Klavierabend von Jan Lisiecki in der Tonhalle

Kurzkritik : Famos: Jan Lisiecki in der Tonhalle

Der junge kanadisch-polnische Pianist begeisterte sein Publikum mit einem gemischten Programm.

Capriccios und andere Klavierstücke, die mit den zu ihrer Zeit herrschenden Regeln der Kompositionstechnik sehr frei umgingen, hatte sich Jan Lisiecki für seinen Klavierabend in der Tonhalle gewählt. Der 24-jährige kanadische Pianist mit polnischen Wurzeln spazierte von Bach bis Rubinstein, bei Mendelssohn und Chopin kehrte er mehrmals ein. Sein Programm umfasste eine Vielzahl von Einzelsätzen, teils zu Zyklen zusammengefasst.

Lisiecki nutzte bei der Gestaltung der zumeist kurzen Formen vielfach die Extreme, vorrangig die leise Seite des Spektrums. Das „Adagiosissimo“ aus Johann Sebastian Bachs Capriccio B-Dur war außerdem noch langsam, äußerst langsam. Lisiecki hielt die Musik dennoch im Fluss, erzählte Spannendes.

Am anderen Ende des Spektrums stand das rasende Tempo von Mendelssohn Bartholdys „Spinnerlied“, glasklar und nie aufbrausend. Jedes der „Lieder ohne Worte“ erhielt zudem einen geradezu märchenhaften Ton. Den Tastenlöwen gab er aber auch bisweilen. In Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ schüttelte er mürrisch Haupt und Haar.

Im Zentrum von Lisieckis Spiel stand aber das Herauskristallisieren des feinen, je eigenen Charakters der Stücke, etwa von Mendelssohns „Variations sérieuses“. Mit der spannungsreichen Abfolge der 18 Teile schuf er gleichzeitig ein rundes Ganzes.

Die voll besetzte Tonhalle jubelte begeistert. Norbert Laufer