwecken konnte. Ja, er brachte den ganzen Saal zum Schmunzeln. Eine Prise Humor kam auch bei den Zugaben zum Vorschein. Zuerst gab es György Kurtágs tonlose Pianisten-Pantomime und danach abermals Brahms, diesmal ganz volkstümlich mit „Guten Abend, gute Nacht“. Das begeisterte Publikum spendete reichlich Beifall.

Einmal mehr erwies sich die junge Klavierreihe „Talente entdecken“ als herrliche Bereicherung fürs Düsseldorfer Musikleben.

Mehr von RP ONLINE