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"Killer & Killer" beim Asphalt-Festival

Theaterkritik : Warum Frauen aufhören sollten, Cupcakes zu backen

Das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern war Thema einer bissigen Inszenierung der Kölner Gruppe „Killer & Killer“ beim Asphalt-Festival auf dem See.

Das Asphalt-Festival ist ein sommerliches Fest der Künste, aber meist kein bisschen mild. Das liegt nicht am Wetter, sondern an den Themen, die stets mit den Verhältnissen zu tun haben, in denen wir leben oder leben müssen. Die vier Schauspielerinnen auf der Seebühne am Schwanenspiegel haben sich am Freitagabend das Frausein vorgenommen und es geht ungemütlich zu. Selbstverständnis, Erniedrigung, Gewalt, Lust – Beispiele türmen sich auf zu Gewitterwolken, die seit ewigen Zeiten auf ihre Entladung warten. Wenn das je gelingen kann, dann an diesem Abend mit dem starken Ensemble Killer & Killer, das wild entschlossen an festgefahrenen Strukturen herumzerrt. Die Energie, die die Darstellerinnen freisetzen, könnte Explosionen in Serie auslösen.

Grundlage der Inszenierung ist „Revolt. She said. Revolt again“, ein Stück der britischen Theaterautorin Alice Birch über die Machtverhältnisse der Geschlechter. Eigens für das Asphalt-Festival entstand eine Fassung von 70 Minuten. Die vier Darstellerinnen lümmeln sich auf Sesseln und stochern zunächst schnöselig in sexuellen und beruflichen Begebenheiten herum. Im Chor tragen sie Geschichten vor, deren Gleichklang jedoch im Verlauf des Abends immer diverser wird und schließlich zu einer aufwieglerischen Deklaration aufsteigt: Frauen sollten sich weniger entschuldigen, keine Leute zum Essen einladen, wenn sie schlafen wollen, ihre Rechte im Job einfordern, die Zubereitung von Cupcakes einstellen und sich vor Gericht nicht mehr erklären müssen, wenn ihnen Gewalt angetan wird.

Wie moderne Sirenen plagen die Frauen ihre Zuhörer mit unheilvollem Gesang und ihrem Wissen über Frauen und deren Bestehen in der Welt. Mal düster und schmerzhaft, dann wieder scharf-humorig und federleicht. Herrlich abwechslungsreich ist die Inszenierung gelungen, ohne dieser Tatsache auch nur einen Deut an Ernsthaftigkeit zu opfern. Am Ende steigen die Frauen in ein Boot und rudern davon. „Sie kommen nicht zurück“, sagt Festivalchef Christoph Seeger-Zurmühlen, als er das Publikum verabschiedet. Was bleibt, ist Ansporn.

Tickets Das Asphalt-Festival am Schwanenspiegel dauert bis zum 19. Juli. Es gibt noch Restkarten für wenige Vorstellungen. www.asphalt-festival.de