Gerburg Jahnke: Kabarettistin sorgt für "Heiße Zeiten"

Gerburg Jahnke : Kabarettistin sorgt für "Heiße Zeiten"

Gerburg Jahnke führt Regie in der Revue über den vermeintlichen Schrecken aller Frauen: die Wechseljahre. Ab August fegen vier Frauen mit unterschiedlichen Befindlichkeiten urkomisch und selbstironisch über die Bühne. Ein Abend, der allen hilft, eine Haltung zu entwickeln.

Sie hat sie hinter sich gebracht — die Wechseljahre. Erfolgreich, wie sie sagt. Aber sie hatte ja auch nicht den schweren, sondern den leichten Verlauf. Dass Gerburg Jahnke derartige Auskünfte erteilt, hat mit ihrem neuen Stück zu tun, das ab 2. August in Düsseldorf auf der großen Bühne des Capitol Theaters zu sehen ist. "Heiße Zeiten" kündigen die Plakate an — eine Wechseljahr-Revue, die das Publikum generationsübergreifend in den Saal locken soll.

Gerburg Jahnke, die eine Hälfte des legendären Kabarettistinnen-Duos "Missfits", hat die Revue inszeniert und schwärmt von Drehbuch und Darstellerinnen gleichermaßen. "Dass sich ein Mann, und dazu noch ein homosexueller, so treffend über die Befindlichkeiten von Frauen in den Wechseljahren auslässt", fand sie großartig. "Ich habe mich schlapp gelacht, als ich das Drehbuch gelesen habe", erzählt sie.

Und dann ist sie durch Deutschland gereist und hat Frauen im besten Alter gecastet. April Hailer beispielsweise, die in der Revue die "Karrierefrau" spielt. "Eine unglaubliche Komödiantin", lobt Jahnke. Oder Sabine Urig, im Stück "die Hausfrau", bekannt aus der TV-Serie "Familie Heinz Becker". "Ich finde, die kann viel mehr als in den Fernsehrollen sichtbar wird", wirbt Jahnke. Und wenn es darum geht, was alle vier Darstellerinnen zusammen auf der Bühne leisten, ist die Regisseurin ganz aus dem Häuschen. "Wie die sich bewegen! Ich glaube, wenn ich auf der Bühne dabei wäre, müsste ich erst mal aufhören zu rauchen."

Bewegung ist das Stichwort, das die rasante Revue und gleichermaßen auch das Thema der Revue beschreibt. Vier Frauen treffen in der Abflughalle eines Flughafens zufällig aufeinander und haben alle mehr oder weniger mit den vermeintlichen Schrecken aller Frauen, den Wechseljahren, zu kämpfen. "Jede dieser Figuren ist am Ende des Abends jemand anderes als vorher", beschreibt die Regisseurin die temporeiche Inszenierung. Die Schnelligkeit wird vor allem durch die 20 Songs erzeugt, die die Themen der Frauen musikalisch aufnehmen und weiter entwickeln. "Aber bitte, es ist kein Musical", beschwört Jahnke, auch wenn der hohe Musik- und damit verbundene Choreographie-Teil durchaus an den Musical-Kassenschlager "Mamma Mia" erinnert.

Die Musik lädt jedenfalls zum mitwippen, mitschnippen, mitsingen und mitswingen ein. Es sind allesamt Coversongs mit deutschen Texten und feinen Spitzen. Da wird aus "Is this the Way to Amarillo" kurzerhand "Ich freu mich auf die Wechseljahre" und aus Michael Jacksons "Thriller" eine gelungene Persiflage auf Schönheits-Operationen. "Wir arbeiten die verschiedenen Symptome der Wechseljahre von Hitzewellen bis zur Vergesslichkeit ab", so Jahnke.

Und auch wenn die Grundstimmung komisch und selbstironisch ist, ist Jahnke sich doch sicher, dass der Abend weiterreichen wird. "Er hilft, eine Haltung zu entwickeln." Oder, wenn Frau es geschafft hat, ihren Göttergatten mit ins Programm zu lotsen, auch die thematisierten Symptome und Befindlichkeiten hinterher noch einmal anzusprechen.

Premiere feierten die "Heißen Zeiten" 2010 im St. Pauli Theater in Hamburg. In Zürich gastierte die Show im Frühjahr. Dass eher Frauen, oft auch Mütter und Töchter, in die Show kommen, ist naheliegend. Das Verhältnis zwischen Männlein und Weiblein ist 20 zu 80. Aber für die Männer, die kamen, hat sich's gelohnt, weiß Gerburg Jahnke: "Ich habe kaum einen Mann gesehen, der dem Charme der Frauen widerstehen konnte."

(RP)