Junges Schauspiel in Düsseldorf: Grenzenloser Gedankenaustausch

Junges Schauspiel : Grenzenloser Gedankenaustausch

Bei einem Projekt des Jungen Schauspiels sollen Jugendliche aus Düsseldorf und dem israelischen Haifa einander begegnen. Für das Wochenende ist ein Kongress mit Künstler-Workshops geplant.

Ein im Vorjahr begonnenes Austauschprojekt am Jungen Schauspiel wird jetzt fortgesetzt. Nach Indien ist Israel zu Gast beim transkulturellen Kongress „Future (t)here“ vom 20. bis 25. Juni. „Diesmal haben wir Jugendliche aus unserer Partnerstadt Haifa eingeladen“, berichtet Dramaturg David Brückel. Das Motto „(Not) in my name“ – (Nicht) in meinem Namen“ greift den 30. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention auf, die 1989 beschlossen wurde. „In einem Artikel geht es auch ums Recht auf den eigenen Namen“, erklärt er. In das Programm sind Themen und Fragen eingebunden, die junge Menschen bewegen: Wofür stehe ich? Wofür nicht? Was unterstütze ich? Was nicht? „Dabei ist uns wichtig, dass wir durch Gespräche und interaktive Referate sofort in einen Dialog kommen“, sagt David Brückel. Impulsgeber wird in einem Bereich auch eine „Fridays For Future“-Gruppe aus Düsseldorf sein.

Bei drei parallel verlaufenden künstlerischen Workshops zu Street Art, Tanz und Theater, bei gemeinsamen Stadterkundungen, Theaterbesuchen und weiteren Freizeitaktivitäten können sich die jeweils 16 Jugendlichen aus Düsseldorf und Haifa auf verschiedenen Ebenen begegnen und austauschen. „Darauf freue ich mich sehr, eine solche Möglichkeit hat nicht jeder“, sagt Hannah-Evita Gebauer. Die 17-Jährige macht gerade ihren Realschulabschluss. Sie möchte Kinderkrankenschwester werden, hat aber auch großes Interesse am Theater. Von dem Projekt erfuhr sie im Jugendclub Eller, den sie regelmäßig besucht. „Wir bereiten uns seit Januar auf das Treffen vor“, erzählt Hannah-Evita. „Das hat Spaß gemacht, mich aber auch bewegt. Es beschäftigen sich ja nicht so viele Jugendliche derart intensiv mit Themen wie Umweltschutz oder Krieg. Deshalb fand ich es eine schöne Erfahrung, dass wir nun mit unserer Gruppe so viel darüber wissen.“

Luca-Thomas Vogt stieß ebenfalls über den Jugendclub Eller zu „Future (t)here“. Nach seinem Fachabitur an der Lore-Lorentz-Schule will er studieren und später Sozialarbeiter werden. „Ich finde es spannend, einen Einblick in eine andere Kultur zu bekommen“, begründet Luca (18) seine Teilnahme. „Außerdem liebe ich Sprachen. Ich unterhalte mich gern auf Englisch und lerne vielleicht sogar etwas Hebräisch dazu.“ Die verbindende Sprache beim Kongress wird Englisch sein, bestätigt David Brückel, „aber sicher müssen wir auch Hände und Füße benutzen. Wir wollten die Veranstaltung möglichst breit öffnen und Jugendliche mit unterschiedlichem Hintergrund einbinden.“

Die israelischen Teilnehmer kommen alle aus dem Leo-Baeck-Zentrum in Haifa, wo sie sich seit Monaten mit „Future (t)here“ beschäftigt haben. In Düsseldorf stellte der Dramaturg das Projekt an mehreren Schulen, Freizeiteinrichtungen und Jugendämtern vor. Daniel Drexler (18) hörte am Theodor-Fliedner-Gymnasium in Kaiserswerth davon. Für ihn hat der Austausch eine ganz besondere Bedeutung. „Bis vor drei Jahren lebte ich in Israel, in der Nähe von Jaffa“, erzählt er. „Dann zog ich mit meiner Familie nach Düsseldorf.“ Der Anfang sei gar nicht so schwer gewesen: „Ich bekam von allen Seiten sehr viel Hilfe, auch beim Deutschunterricht.“ Daniel möchte am Workshop über Street Art teilnehmen und freut sich vor allem aus einem Grund auf die Begegnung: „Es wird interessant sein, junge Leute zu treffen, die sich für die gleiche Sache einsetzen wie wir.“ Was, glaubt er, wird die Besucher aus Israel in Düsseldorf am meisten überraschen? „Die werden richtig erstaunt sein, wie grün alles ist“, sagt Daniel, „und wie nett die Menschen hier sind.“

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