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Kammerkonzert mit dem Quatuor Èbène im Schumann-Saal

Kammerkonzert im Schumann-Saal : Das Grauen unter Himmelsklängen

Erlesene Kammermusik: Das französische Quatuor Ébène gastierte mit Streichquartetten von Mozart, Schostakowitsch und Brahms im Robert-Schumann-Saal.

Immer schon spielten die übersinnlichen Mächte Violine – ob die barocken Englein oder ihr böser Gegnerspieler in Tartinis „Teufelstrillersonate“. Und dann gab es ja noch den „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini. Schier übernatürliche Streicher-Perfektion im Viererpack lieferte nun das Quatuor Ébène beim Gastspiel im Robert-Schumann-Saal. Zu Gehör kamen aber keine Teufelstriller, sondern Quartette von Mozart, Brahms und Schostakowitsch.

Die vier Streicher gaben ohne Schwächen oder Müdigkeit ein anspruchsvolles 110-Minuten-Programm inklusive kurzer Erfrischungspause, aber mit Zugabe. Eine saubere Intonation mag unter Weltklasse-Quartetten üblich sein, doch diese Lupenreinheit, die das 1999 in Frankreich gegründete Ensemble erreicht, kitzelt ganz besonders angenehm in den Ohren und macht alle irdischen Mühen vergessen.

Bei Mozart führt solches Können zu wahren Himmelsklängen. Das Quartett Nr. 14 G-Dur (KV 387) klang kristallklar – besonders schön in der Schluss-Fuge. Die vier Streicher spielten schnörkellos, fast etwas kühl, doch mit vielen Farbnuancen. Jedes Quartettmitglied entfaltet sich frei und wirkt auch solistisch hörenswert – allen voran Primarius Pierre Colombet, der seine Violine aufblühen lassen kann wie ein Stargeiger.

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Auf den Himmel folgte die Hölle mit Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 c-Moll, in dem er 1960 den Schrecken und Zerstörungen des Krieges Ausdruck verlieh. Cellist Raphaël Merlin sprach hierzu ein paar Worte, auch über sein Mitleiden mit den Ukrainern. Vor zwei Jahren sei Schostakowitschs musikalisches Porträt des Grauens bereits aufs Programm gesetzt worden, als noch keiner an die schlimmen Entwicklungen in Osteuropa dachte. Doch nun spiele man es vor dem Hintergrund des aktuellen Krieges.

Der Quartettklang verdunkelte sich, die Expressivität stieg bis zum Ausdruck von Zorn. Aber in den langsamen Sätzen des Quartetts, das motivisch geprägt ist von Dmitri Schostakowitschs Namenszug-Tönen D-Es-C-H, mischte sich in die Melancholie auch so etwas wie Sehnsucht. All das vermochten die Vier in allen Facetten hörbar zu machen, verzichteten aber auf äußerliches Forcieren.

Danach wirkte Brahms wie eine Erholungskur. Im Quartett B-Dur gewann das Quatuor Ébène deutlich an Wärme, und die Hörer konnten sich in die reichen Harmonien der Komposition einkuscheln wie in eine weiche Decke. Im Andante ließ man auch Weihe und Pathos zu, blieb aber der puristischen Spielweise treu. Auf den langen Beifall folgte eine kurze Zugabe, eine Quartettfassung des „Stückleins“, mit dem Robert Schumann seine ursprünglich für Klavier geschriebenen „Bunten Blätter“ op. 99 eröffnet.