Düsseldorf: Keine Lust auf Sabberlätzchen

Düsseldorf: Keine Lust auf Sabberlätzchen

Der Düsseldorfer Tobias Steinfeld hat mit "Scheiße bauen: sehr gut" seinen ersten Roman veröffentlicht. Unterhaltsam schreibt er über Inklusion.

Eigentlich kam Paul als Praktikant an die Förderschule. Blöderweise halten ihn dort alle für den neuen Schüler Per. Das aufzuklären, wäre anstrengend, findet Paul. Und vielleicht, so überlegt er, ist das Schülerdasein gar nicht so schlecht. Dann muss er sich immerhin nicht mit unangenehmen Praktikumsaufgaben herumschlagen - "Hintern abwischen" oder "Sabberlätzchen wechseln" zum Beispiel.

Kürzlich ist der Roman "Scheiße bauen: sehr gut" von Tobias Steinfeld im Thienemann Verlag erschienen. Der 34-Jährige Düsseldorfer lässt seine Hauptfigur, den 14-jährigen Gymnasiasten Paul, in der Förderschule eine ganz neue Welt entdecken. Meistens ist das ziemlich witzig: Paul spielt mit seinen Mitschülern Playstation, hält im "Snoezelraum" Mittagsschlaf und fährt verbotenerweise Aufzug.

Es sind auch eigene Erfahrungen, von denen Tobias Steinfeld berichtet. Neben dem Studium hat er selbst als Inklusionshelfer in einer Förderschule gearbeitet. "Die Idee, darüber zu schreiben, ist mir aber erst später gekommen", erzählt der Autor, der vorher Kurzgeschichten und Theaterstücke verfasst hat. "Scheiße bauen sehr gut" ist sein erster Roman. Noch während er daran arbeitete, wurde sein erstes Kapitel mit dem Schreiberstipendium für Kinder und Jugendliteratur der Stadt Mannheim ausgezeichnet.

Immer wieder ging Steinfeld auch in Schulen, um sich Anregungen von Jugendlichen zu holen. Und so ist auch das ganze Buch in Jugendsprache gehalten und alles andere als politisch korrekt. Von "Behinderten" ist da etwa die Rede, und Fatih findet, dass "der Mädchen" voll nach "Scheiße stinkt". "Mir ist wichtig, dass die Sprache authentisch war", sagt Steinfeld. Oft habe er in den Schulen auch aus seinem Buch vorgelesen. Die Jugendlichen hätten sich dabei gut mit der Hauptfigur identifizieren können. "Mittendrin platzten sie mit Fragen heraus, oft ging es darum, ob es ok ist, was Paul da macht." Immer wieder merke er aber auch, dass Jugendliche kaum Berührung mit dem Thema haben. Das sei eines seiner Anliegen: "Berührungsängste abbauen und Förderschulen in die Mitte der Gesellschaft rücken." Steinfeld spielt mit der verkehrten Welt: Während Paul es so kennt, dass Förderschüler die Außenseiter sind, ist er selbst in der Schule der Außenstehende.

Paul schlittert von einer Katastrophe in die nächste. Nicht selten wird es brenzlig: etwa als plötzlich ein Mitschüler fälschlich behauptet, dass er der echte Per sei. Bald geht es aber um mehr als um skurrile Situationen. Paul findet in der Förderschule Freunde, verliebt sich sogar.

Und immer mehr drängt sich dem Leser die Frage auf, was überhaupt normal ist.

(ubg)