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St. Margareta Gerresheim: Kirchenschatz in der Werkstatt

St. Margareta Gerresheim : Kirchenschatz in der Werkstatt

Ein Restauratorinnen-Team in Köln arbeitet Kunstwerke aus dem Besitz der Basilika St. Margareta in Gerresheim auf. Die wertvollsten sollen in einer Schatzkammer, die in einer Seitenkapelle eingerichtet wird, präsentiert werden. Forscher bekommen wertvolle Hinweise.

Romantische Vorstellungen von einem Kirchenschatz haben in der Restaurierungswerkstatt Beier, Freund und Köhler keinen Platz. Sie gleicht einem Labor, wirkt mit ihrem Marmorboden, den Fensterscheiben mit UV-Schutz und den sorgfältig verhängten Regalen klinisch rein. Nichts Überflüssiges steht auf den großen Tischen, auch nicht die Stücke des Kirchenschatzes von St. Margareta in Gerresheim, der seit 2009 in der Restaurierungswerkstatt gelagert ist. Hervorgeholt wird lediglich das Teil eines Schatzes, das bearbeitet werden soll. Nur bei dieser peniblen Ordnung und Sauberkeit können die angegriffenen Schätze wieder neuen Glanz bekommen, ist sich das Restauratorinnen-Team einig.

Auf den blitzsauberen Arbeitstisch, auf dem nur die nötigen Arbeitsmaterialien — Reinigungsmittel, Pinzette, Lupen — liegen, hat sich Restauratorin Anke Freund die Monstranz für Reliquien des hl. Hyppolit geholt. Sorgfältig spürt sie auf dem Gold Schmutzspuren auf, entfernt sie mit speziellen Mitteln, prüft Scharniere auf Schäden. "Bei der Arbeit konzentriere ich mich ganz auf die Materialien, denke nicht an die Verwendung", sagt sie. Die gelernte Elfenbeinschnitzerin ist in der Restauratoren-Gemeinschaft vor allem für Metalle und Glas zuständig. Ihre Partnerin Viola Beier, gelernte Damenschneiderin, kümmert sich um Textilien, etwa um den Chormantel aus dem Kirchenschatz. Und Verena Kühler, die ein Studium im Fachbereich Möbel- und Holzobjekte an der FH Köln absolviert hat, bearbeitet in erster Linie Holzobjekte und ist deshalb auch mit dem alten Marienaltar der Gerresheimer Kirche befasst.

Ausgelagert

"Diese Spezialisierung ist ideal für die Restaurierung des Kirchenschatzes", sagt Beate Johlen-Budnik. Die Kunsthistorikerin kümmert sich in der Pfarre St. Margareta um den Erhalt des Kirchenschatzes und die Einrichtung einer Schatzkammer, in der die wertvollsten Stücke ausgestellt werden sollen. Im Zuge der Vorbereitung dieser Präsentation wird der gesamte Schatz gesichtet und restauriert. Die Stücke mussten aus dem Kellertresor des Gerricusstiftes ausgelagert werden, weil das Gebäude umgebaut wurde. So stehen und liegen die 165 Exponate jetzt in Köln platzsparend gestapelt hinter dem Vorhang eines Regals, das eigens für sie gebaut wurde.

Nach und nach werden sie zur Bearbeitung hervorgeholt. "Die Monstranzen, Kerzenleuchter, Reliquiare und Kreuze weisen keine allzu großen Schäden auf", sagt Anke Freund. Vor allem muss sie die Sulfid-Schichten, mit denen die Metalle angelaufen sind, entfernen. Mit größeren Schäden hat es Verena Kühler zu tun. Von einem Sakristei-Schrank aus dem 17. Jahrhundert sind nach einem Umbau nur noch Teile des geschnitzten Gesimses erhalte. "Es stellt sich die Frage, ob der Schrank wieder verwendet und Teile ergänzt werden sollen", sagt Kühler. Diese grundlegende Frage nach dem Umfang der Restaurierungen stellt sich oft. "Entscheidend ist die künftige Nutzung", so Kühler. Wird ein Kunstwerk genutzt oder ausgestellt, muss es wieder hergerichtet werden. Bleibt es erst im Tresor, werden die Teile so gesichert, dass sie nicht weiter zerfallen.

Um die notwendige Sanierung richtig beurteilen zu können, brauchen die Restauratorinnen neben dem handwerklichen Können auch kunsthistorisches Wissen. "Diese spannende Kombination macht den Beruf so spannend. Bei der Beurteilung ist Einfühlungsvermögen und das Abwägen von Alternativen gefragt", so Kühler.

Von dem Wissen der Restauratorinnen profitieren auch Forscher. Die Studenten der Heinrich-Heine-Universität etwa, die die Herkunft und das Alter einzelner Stücke genauer untersuchen, bekommen von den Fachfrauen wertvolle Tipps. Sie können beispielsweise die Ornamente eines Weihrauchfasses bestimmten Epochen zuordnen oder an die Stickereien an Nähten eines Chormantels ablesen, dass er nicht aus wiederverwendeten Kleidungsstücken angefertigt wurde. "Für die wissenschaftliche Einschätzung ist das wichtig", erklärt Johlen-Budnik.

Für die Schönheit, die die einzelnen Kunstwerke ausstrahlen, allerdings nicht. Wichtig ist nur die gute Restaurierung in der labor-ähnlichen Werkstatt. Deren kühle Atmosphäre wird aber vergessen sein, wenn der Schatz in einer Kapelle der romanischen Basilika einmal präsentiert werden wird.

(RP/jco)