1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Katja Riemann gastiert mit „Karneval der Tiere“ von Saint-Saëns.

Gastauftritt von Katja Riemann : Launiger Brückenschlag zu Mensch und Tier

Die Schauspielerin Katja Riemann gastiert am Sonntag als Rezitatorin im Schumann-Saal. Es gibt den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns.

Am Sonntag kommt es bei der Reihe „Zweiklang – Wort und Musik“ im Robert-Schumann-Saal zu einem raren Ereignis: einer echten Uraufführung. Katja Riemann hat ihre Rezitation „Der Karneval der Tiere“ mit Texten von Roger Willemsen um dessen tragikomische Erzählung „Das müde Glück“ erweitert. „Ich mache das für euch in Düsseldorf das erste Mal und bin sehr gespannt, wie es gelingt“, kündigt die Schauspielerin voller Vorfreude an.

Seit einigen Jahren schon ist sie mit der aus 14 kleinen Sätzen bestehenden Komposition von Camille Saint-Saëns vertraut. Die Geschichte beginnt 2015, als die Kammerakademie Potsdam den Violinisten Daniel Hope nach einem möglichen Rezitator für eine Aufführung fragte. Er schlug Katja Riemann vor. „Ich fand das reizvoll und wollte wissen, ob ich mir die Textvorlage aussuchen dürfte“, erzählt sie. Sie durfte.

Loriot und Peter Ustinov hatten schöne Fassungen geschrieben und eingelesen. Ihr Favorit aber war Roger Willemsen, weil seine gereimten Verse am brillantesten waren, klug, lustig, frivol, voller Wärme und Wortwitz. Ob er ihr das erlaube? Seine Gegenfrage: „In welchen Händen könnte die Fassung besser aufbewahrt sein als in deinen?“

  • Auch die Orgel in der Andreaskirche
    Konzerte in Düsseldorf : Ein Wochenende der Orgelmusik
  • Der Schauspieler Fritz Karl ist am
    Leidenschaft im Düsseldorfer Kunstpalast : Charakterkopf Fritz Karl im Tangofieber
  • So geht es zu beim „Palastrauschen“:
    „Sparda Palastrauschen“ : Der Kunstpalast klingt gut
  • Die Beckerath-Orgel der Andreaskirche in der
    Serie Orgeln in Düsseldorf : Flötentöne und Donnerbrausen
  • Der Schauspieler Fritz Karl führte das
    Musik und Poesie im Schumann-Saal : Leidenschaftliche Erinnerung an den Wegbereiter des Tangos
  • Saxophonist Roger Hanschel und das namhafte
    Kleve : Warmer Regen fein abgestimmter Klänge

Damit wurde „Der Karneval der Tiere“ zu einem geliebten und geschätzten Begleiter der Schauspielerin – in Konzertsälen bis hin zur Elbphilharmonie und verknüpft mit vielerlei musikalischen Formationen, darunter eine launig verjazzte Version bei „Jazz Baltica“. Ihr Auftritt mit den holländischen Pianisten-Brüdern Lucas und Arthur Jussen inspirierte Katja Riemann zu der Idee, eine CD aufzunehmen. Sie wurde mit dem „Klassik-Echo“ ausgezeichnet. „Da war ich richtig stolz“, sagt sie.

Nur ein letzter Punkt schien ihr bei dem ausgefeilten Programm noch verbesserungsfähig zu sein. Das Werk von Camille Saint-Saëns füllt mitsamt seinen lustvollen Sprachkapriolen nur 45 Minuten. „Zu wenig für einen Abend. Wir haben es immer mit anderer Musik ergänzt“, erzählt sie. „Lange zerbrach ich mir den Kopf nach einer idealen Kombination. Dann fiel mir ein Büchlein von Roger Willemsen in die Hände, das ich gar nicht kannte.“

Der Tod des 2016 verstorbenen Publizisten  schmerzt sie bis heute: „Er fehlt mir so sehr, wir bräuchten ihn dringend, gerade in diesen wirren Zeiten.“ In seiner Hiobsgeschichte „Das müde Glück“ um den Zirkusdirektor Hopp entdeckte Katja Riemann die ersehnte Bereicherung: „Karneval und Zirkus, Mensch und Tier, ein perfekter Brückenschlag.“

Bei der Aufführung im Robert-Schumann-Saal hat sie mit Franziska Hölscher (Violine) und Marianna Shirinyan (Klavier) zwei wunderbare Gefährtinnen zur Seite: „Wir haben uns gefunden, künstlerisch, musikalisch, freundschaftlich. Es tut gut, wenn man so ein Zuhause-Gefühl hat und die gleichen Dinge mag. Wir haben noch viel miteinander vor.“ Dazu kommen in Alina Bercu eine weitere Pianistin sowie Studierende der Robert Schumann Hochschule. Eine derart umfangreiche Besetzung ist bei „Zweiklang“ ebenfalls außergewöhnlich.

Katja Riemann hat mehrere musikalisch-literarische Programme im Gepäck, von Heinrich Heine bis Rammstein mit Texten von Sibylle Berg. Mehrfach gastierte sie damit schon in Düsseldorf. „Ich mag die Stadt sehr“, sagt sie. „Es gibt eine großartige Architektur, den Rhein und fantastische moderne Museen und Galerien. Das K20 und K21 liebe ich, ich hoffe, ich kann mir zwischen Probe und Aufführung etwas ansehen.“

Einmal war sie für Aufnahmen zum Film „Die abhandene Welt“ hier, gedreht wurde damals im Mutterhaus der Kaiserswerther Diakonie. Regie führte Margarethe von Trotta, mit der Katja Riemann oft gearbeitet hat. Beleuchtet man das Schaffen der Schauspielerin über mehr als drei Jahrzehnte, erschließt sich eine seltene künstlerische Vielfalt. Darunter sind Komödien („Abgeschminkt“, „Der bewegte Mann“, „Fuck ju Göthe“), feine Charakterstudien und große Dramen.

Seit „Bandits“ kennt man sie auch als Sängerin und Musikerin. Von Kindheit an spielte sie mehrere Instrumente, „Erst C-Flöte und Tenorflöte, die konnte ich gut mit meinen kleinen Händchen halten, dann Klavier, Gitarre, Glockenspiel und allerlei Schlagwerke“, listet sie auf. Sie hat zahlreiche Konzerte gegeben, darunter viel Jazz. Als Sängerin möchte sie nicht mehr öffentlich auftreten, aber das Klavierspiel hat sie wieder entdeckt: „Nur für mich allein, oh mein Gott, ist das schön!“

Neue Felder sind dazugekommen, etwa ihre erste Regie. Auf der Insel Lesbos drehte Katja Riemann den berührenden Dokumentarfilm „…and here we are!“  über eine Filmschule im Flüchtlingslager Moria (in der Arte-Mediathek). Und ein Buch hat sie 2020 veröffentlicht: „Jeder hat. Niemand darf.“, Schilderungen ihrer Projektreisen als Menschenrechtsaktivistin, voller Hingabe, Humor und Hoffnung.